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Niedersächsische Energietage

Weiter Weg bis zum Elektroauto

In Koalitionsvereinbarungen lassen sich Ziele wie dieses leicht hineinschreiben: Deutschland will bei der Elektromobilität weltweiter Leitmarkt werden. Welche Hürden auf diesem Weg liegen und welche Potenziale dahinterstecken, diskutieren noch bis Freitag Wissenschaftler, Politiker und Manager bei den Dritten Niedersächsischen Energietagen in Goslar.
„Auftanken“ eines Elektroautos: Hürde für die Verbreitung ist die Batterietechnologie.

„Auftanken“ eines Elektroautos: Hürde für die Verbreitung ist die Batterietechnologie.

© Nancy Heusel

„Bis zu diesem Ziel ist es noch ein weiter Weg“, sagte e.on-Energie-Chef Klaus-Dieter Maubach gestern beim Auftakt, „weil wir bei vielen einzelnen Komponenten noch nicht an der Spitze sind.“ Und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff forderte: „Wir müssen uns verlorene Kompetenzen zurückholen.“

Der Regierungschef erinnerte daran, dass Deutschland einst führend in der Batterietechnologie war – heute größter Hemmschuh für eine schnelle Verbreitung von Elektroautos. Man sei gut beraten, hier gegenüber Ländern wie Japan, China oder Korea aufzuholen. Bis heute jedoch sind die Energiespeicher weltweit weder leistungsfähig genug noch bezahlbar noch frei von Risiko. Selbst perspektivisch werde die heiß diskutierte Lithium-Ionen-Technologie höchstens für 200 Kilometer Fahrt reichen, sagte der Chef der VW-Konzernforschung, Jürgen Leohold. „Den Einsatz auf der Langstrecke sehe ich in den nächsten Dekaden nicht.“ Gleichwohl nehme VW das Thema „sehr ernst“.

Maubach machte deutlich, dass die Batterieforschung nicht das einzige Gebiet sei, auf dem es Investitionsbedarf gebe. So müssten die Energiekonzerne ohnehin mit „irrsinnigem Kapitalbedarf“ in Kraftwerke und Netze investieren. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um das System bereits auf den potenziellen Energiespeicher Auto umzustellen. „Das erfordert aber heute schon Richtungsentscheidungen“, so Maubach. Durch das starke Wachstum der regenerativen Energieträger Wind und Sonne, die aber gleichzeitig großen Schwankungen unterliegen, gebe es heute beim Strompreis gewaltige Ausschläge. „Wir haben zeitweise negative Preise an den Strombörsen“, berichtete der e.on-Energie-Chef. Das Auto als Energiespeicher könne solche Spitzen abfedern.

Dabei hängt jedoch viel vom Markterfolg der Elektroautos ab. Bei einer Million verkaufter Autos rechne e.on mit einem Plus beim Stromverbrauch von gerade 0,3 Prozent. „Kräftiges Wachstum stelle ich mir anders vor.“ Anders sehe es aus, wenn 30 Millionen Strommobile unterwegs wären. Ihre Speicherkapazität – basierend auf aktueller Batterietechnologie – entspräche dem Tagesverbrauch der Bundesrepublik. Für den Energiemanager ist es daher entscheidend, dass alle Kräfte zusammenarbeiten, um das komplexe System aus Energieerzeugung, -verteilung und -nutzung in den Griff zu bekommen. Dann könne Deutschland auch die Führung auf dem Weltmarkt übernehmen. „Eigentlich ist diese Herausforderung doch wie geschaffen für uns, weil wir besonders gut sind im Beherrschen komplexer Systeme.“

Von einem Markterfolg der Elektromobilität würde Niedersachsen laut Wulff besonders profitieren – nicht nur wegen VW. „Wir sind das Land der Förder-, Speicher- und Transportleistungen bei Energie“, sagte der Regierungschef. Mit dem Anschluss der geplanten Windkraftanlagen auf hoher See an das deutsche Stromnetz würden Milliardeninvestitionen nach Niedersachsen fließen. Das habe die Koalition in ihrem Vertrag festgehalten. „Und das ist ein Satz, den wir im Zweifel einklagen werden.“

[Lars Ruzic]

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