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Transplantationen

Unionspolitiker für Umstellung bei Organspenden

Angesichts eines Mangels an Organspendern haben sich Unionspolitiker offen dafür gezeigt, das Grundprinzip in der Transplantationsmedizin umzukehren. Demnach könnten Hirntoten Organe entnommen werden, sofern sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hätten, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Dagegen forderte Gesundheitsminister Philipp Rösler den vermehrten Einsatz von sogenannten Transplantations-Koordinatoren.

„In Anbetracht des Mangels an Spenderorganen muss über alle Möglichkeiten offen diskutiert werden, die zu einer Verbesserung der Situation führen“, sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), dem Blatt. Der Obmann der Union im Gesundheitsausschuss des Bundestags, Rolf Koschorrek, sieht in der Widerspruchsregelung „eine Möglichkeit, die Versorgung mit Spenderorganen hierzulande entscheidend zu verbessern“.

Derzeit muss entweder ein Hirntoter schon zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben, oder die Angehörigen müssen ihre Zustimmung geben. Diese Regelung gilt aber in Fachkreisen als restriktiv. „Die Gewichtung in Deutschland ist verquer“, kritisierte der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, Roland Hetzer. „Die Rechte von Verstorbenen werden höher gewertet als die von kranken Lebenden.“

Manche Wissenschaftler wollen sogar noch weiter gehen. „Die Bürger sollten dazu verpflichtet werden, sich zu erklären, ob sie nach einem Hirntod mit einer Organspende einverstanden wären oder nicht“, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats Eckhard Nagel dem Blatt.

Jeder zweite zu einer Organspende bereit

Den akuten Mangel an Organspendern zeigt auch eine Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Demnach sei zwar jeder zweite Bundesbürger zu einer Organspende nach dem eigenen Tod bereit. Doch gerade einmal elf Prozent der Bundesbürger hätten ihre grundsätzliche Bereitschaft in einem Organspendeausweis schriftlich festgelegt.

Dagegen warnte Rösler davor, die Menschen mit gesetzlichen Regelungen unter Druck zu setzen und so zur Organspende zu bewegen. Damit entkräfte man Vorbehalte nicht, sondern baue emotionale Hürden auf, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der Minister will deshalb den Mangel an Organspenden vor allem durch eine bessere Organisation in den Kliniken beheben. Er appellierte an die Verantwortlichen in den Krankenhäusern, auf ihren Intensivstationen sogenannte Transplantations-Koordinatoren einzusetzen. Diese sollten nach einem Todesfall mit den Angehörigen über das sensible Thema Organspende sprechen.

ap


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