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Griechen-Krise

Bewährungsprobe
 für den Euro

Erst kam die Bankenkrise, jetzt wachsen die Sorgen über die Zahlungsfähigkeit ganzer Staaten. Die finanziellen Probleme der Regierung in Athen halten seit Wochen die Finanzmärkte in Atem. Hier einige Fragen und Antworten:
 „Ich rauche und trinke nicht mehr, auf was soll ich sonst noch verzichten“: Eine Demonstrantin wehrt sich gegen die angekündigten Sparmaßnahmen.

„Ich rauche und trinke nicht mehr, auf was soll ich sonst noch verzichten“: Eine Demonstrantin wehrt sich gegen die angekündigten Sparmaßnahmen.

© afp

Warum steht Griechenland im Fokus?
Das Land musste Ende vergangenen Jahres einräumen, dass die Staatsschulden viel größer sind als bislang gemeldet. Das staatliche Defizit dürfte im Jahr 2009 fast 13 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht haben – und damit gut doppelt so hoch ausfallen wie zuvor angegeben. Zwar sind infolge der Krise auch in anderen Ländern die Defizite explodiert, aber die Griechen haben, wie sich jetzt herausstellte, jahrelang die Statistiken manipuliert. Nur so haben sie überhaupt die Beitrittskriterien zur Europäischen Währungsunion erfüllt.

Welche unmittelbaren Folgen hatten die neuen Erkenntnisse?
Die Nachrichten wirkten an den Märkten wie ein Schock. Die Ratingagenturen stuften die Noten für die Kreditwürdigkeit des Landes herunter, was nicht nur in Athen die Börsen in Aufregung versetzte. Die Aktienkurse fielen, griechische Anleihen sowie die Papiere anderer Schuldenstaaten brachen ein, und der Euro verlor an Wert, während als „sicherer Hafen“ geltende Märkte wie deutsche Staatsanleihen nach oben gingen. Der Kurssturz der griechischen Staatsanleihen hat zur Folge, dass ihre durchschnittliche Rendite im Schnitt mehr als 300 Basispunkte über dem Wert der deutschen Staatspapiere liegt.

Was bedeutet das?
Der Finanzminister in Athen muss zum Beispiel für zehnjährige Anleihen mehr als 6 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen, während sein deutscher Kollege mit nur rund 3 Prozent dabei ist. Die Griechen brauchen also – gemessen an ihrem Bruttoinlandsprodukt – nicht nur viel mehr Kredit, um ihre Staatsausgaben zu bestreiten, sie müssen dafür auch noch einen erheblich höheren Preis bezahlen, wodurch sich ihre Schuldenprobleme noch zusätzlich verschärfen.

Andere Länder haben doch eine ähnlich hohe oder sogar höhere Staatsverschuldung. Warum redet man so viel über Griechenland?
Inzwischen spricht man auch über andere Staaten, vor allem Portugal, Spanien, Italien und Irland. Allerdings sind die Probleme dieser Länder (noch) nicht so groß, weil sie entweder in der Vergangenheit deutlich geringere Schulden angehäuft haben, ein kleineres laufendes Defizit haben oder weil man ihnen einfach eher zutraut, dass sie ihre Probleme selbst lösen. Zum Beispiel hat das ebenfalls durch Defizite auffallende Irland ein radikales Sparprogramm beschlossen, das auch schmerzhafte Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst vorsieht.

Was würde passieren, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird?
Zunächst einmal bedeutet dies, dass die Gläubiger ihre Forderungen ganz oder teilweise einbüßen. Dabei handelt es sich vor allem um Banken und Investmentgesellschaften. In Deutschland wären zum Beispiel mehrere Hypothekenbanken betroffen, die in griechische Anleihen investiert haben. Dadurch droht eine neue Bankenkrise. Zum Vergleich: Die gesamten Staatsschulden der Griechen erreichen knapp zwei Drittel der Verbindlichkeiten der US-Bank Lehman vor ihrem Zusammenbruch.

Ist Griechenland nicht zu unbedeutend, um eine große Krise auszulösen?
Ließen sich die Probleme auf Griechenland beschränken, wäre diese Einschätzung sicher richtig. Indessen gibt es die Befürchtung, dass die Zahlungsschwierigkeiten Kreise ziehen. Eine echte Katastrophe würde drohen, wenn ein großes Mitglied der Europäischen Währungsunion in Zahlungsnöte geriete. Als mögliche Kandidaten werden immer wieder Spanien und Italien genannt. Die Griechen-Krise schürt solche Ängste. Die Folge ist eine jetzt schon zu beobachtende Kapitalflucht aus dem Euro-Raum. Auch deshalb hat die europäische Währung gegenüber dem Dollar seit dem vergangenen Herbst stark an Wert verloren.

Welche Gefahr droht dem Euro?
Sollten die Staaten die Schulden nicht in den Griff bekommen, würde der Euro zu einer Weichwährung mutieren. Damit verbunden sind höhere Inflationsraten und Zinssätze. Euro-Sparguthaben, Anleihen und sonstige Geldanlagen könnten dadurch real erheblich an Wert verlieren.

Warum sollen sich die Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion untereinander bei Zahlungsschwierigkeiten nicht helfen?
Könnte ein Land grundsätzlich auf
solche Hilfe aus dem Ausland zählen, würde dies die Haushaltsdisziplin untergraben.Warum soll ich mich am Riemen reißen, wenn hinterher jemand anders die Rechnung zahlt? Aus gutem Grund vergibt der Internationale Währungsfonds Kredithilfen nur unter strikten Auflagen.

Was passiert, wenn die Sanierung wegen der politischen Widerstände im Land nicht gelingt?
Das ist die Kernfrage, auf die es bisher keine Antwort gibt. Der Vertrag
von Maastricht sieht diesen Fall nicht vor.

[Albrecht Scheuermann]

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