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Mietsenkung

Karstadt-Rettung: Nur die Unterschrift fehlt noch

Aufatmen bei Karstadt: Highstreet-Gläubiger stimmen niedrigeren Mieten zu. Am Donnerstagnachmittag stimmte bereits ein Teil der Gläubiger zu; am Abend dann die zweite Gruppe. Unterschriften gebe es aber noch nicht.
Am Ziel: Nicolas Berggruen vertrieb sich die Warteizeit am Donnerstag in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm.

Am Ziel: Nicolas Berggruen vertrieb sich die Warteizeit am Donnerstag in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm.

© dpa

Einige Karstadt-Mitarbeiter wagten am Donnerstagnachmittag schon schüchtern zu feiern. Sie hatten sich zur Mahnwache vor der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank versammelt, die keine unwichtige Rolle beim Immobilienbesitzer Highstreet spielt. Als die Nachricht kam, dass ein Teil von dessen Gläubigern den neuen Mietkonditionen für den Warenhauskonzern zugestimmt habe, wurden bereits die Sektbecher herumgereicht. Am Abend wurde die Hoffnung dann fast zur Gewissheit – aber eben nur fast: Auch die zweite Gruppe habe grundsätzlich zugestimmt, erklärte ein Highstreet-Sprecher. Unterschriften gebe es aber noch nicht.

So blieb der hannoversche Betriebsratschef Rolf Stenzel bis zuletzt vorsichtig: „Wir sind als Arbeitnehmernehmervertretung auf jedes Szenario vorbereitet.“ In diversen Telefonkonferenzen hatte er den Tag über viele widersprüchliche Meldungen gehört. So oder so werde es heute in der Innenstadt aber eine „Reaktion der Karstadt-Arbeitnehmer“ geben. Wie sie ausfalle, hänge unmittelbar vom Ergebnis der Verhandlungen ab. Nach den Londoner Erfolgsmeldungen vom späten Abend dürfte es eher um Feiern als um Protest gehen.

Knackpunkt bis zuletzt waren die Mieten für die Karstadt-Immobilien. Viele von ihnen gehören Highstreet, einem Zusammenschluss von Finanzanlegern. Dieses Konsortium hatte die Warenhäuser allerdings mit geliehenem Geld gekauft und braucht nun die Zustimmung seiner Geldgeber für niedrigere Mieten – ohne diese sieht Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen keine Zukunft für die Warenhauskette.

Einen Teil des Geldes hatte sich Highstreet über die Ausgabe von Anleihen besorgt. Deren Käufer einigten sich am Donnerstag recht schnell auf eine Zustimmung. Als schwieriger galten von vornherein die Anleger sogenannten Mezzanine-Kapitals, einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Sie haben zwar wenig Mitsprachemöglichkeiten, aber ein Vetorecht. Lange Zeit habe sich ein einziger dieser Anleger quergestellt, hieß es in unbestätigten Berichten. Am Abend hieß es dann, auch mit allen Mezzanine-Anlegern sei man sich einig, Es gehe allerdings noch um letzte Details in den vertraglichen Formulierungen.

Den nächsten Schritt müssen nun die Gläubiger der insolventen Karstadt-Gruppe machen, deren Vertreter am Donnerstagabend bereits zusammenkamen. So lange der Karstadt-Gläubigerausschuss in Essen nicht abschließend beraten habe, sei es zu früh für ein Urteil, sagte Betriebsrat Stenzel.

Allerdings hatte sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg massiv für den Käufer Berggruen eingesetzt. Beide hatten bereits einen Kaufvertrag unterschrieben, obwohl mit der künftigen Miethöhe ein entscheidendes Element überhaupt noch nicht geklärt war. Danach pokerte Berggruen monatelang mit Highstreet und dessen Gläubigern. Öffentlich kritisierte er ungewöhnlich scharf die Deutsche Bank. Den Karstadt-Mitarbeitern hat er versprochen, dass sie nach dem langen Kampf um die Existenz keine weiteren Opfer mehr bringen müssen. Die Arbeitnehmervertreter sprechen auch im Gläubigerausschuss ein gewichtiges Wort mit.

Gibt es in diesem Gremium die endgültige Zustimmung zum Karstadt-Verkauf an Berggruen, ist das Amtsgericht Essen am Zug. Auch dessen Entscheidung über den Insolvenzplan müsse noch abgewartet werden, erklärte Stenzel. Die Richter hatten sich nach mehreren Fristverlängerungen festgelegt, spätestens heute über Görgs Insolvenzplan zu entscheiden. Wäre die Zustimmung der Highstreet-Gläubiger zu niedrigeren Mieten ausgeblieben, hätte Karstadt vermutlich zerschlagen werden müssen. Görg, der vom ersten Tag an auf einen Komplettverkauf des Traditionshauses zugesteuert hatte, hielt auch solche Pläne bereit. Das Zerschlagungskonzept hätte zur Schließung diverser Karstadt-Häuser geführt, der Rest wäre an verschiedene Investoren verkauft worden. Als erster Interessent galt Konkurrent Metro, der damit seine eigene Kaufhausgruppe hätte stärken können. Bei Metro liegt seit Monaten die Frage auf dem Tisch, wie es mit der Kaufhof-Kette weitergehen soll.

Stefan Winter und Stefanie Kaune


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