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Unabhängigkeitsfeierlichkeiten

Namibia 20 Jahre unabhängig: Freiheit und Wirtschaftsnot

Seit 20 Jahren ist Namibia frei - aber für die junge Generation dominieren längst die Sorgen über wirtschaftliche Nöte den Stolz auf die Freiheit der schwarzen Bevölkerung in der früheren deutschen Kolonie.
Unterstützer der Swapo feierten 1990 im Windhuker Independence-Stadion die Unabhängigkeit von Südafrika.

Unterstützer der Swapo feierten 1990 im Windhuker Independence-Stadion die Unabhängigkeit von Südafrika.

© ap

„Die Unabhängigkeit hat meinen Eltern, die unter der Apartheid gelitten haben, viel bedeutet, aber mir ist am wichtigsten, einen Job und damit Geld für die Erziehung meiner Tochter zu haben“, sagte die 20-jährige Julia M. Mit ihrer Mutter teilt sie sich eine Blechhütte am Rande der Hauptstadt Windhuk. Beide leben von den kargen Erlösen der kleinen Garküche am Straßenrand, wo die Mutter „Kapana“, gebratenes Fleisch, verkauft.

Julia träumt wie viele ihrer Altersgenossen von einer geregelten Arbeit und festem Einkommen. „Leider reichten meine Noten nicht für einen Platz an der Uni“, sagt sie. Für Fortbildungskurse habe sie kein Geld, Stellen sind in Namibia Mangelware. Im Freiheitskampf hatte die SWAPO - die heute die Regierung bildet - den Menschen eine goldene Zukunft versprochen. Bisher ist davon wenig zu spüren. Über die Hälfte der Menschen in dem südwestafrikanischen Land sind arbeitslos, bei der Jugend liegt die Arbeitslosenquote bei über 70 Prozent.

Stolz ist die SWAPO auf die Befreiung aus der Unterdrückung des Apartheidregimes, auf Frieden und Demokratie. Auch nach zwanzig Jahren verspricht sie, daran festzuhalten. „Unsere Partei wird Namibia weiterhin den Frieden sichern und die Nation vor zerstörerischen Mächten in jeder Form schützen“, betonte SWAPO- Sprecher Jerry Ekandja auf einer Pressekonferenz vor den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am Sonntag.

Sie werden die Probleme kaum kaschieren können. Das große, bevölkerungsarme Land mit seinen zwei Millionen Einwohner hängt wirtschaftlich vor allem vom Tourismus, der Landwirtschaft und seinen Bodenschätzen ab. Es reicht bisher nicht, alle zu beschäftigen.

Der Arbeitsmarktexperte Herbert Jauch sieht darin die größte Gefahr für die Zukunft. „Es ist schön, so mit den Lorbeeren der Vergangenheit vor sich hin zu dümpeln und zu glauben, alles sei in Ordnung“, meinte er im Blick auf die Unabhängigkeitsfeiern. „Aber wir müssen Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft ankurbeln, denn die jungen Leute brauchen eine Perspektive.“ Nur so könnten die wachsende Armut und steigende Kriminalität, die letztendlich auch in politische Unruhen münden würden, langfristig verhindert werden.

dpa


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