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Nachbarländer

Polen haben keine Angst mehr vor den Deutschen

Fleißig, diszipliniert, korrekt, aber eben auch ziemlich langweilig – all das gehörte oft zu den noch harmloseren Bildern, wenn Polen über Deutsche redeten. Härtere Stereotypen waren der bierselige Schnösel, der Teutonenkrieger oder der ewige Nazi. Doch in den zurückliegenden Jahren hat sich das Deutschlandbild in Polen dramatisch gewandelt.
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Der westliche Nachbar wird in Polen so freundlich betrachtet wie noch nie.

Der westliche Nachbar wird in Polen so freundlich betrachtet wie noch nie.

© dpa

Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CBOS in Warschau im Auftrag der Zeitung „Rzeczpospolita“ empfinden nur noch 14 Prozent ein Gefühl der Angst, wenn sie über die Oder nach Westen blicken. Vor 20 Jahren, als der Ostblock unterging, hatte CBOS ermittelt, dass sich noch 88 Prozent aller Polen vor Deutschland fürchteten; im Jahr 2004, als Polen Mitglied der EU wurde, lag der Wert bei immerhin noch 35 Prozent.

Die Erosion der Angst ist angesichts der oft blutigen Geschichte beider Länder bemerkenswert. Über viele Generationen hinweg hielt sich das polnische Sprichwort, wonach „der Pole dem Deutschen kein Bruder sein kann“. Im Mittelalter verwüsteten deutsche Ordensritter die heute polnischen Gebiete. Später, im 18. Jahrhundert, raubte Preußen im Zuge der polnischen Teilungen weite Teile des Staatsgebietes – und löschte schließlich Polen als Staat für fast 130 Jahre ganz aus. Die Nazis schließlich begingen zwischen 1939 und 1945 einen Völkermord in Polen und zerstörten weite Landstriche. Nach dem Krieg gab die kommunistische Regierung Polens die Devise aus, dass die DDR das gute, die Bundesrepublik aber das revanchistische Deutschland sei. Die Menschen aber, so polnische Gesellschaftswissenschaftler, sahen das oft eher umgekehrt.

Auch heute noch fallen die Sicht in Medien und Politik Polens und die Empfindungen der Menschen auseinander. In der Regierungszeit der nationalkonservativen Brüder Kaczynski von 2005 bis 2007 war das offizielle Verhältnis zwischen Berlin und Warschau kühl. Zeitungstitel deutscher Prominenter in SS-Uniform oder in Lederhose mit Gamsbart verkauften sich in der jüngsten Vergangenheit gut. Die Sicht der Polen auf Deutschland konnte das aber offenbar nicht trüben. „Dank der Deutschen können wir süße Weintrauben essen“, deutete der polnische Gesellschaftspsychologe Janusz Czapinski die Umfrage. Die Mehrheit der EU-Mittel, die Polen nutze, habe der westliche Nachbar erarbeitet; die Polen hätten eingesehen, dass Deutsche ihren Nachbarn freundlich und friedlich begegneten, so Czapinski.

Selbst Russland wird laut CBOS-Umfrage weit weniger kritisch gesehen als noch 2005. Damals fürchteten sich 67 Prozent vor dem Riesenreich im Osten, aktuell sind es nur noch 50 Prozent der Polen. Und immerhin ein Fünftel aller Polen stimmt laut Demoskopie sogar der Aussage zu, dass ihr Land überhaupt keine Feinde mehr hat.

[Alexander Dahl]

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