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Tod nach Altersschwäche

Verstorbenes Fußballorakel Paul soll Denkmal erhalten

Im Alter von drei Jahren ist der im WM-Sommer 2010 berühmt gewordene Oktopus Paul gestorben. Stets lag das Fußball-Orakel mit seinen Tipps richtig. Das Fußballweltmeister-Land Spanien will nun Pauls sterbliche Überreste haben.
Im Alter von drei Jahren starb der Senior-Oktopus Paul in seinem Becken in Oberhausen. (Archivbild)

Im Alter von drei Jahren starb der Senior-Oktopus Paul in seinem Becken in Oberhausen. (Archivbild)

© dpa

Krake Paul ist tot. Das weltbekannte Fußballorakel starb im Alter von knapp drei Jahren in seinem Becken in Oberhausen. Grund war nicht etwa ein Mordanschlag verärgerter Fußballfans, sondern Altersschwäche, wie das Aquarium Sealife bekanntgab. Dem Oktopus, der in der Nacht zum Dienstag das Zeitliche segnete, soll nun ein Denkmal gesetzt werden. Pauls Tod machte sofort weltweit Schlagzeilen. Das Fußballweltmeister-Land Spanien will nun sogar seine sterblichen Überreste haben. Daraus wird aber nichts.

Paul schrieb im Sommer Fußballgeschichte und verzückte mit seinen Spielvorhersagen während der WM in Südafrika ganze Nationen. Der Krake lag immer richtig. Paul sagte nicht nur den Ausgang der sieben deutschen Spiele voraus, sondern auch das Finale zwischen Spanien und den Niederlanden. „Er ist uns allen sehr ans Herz gewachsen, und wir werden ihn schmerzlich vermissen“, sagte Sealife-Chef Stefan Porwoll.

Beim späteren Weltmeister Spanien stieg Paul zum Helden auf, er erhielt die Ehrenbürgerschaft und das Versprechen, ihn nicht zu essen. Die Tintenfischhauptstadt Carballiño will jetzt sogar die sterblichen Überreste in einem Museum ausstellen. „Für uns war Paul ein Symbol gewesen“, sagte der Bürgermeister Carlos Montes.

Die Zeitung „Público“ spielte in ihrer Onlineausgabe gar scherzhaft auf den Tod des Diktators Francisco Franco an. „Españoles, el pulpo Paul ha muerto“ (Spanier, der Tintenfisch Paul ist gestorben), titelte das Blatt. Beim Tod des Diktators am 20. November 1975 hatte der damalige Ministerpräsident Carlos Arias Navarro mit tränenerstickter Stimme im Fernsehen gesagt: „Españoles, Franco ha muerto.“

Auch die Briten lagen Paul zu Füßen. Die BBC unterbrach am Todestag sogar das aktuelle Programm für die „Breaking News“. Stundenlang lief in den Nachrichtensendungen die Mitteilung, der Krake sei „friedlich eingeschlafen“. Paul ist gebürtiger Engländer und kam in jungen Jahren nach Deutschland. Viele Briten haben ihm sogar die bittere 1:4-Niederlage im Achtelfinale gegen Deutschland verziehen, die er natürlich ebenfalls vorausgesagt hatte.

Auch in den Niederlanden - beim WM-Zweiten - verbreitete sich die Nachricht von Pauls Tod wie ein Lauffeuer. Doch dort von Trauer keine Spur: „Wenn man rechtzeitig Tintenfisch-Ragout aus ihm gemacht hätte, wären wir heute bestimmt Weltmeister“, witzelte ein Radiomoderator. Denn dass der Oktopus den Finalsieg Spaniens prophezeite, hat Holland ihm nie wirklich verziehen. So mancher fragte sich damals, ob die Spieler um Mark van Bommel und Arjen Robben die Weissagung nicht doch als böses Omen betrachtet hatten und deshalb noch nervöser ins Endspiel gingen, als sie es ohnehin schon gewesen waren.

Morddrohungen gab es natürlich auch zuhauf, immer aus Reihen unterlegener Nationen. Paul-Hasser wollten ihn in der Pfanne schmoren sehen. Doch Paul starb eines natürlichen Todes. Da er schon während der WM für einen Oktopus stolze zweieinhalb Lebensjahre auf dem Buckel hatte, war sein Tod erwartet worden.

Jetzt wird der „Held von Oberhausen“ eingeäschert und kommt in die Urne. Eine Seebestattung wird es aber nicht geben. Paul soll im Sealife zum Denkmal werden, umgeben von Geschenken aus aller Welt und einer Sammlung von Filmausschnitten mit seinen Vorhersagen. Der Totenkult seiner Besitzer ist durchaus nachvollziehbar: Für die Aquarium-Kette hatte Paul einen PR-Sturm entfesselt, den vermutlich keine millionenteure Werbekampagne hätte leisten können.

Das Tentakelorakel war schon während der Europameisterschaft 2008 zu erstem Ruhm gelangt und hatte damals nur im Finale versagt. Nicht so bei der WM: Die Tipprunden liefen denkbar einfach ab: In Pauls Aquarium wurden zwei durchsichtige Behälter mit Muschelfleisch gestellt, gekennzeichnet mit den Flaggen der Spielpaarung. Paul fischte mit einem der acht Tentakeln seine Lieblingsspeise aus einem der Behälter. Das Team mit der Flagge auf dem Glas sollte dann gewinnen - und tat es auch jedes Mal.

Wissenschaftler waren völlig verblüfft. Mit seinen acht treffsicheren Vorhersagen verhöhnte der Oktopus regelrecht die Verfechter von Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Das Spektakel vor laufenden Kameras flimmerte weltweit über die Bildschirme. Es solle dennoch ein Spaß bleiben, mahnten die Sealife- Betreiber immer wieder. Kraken sind zwar recht intelligente Tiere. Aber Tier bleibt Tier.

Weil Paul mit seinen zweieinhalb Jahren schon Senior war, kam er nach der WM aufs Altenteil. Die Nationen liefen dennoch weiter Sturm: Alles Mögliche sollte Paul jetzt vorhersagen: Lottozahlen, Präsidentschaftswahlen, wie lange die Koalition in Deutschland hält oder illoyales Verhalten der Ehefrau. Das Sealife blieb hart: Antworten gab es aus Oberhausen nicht mehr. Paul sollte seine Gnadenmuscheln in Ruhe verzehren dürfen. Nun wächst schon „Paul II.“ heran. Bei der nächsten EM hat der dann seinen ersten Einsatz. Er tritt ein schweres Erbe an.

dpa


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