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Interview

Joachim Löw: „Jeder muss sich neu bewähren“

Ein zufriedener Bundestrainer Joachim Löw nimmt aus dem ersten Saison-Auftritt seiner Not-Mannschaft in Kopenhagen einige wichtige Erkenntnisse mit und setzt auch seine WM-Helden wieder neu unter Druck. Sogar die Frage nach der Nummer 1 im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ließ Löw überraschend offen.
Bundestrainer Joachim Löw.

Bundestrainer Joachim Löw.

© ap

Wie ordnen Sie das 2:2 zum Saisonstart in Dänemark ein?

Löw: „Es war schon eine besondere Herausforderung. Einige Spieler sind erst ein paar Tage im Training, viele waren in der Vorbereitung ohne einen ernsthaften Wettkampf. Die Mannschaft hat in dieser Konstellation nie zusammengespielt. Trotzdem habe ich gesagt: Es ist ein Länderspiel, kein Alibispiel. Ich werde wichtige Erkenntnisse mitnehmen, was einzelne Spieler betrifft, für die nächsten Wochen.“

Was nehmen Sie mit?

Löw: „Die Mannschaft hat versucht, die drei, vier Dinge umzusetzen, die ich vorgegeben hatte. Gute Organisation, daraus schnell nach vorne spielen. Das hat in manchen Phasen auch ganz gut geklappt. Es war insgesamt ein unterhaltsames Spiel mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Normalerweise hätten wir das Spiel auch gewinnen können. Nach dem 2:1 hatten wir noch zwei, drei Riesenchancen. Auf der anderen Seite haben wir dem Gegner zwei Tore mehr oder weniger als Geschenk mitgegeben.“

Wer hat seine persönliche Chance am besten genutzt?

Löw: „Ich will nicht einen Einzelnen herausheben. Tim Wiese hat hervorragend gehalten, auch wenn er in der letzten Situation den Ball wegspielen konnte. Aber er hatte fünf, sechs, sieben hervorragende Paraden. Im Mittelfeld haben Gentner, Träsch und auch Hitzlsperger gut gearbeitet. Mario Gomez hat nach einer längeren Durststrecke in der Nationalmannschaft jetzt von Anfang an gezeigt, dass er seine Chancen auch mal nutzt und ein Tor macht. Patrick Helmes kam rein und ich habe gemerkt, dass er seine Verletzungspause hinter sich hat. Toni Kroos hat in der zweiten Halbzeit immer besser gespielt. Und auch Aaron Hunt hat nach seiner Einwechslung viele gute Aktionen gehabt.“

Welche Perspektiven haben die Nachrücker?

Löw: „Ich habe den Spielern gesagt, natürlich kann ich nicht jeden zu jedem Spiel einladen. Aber es ist ein langer Wettbewerb über eineinhalb Jahre. Da gibt es immer Verletzungen und andere Konstellationen. Da muss man sehen, auf wen man zurückgreifen kann. Deshalb bin ich mit dem Spiel und mit der Leistung so mitten in der Vorbereitung sehr zufrieden.“

Mit welcher Reihenfolge bei den Torhütern gehen Sie in die EM-Ausscheidung?

Löw: „Das werde ich vor dem Spiel gegen Belgien bekanntgeben, mit welchem Torhüter wir in die Qualifikation gehen, wer für uns die Nummer 1 sein wird. Bei der Nummer 2, 3 oder 4 sind wir dann insgesamt etwas vorsichtiger. Das legt man bei einem Turnier fest. Aber jetzt, da über eine längere Zeit viele Spiele anstehen, macht man nicht so eine Rangfolge. Bei Doppelspieltagen werden wir drei Torhüter dabei haben, sonst zwei.“

Das heißt, auch WM-Torwart Manuel Neuer muss sich neu bewähren?

Löw: „Dass sich alle wieder neu bewähren müssen, ist klar. Die Leistung muss stimmen. Von der WM müssen wir uns jetzt mental entfernen. Dieses Spiel in Dänemark war jetzt eine Brücke. Mit der EM-Qualifikation, mit Belgien beginnt jetzt wieder ein neuer Abschnitt. Die Bundesliga beginnt wieder, es gibt internationale Spiele. Daran werden die Spieler gemessen. Da muss sich jeder wieder aufs Neue bewähren. Man kann jetzt nicht sagen, ich habe bei der WM gut gespielt und bin jetzt auf alle Zeiten gesetzt.“

dpa


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