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Jahrestag 11. September

Trotz globaler Proteste: US-Pastor hält an Koran-Verbrennung fest

Christen, Juden und religiöse Führer in aller Welt sind vom Vorhaben des US-Pastors Terry Jones schockiert. Der Pastor selbst zeigt sich ungerührt und hält an seinem Vorhaben der Koran-Verbrennung zum Jahrestag des 11. September fest. Dem amerikanischen Fernsehen sagte er: „Wir sind entschlossen, es zu tun.“
US-Pastor will zum Jahrestag des 11. September den Koran verbrennen.

US-Pastor will zum Jahrestag des 11. September den Koran verbrennen.

© dpa

Globales Entsetzen über einen radikalen US-Pastor, der zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September öffentlich den Koran verbrennen will: Nicht nur die US-Regierung zeigte sich empört, auch religiöse Führer in aller Welt äußerten sich am Mittwoch mit Abscheu. In Deutschland reagierten Christen und Juden ebenfalls fassungslos. Pastor Terry Jones bleibt von dem globalen Aufschrei unbeeindruckt.

Zwar räumte der Führer der radikalen Mini-Gemeinde in der Kleinstadt Gainesville in Florida ein, seine bizarre Aktion könne gewaltsame Übergriffe etwa auf US-Soldaten in Afghanistan provozieren. Dennoch meinte er im TV-Sender CBS ungerührt: „Wir sind entschlossen, es zu tun.“ Der Geistliche war lange Jahre auch in Köln tätig, dort will seine alte Gemeinde aber nichts mehr von ihm wissen.

US-Außenministerin Hillary Clinton sprach am Dienstagabend in Washington von einem „respektlosen, schändlichen Akt“. Justizminister Eric Holder nannte das Vorhaben „idiotisch und gefährlich“.

Aus dem Vatikan hieß es: „Man kann die verwerflichen Gewalttaten (des 11. September) nicht damit heilen, dass man die heilige Schrift einer anderen Religion grob beleidigt“. Alle Religionen hätten ein Anrecht auf Respekt und Schutz, erklärte der Vatikanische Rat für Interreligiösen Dialog.

Die Vereinten Nationen in Afghanistan warnten vor schweren Folgen. Sollte die „abscheuliche Tat“ wirklich vollzogen werden, würde dies die Gegner von Frieden und Versöhnung am Hindukusch stärken, meinte der UN-Sondergesandte, Staffan de Mistura. Auch die Europäische Union kritisierte die geplante Aktion scharf. „Wir verurteilen energisch jeden derartigen Versuch“, sagte die Sprecherin der EU- Außenbeauftragten Catherine Ashton. Die EU respektiere alle Religionen.

Die Evangelische Kirche (EKD) sprach von einer „unerträglichen Provokation“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte sich besorgt, „dass mit solchen intoleranten Angriffen das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in vielen Teilen der Welt gefährdet wird“. Die Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, erinnerte an die Bücherverbrennungen der Nazis 1933. „Die Vorstellung ist schrecklich und abstoßend“, sagte sie in München.

Der 58-jährige Pastor der 50-Seelen-Gemeinde „Dove World Outreach Center“ hat den 11. September zum „Internationalen Tag der Koran- Verbrennung“ erklärt. Damit solle der Opfer der Anschläge vor neun Jahren gedacht und dem radikalen Islam eine klare Absage erteilen werden. „Der Islam ist eine schlechte Religion“, sagt er in einem Video auf der Website seiner Gemeinde. Der Koran „ist für den 11. September verantwortlich“.

Jones war früher jahrelang in Köln tätig. Dort hatte er in den 80er Jahren die freikirchliche „Christliche Gemeinde Köln“ ins Leben gerufen. 2008 sei es nach finanziellen Unregelmäßigkeiten zum Bruch mit Jones gekommen. Seitdem gebe es keinen Kontakt mehr. „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden“, sagte der zweite Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft, Stephan Baar, der Nachrichtenagentur dpa.

In Washington verurteilten auch religiöse Führer die Verbrennung des heiligen Buches der Muslime. Es handele sich zum ein „besonders ungeheuerliches“ Vorhaben, meinten muslimische, christliche und jüdische Vertreter. Auch mit Blick auf die hitzige Debatte über den geplanten Bau eines muslimischen Kulturzentrums nahe dem Ort der verheerenden Anschläge vom 11. September in New York mahnten sie religiöse Toleranz in den USA an. Sie beklagten eine „steigende Welle von Angst und Intoleranz“ in den USA.
Die US-Regierung betonte jedoch, dass es sich um eine Einzelaktion einer kleinen radikalen Minderheit handele. Die Welt dürfe Amerika „nicht an der Aktion eines Pastors oder 50 seiner Anhänger“ messen, sagte Außenministeriumssprecher Philip Crowley. Allerdings verteidigte Crowley auch das Recht auf Meinungsfreiheit, das in der US-Verfassung einen besonders hohen Wert hat.
Die Stadtverwaltung von Gainesville habe die geplante Aktion zwar verboten. Es sei aber unklar, ob sich der Pastor daran halten werde. Kirchenführer in der Stadt kündigten für Samstag Proteste gegen die Verbrennung an.

Muslime verlangen, dass ihr heiliges Buch mit höchstem Respekt behandelt wird. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden und haben wiederholt Gewalt ausgelöst. 2006 hatten umstrittene Karikaturen des Propheten Mohammeds in skandinavischen Medien gewaltsame Proteste in der islamischen Welt zur Folge, bei denen über 20 Menschen getötet worden waren. In Kabul ist es wegen der geplanten Koran-Verbrennung bereits zu Protesten gekommen. Wütende Gläubige verbrannten am Montag US-Flaggen und riefen „Tod Amerika“.

dpa


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