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Mutmaßliche Rechtsterroristin

Polizei vernahm Zschäpe schon 2007

Die Pannenserie der Behörden beim Umgang mit dem Neonazi-Terror wird immer länger. Mehr als 13 Jahre lang lebte das Zwickauer Neonazi-Trio unerkannt im Untergrund – dabei hätte es womöglich schon 2007 auffliegen können – vor dem Mord an einer Heilbronner Polizistin.
Foto: Die Polizei vernahm Beate Zschäpe schon 2007.

Die Polizei vernahm Beate Zschäpe schon 2007.

© dpa

Berlin. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ soll die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe vor fünf Jahren für eine Zeugenaussage wegen eines Wasserschadens auf dem Zwickauer Polizeirevier gewesen sein. Doch die Beamten hatten offenbar nicht geahnt, wen sie da vor sich hatten. Das war noch vor dem Mord an einer Heilbronner Polizistin.

Der Schaden sei in der Wohnung über dem damaligen Versteck des Trios verursacht worden, schreibt das Magazin. Als die Polizei daraufhin die Erdgeschosswohnung begutachten wollte, habe eine Frau geöffnet, bei der es sich nach heutigem Ermittlungsstand um Zschäpe handelte. Weil sie die Beamten nicht in die Wohnung ließ, sei sie Mitte Januar 2007 zur Zeugenaussage aufs Revier vorgeladen worden. Dort gab sie sich als Susann E. aus. Obwohl sie sich in Widersprüche verstrickt habe, seien die Beamten nicht misstrauisch geworden.

Zum Zeitpunkt der Vernehmung soll die Zwickauer Zelle, die auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bekannt wurde, bereits neun türkisch- und griechischstämmige Menschen ermordet haben. Knapp dreieinhalb Monate später sollen die Terroristen in Heilbronn eine Polizistin erschossen haben. In den vergangenen Wochen waren bereits mehrere Ermittlungspannen bekanntgeworden, unter anderem erfolglose Observationen im Jahr 2000 in Chemnitz.

Mittlerweile führt die Bundesanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen elf mutmaßliche Unterstützer der 1998 in den Untergrund abgetauchten Gruppe. Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, dazu kommt Zschäpe als einziges überlebendes Mitglied des Trios. Neben zehn Morden sollen zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle auf das Konto der Neonazi-Zelle gehen. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich Anfang November 2011 selbst getötet, als ihnen nach einem Bankraub die Festnahme drohte. Kurz darauf stellte sich Zschäpe. Zu den als Terrorhelfer ins Visier geratenen NSU-Unterstützern soll auch der ehemalige Chef der sächsischen Neonazi-Gruppe „Blood & Honour“ gehören. Dass dieser mit Mundlos befreundet gewesen sei, habe ein Mitbeschuldigter aus Dresden bei der Polizei ausgesagt, meldet der „Focus“. Nach Informationen des Magazins hat der Verfassungsschutz dem Chemnitzer in einem Vermerk auch „gute Kontakte in die Schweiz“ nachgesagt. Aus der Schweiz soll eine NSU-Mordwaffe stammen.

Wegen der Beschaffung einer Ceska 83, die Mitte der 90er Jahre legal von dem tschechischen Hersteller in die Schweiz geliefert worden war, ermittelt die dortige Justiz inzwischen gegen einen Schweizer. Der Mann sei wegen des Verdachts festgenommen worden, eine kriminelle Vereinigung unterstützt zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft Berner Oberland. Der Verdächtige sei bereits am 20. Januar festgenommen und nach zwei Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Eine Ceska soll von der Terrorzelle zwischen 2000 und 2006 für die Ermordung von neun Menschen mit Migrationshintergrund benutzt worden sein.

Tino Moritz und
 Thomas Burmeister


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