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Sonderpreise

Industrie will Gewinne aus Atomstrom abschöpfen

Die Industrie will massiv von einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke profitieren. Die Energiekonzerne müssten den in den Meilern produzierten Strom zu Sonderkonditionen an einen Fonds verkaufen, heißt es in einem Forderungskatalog des Branchenverbandes VIK, der dieser Zeitung vorliegt.
Die Industrie will Gewinne 
aus dem Atomstrom abschöpfen.

Die Industrie will Gewinne 
aus dem Atomstrom abschöpfen.

© ap (Symbolbild)

Die eine Hälfte des Stroms solle der Fonds dann zu einem „wettbewerbsfähigen Preis“ an Großverbraucher wie Chemiekonzerne, Stahlwerke oder Zementhersteller verkaufen, die andere Hälfte könne im Handel vermarktet werden – die Erlöse bekäme der Staat. Nach Einschätzung des VIK, der größten Interessenvertretung industrieller Energiekunden, wird eine Laufzeitverlängerung für die 17 Meiler „per se nicht zu niedrigeren Strompreisen“ führen.

Stattdessen könnten sich die Betreiber über zusätzliche Erträge zwischen 66 und 84 Milliarden Euro freuen. „Daher ist es sinnvoll und sachgerecht, die Zusatzgewinne zu einem wesentlichen Teil abzuschöpfen“, heißt es in dem Papier. Dies gelte umso mehr, „als die Kernkraftwerke zu Monopolzeiten risikolos für die heutigen Betreiber investiert und bereits abgeschrieben werden konnten“. Die industriellen Großverbraucher sehen sich im europäischen Vergleich benachteiligt. In Frankreich, Skandinavien oder Spanien lägen die Strompreise um die Hälfte niedriger, sagt Wilfried Köplin, Leiter Energiepolitik des Pharmakonzerns Bayer. „Wir erwarten keinen vollständigen Ausgleich unserer Mehrbelastung, sondern eine signifikante Milderung unseres Standortnachteils.“ Ursprünglich wollten die Unternehmen ihre Initiative unter dem Banner des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) starten. Da im BDI jedoch auch die Energiekonzerne Mitglied sind, sei das nicht möglich gewesen, heißt es.

Die vier Kraftwerksbetreiber e.on, RWE, Vattenfall und EnBW gaben zum Vorstoß ihrer Großkunden keine offiziellen Stellungnahmen ab. Das gilt auch für die Aussage von RWE-Chef Jürgen Großmann, der kürzlich angeboten hatte, als Preis für eine Verlängerung der Laufzeiten einen Teil der so erzielten Gewinne abzugeben – und zwar einen „dicken zweistelligen Prozentsatz“. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition erwägt, die im Atomkonsens festgelegten Restlaufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) fordert, dass die Betreiber mindestens die Hälfte der zusätzlichen Gewinne abgeben – allerdings vollständig an den Fiskus. Sie könnten unter anderem dem Ausbau der erneuerbaren Energien dienen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat zudem die Sanierung des maroden Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel aus den zusätzlichen Gewinnen ins Spiel gebracht.

[Jens Heitmann]

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