Parasiten und Larven an importierten Miesmuscheln können das Ökosystem im Wattenmeer empfindlich verändern.
Umweltschützer haben ein Verbot von Muschelimporten ins Wattenmeer gefordert. Nach Ansicht der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer in Schleswig-Holstein und der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) besteht die Gefahr, dass mit den Muscheln andere Arten eingeschleppt werden, sagte WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner. Um neue Kulturen ansetzen zu können, importierten die Fischer junge Miesmuscheln aus Irland und Großbritannien. Diese sogenannten Saatmuscheln werden im Nationalpark ausgebracht.
Mit den Import-Muscheln gelangen auch andere Arten ins Wattenmeer. Sie haften an ihnen, schwimmen als Larven im Begleitwasser, oder leben als Parasiten in den Muscheln, sagte Rösner. Zu den bekanntesten eingeschleppten Arten an der Nordseeküste gehören die Pazifische Auster, die Amerikanische Schwertmuschel, die Pantoffelschnecke und die Wollhandkrabbe, die sich alle massenhaft vermehren. Das stehe im Gegensatz zum Schutz der bisher noch einmaligen Natur des Wattenmeeres, sagte Rösner.
„Eine nachhaltige Muschelfischerei muss sich besonders in einem Schutzgebiet an den natürlichen Gegebenheiten orientieren“, ergänzte die Naturschutzexpertin bei der Schutzstation Wattenmeer, Silvia Gaus: „Wenn im Nationalpark Wattenmeer nicht genügend Saatmuscheln entstehen, muss sich die Fischerei einschränken“, sagte sie.
Auch in Niedersachsen sind viele Standorte nicht mehr befischbar, weil sich dort Austern angesiedelt haben. Die niedersächsischen Muschelfischer erfüllen nach eigenen Angaben alle Anforderungen an eine nachhaltige und umweltschonende Nutzung. Diese Fischereiform unterliege einer umfangreichen gesetzlichen Regelung.
dpa
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