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Langenhagen

Neue Gefahr für CD-Presswerk

Die Rettung des traditionsreichen CD-Presswerks in Langenhagen bei Hannover droht auf den letzten Metern zu scheitern. Noch in diesem Monat wollten der in Auflösung befindliche Mutterkonzern EDCI und der Münchener Finanzinvestor Perusa die Übernahme des Produktions- und Logistikstandorts mit seinen 1000 Beschäftigten abschließen.
CD-Produktion in Langenhagen: Im Ringen um den Standort meldet nun Kunde Universal Ansprüche an.

CD-Produktion in Langenhagen: Im Ringen um den Standort meldet nun Kunde Universal Ansprüche an.

© Surrey (Archiv)

Nach Informationen dieser Zeitung gefährden nun Nachforderungen des Exklusivkunden Universal das Projekt. Der Medienkonzern wolle den Eigentümerwechsel dazu nutzen, große Teile der CD-Fertigung anderweitig zu vergeben und für den Rest niedrigere Preis auszuhandeln, heißt es aus Verhandlungskreisen. „Damit hat sich das Geschäft für Perusa erst einmal erledigt“, heißt es aus Verhandlungskreisen.

Universal hatte den Standort, in dem 1982 die weltweit erste Compact-Disc vom Band lief, zusammen mit anderen Presswerken vor fünf Jahren für 150 Millionen Euro an die Entertainment Distribution Company Incorporated (EDCI) in den USA verkauft. An den Abschluss war ein Zehn-Jahres-Vertrag gekoppelt, in dem Universal als Exklusivkunde der Langenhagener auftritt. Dem Vernehmen nach fühlt sich der Konzern nach einem Eigentümerwechsel nicht mehr an die Konditionen gebunden und verlangt Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent. Damit wäre der Standort bereits im kommenden Jahr in den roten Zahlen und die geplante Anpassung an den Strukturwandel in der Musikindustrie undenkbar, heißt es.

Offiziell will sich keine Seite zum Stand der Verhandlungen äußern. Aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium verlautet, man sei über das „unverantwortliche Handeln“ von Universal enttäuscht. In der Belegschaft ist von einer „größeren Sauerei als bei Nokia in Bochum“ die Rede. Schließlich habe sich Universal einst beim Verkauf eine goldene Nase verdient. Sowohl der frühere Minister Philipp Rösler als auch sein Nachfolger Jörg Bode (beide FDP) hatten die Rettung des Standorts zur Chefsache gemacht. EDCI befindet sich in Auflösung und hatte von den Beschäftigten in Langenhagen Lohnzugeständnisse in Höhe von 20 Prozent gefordert. Andernfalls werde man den Universal-Auftrag weitervergeben – was das Ende für das Werk bedeutet hätte.

Das Ministerium überzeugte EDCI nach langem Hin und Her von einem Verkauf des Standorts und fand mit Perusa auch einen Interessenten, der den Kaufpreis – die Rede ist von einer zweistelligen Millionensumme – aus seinem Eigenkapital finanzieren will. Einen Vorvertrag haben die Münchener bereits unterzeichnet. Gleichzeitig will das Land mit Ausfallbürgschaften für Betriebsmittelkredite der Langenhagener geradestehen, die wiederum von der Nord/LB kommen sollen.

Die Stadt Langenhagen zeigte sich bereit, das mehrere Hektar große Grundstück an der Autobahn 2 „zu einem fairen Preis“ zu kaufen. Anschließend sollte es zu günstigen Konditionen an das Unternehmen weitervermietet werden, was weitere Kostenentlastung gebracht hätte. Denn der aktuelle Eigentümer, so heißt es, verlange einen recht ansehnlichen Mietzins. Er heißt übrigens ebenfalls Universal.

[Lars Ruzic]

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