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Inzucht bei den Pharaonen

Eltern von Tutanchamun waren Geschwister

Der legendäre ägyptische Pharao Tutanchamun ist ein Kind aus einer Inzestbeziehung. Wie aus einer am Mittwoch in Kairo vorgestellten Genuntersuchung hervorgeht, waren die Eltern des Königs Geschwister.
Eine Nachbildung der Tutanchamun-Maske in den Ausstellungsräumen der Event Arena im Olympiapark in München. Die Maske ist Teil der großen Ausstellung „Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze“.

Eine Nachbildung der Tutanchamun-Maske in den Ausstellungsräumen der Event Arena im Olympiapark in München. Die Maske ist Teil der großen Ausstellung „Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze“.

© dpa

Mehr als 3000 Jahre nach dem Tod Tutanchamuns hat der Mythos um den gottähnlichen Pharao schweren Schaden genommen. Weit entfernt vom idealisierten Bild des jugendlichen Königs war er schwach, gebrechlich, krank und dazu das Kind aus einer Inzest-Verbindung: Seine Eltern waren Geschwister. Das hat ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung um den Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, herausgefunden. Die Wissenschaftler stellten am Mittwoch in Kairo ihre Ergebnisse vor. Der schon im Alter von 19 Jahren gestorbene Tutanchamun, dessen goldene Totenmaske weltberühmt ist, litt an einer schweren Knochenkrankheit und Malaria.

Die Inzest-Beziehung seiner Eltern könnte der Grund für mehrere Missbildungen des legendären Kindkönigs sein - und damit seinen frühen Tod mitverursacht haben, sagte Mumienforscher Albert Zink von der Europäischen Akademie in Bozen (EURAC) der Deutschen Presse- Agentur dpa. In einem aufwendigen zweijährigen Forschungsprojekt untersuchte Zink gemeinsam mit seinen Kollegen die Mumien von Mitgliedern der Königsfamilie. Mit Hilfe von Gentests fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Vater Tutanchamuns der „Ketzer- Pharao“ Echnaton war.

„Es ist fantastisch, dass wir die DNA aus dem Körper eines Menschen extrahieren konnten, der vor mehr als 3000 Jahren gestorben ist“, sagte Hawass. Auch die Mutter Tutanchamuns wurde gefunden. Es ist die sogenannte „Younger Lady“, eine Mumie mit der Bezeichnung KV35YL. Wer sie war, konnte jedoch noch nicht geklärt werden. Die Forscher sind sich jedoch sicher, dass es nicht Echnatons Frau war, die für ihre außergewöhnliche Schönheit bekannte Königin Nofretete. Dafür kommt wohl noch immer Echnatons Nebenfrau Kija als Tutanchamuns Mutter infrage. Tutanchamuns Großeltern waren Pharao Amenhotep III. und Königin Teje.

Es gebe jedoch noch eine zweite - theoretisch mögliche - Erklärung für die große genetische Ähnlichkeit von Tutanchamuns Vater und Mutter, sagte Zink. Echnaton könnte Tutanchamun auch mit einer seiner Töchter gezeugt haben. Er konnte sie heiraten, „weil er ein Gott war“, erläuterte Hawass. „Auch Tutanchamun hat seine Schwester beziehungsweise Halbschwester Anchesenamun geheiratet“, sagte Zink. „Solche Verbindungen innerhalb der königlichen Familie waren nicht unüblich.“ Mit den genetischen Fingerabdrücken haben die Forscher einen Fünf-Generationen-Stammbaum der Familie Tutanchamuns erstellt.

Der „Kindpharao“ Tutanchamun lebte vor rund 3300 Jahren. Er gelangte zu großer Berühmtheit, als im Jahr 1922 im Tal der Könige sein nicht geplündertes Grab entdeckt wurde. Darin fanden sich goldene Masken, Möbel und andere Schätze. Tutanchamun kam mit nur etwa acht Jahren auf den Thron und starb nach Angaben der Forscher 1324 vor Christus im Alter von 19 Jahren. Er zeugte mit seiner Frau zwei Kinder, die jedoch tot geboren wurden. Die beiden Föten wurden ebenfalls in seinem Grab gefunden. Mit dem Tod Tutanchamuns ging die mächtigste Herrscherdynastie des Neuen Reichs zu Ende, der wohl bekanntesten Epoche der Pharaonenzeit.

Die Todesursache Tutanchamuns war vermutlich eine Knochenkrankheit in Verbindung mit Malaria. Damit dürfte die verbreitete Annahme endgültig widerlegt sein, Tutanchamun sei ermordet worden. „Ich denke, damit können wir die Fragen zum Tod von König Tutanchamun ad acta legen“, sagte Hawass.

Die Forscher diagnostizierten bei dem Pharao zahlreiche Krankheiten - darunter eine Gaumenspalte und einen Klumpfuß. Inzucht über Generationen führte wahrscheinlich zu einer schlechten Blutversorgung der Knochen und damit zu Knochenabbau. „Diese Erkrankung allein hat mit Sicherheit nicht zum Tod geführt, aber sie hat ihn in seiner Mobilität stark eingeschränkt“, erläuterte Zink. „Es erklärt wohl auch, warum man in seinem Grab zahlreiche Gehstöcke gefunden hat.“ Ohne diese konnte der Pharao nicht laufen.

Der Tübinger Wissenschaftler Carsten Pusch war ebenfalls an den Untersuchungen in dem fünf Millionen Dollar teuren DNA-Labor in Kairo beteiligt. „Tutanchamun hat an der schwersten Form von Malaria, der Malaria tropica, gelitten“, erklärte er. „Dies könnte zusammen mit der Knochennekrose zum Tod geführt haben.“ Im Grab wurden auch verschiedene Pflanzenreste gefunden, die diese Diagnose stützen. Sie hatten eine fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkung. „Er war ein wirklich armer Kerl“, sagte Pusch.

dpa


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