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Startauflage von Heisigs „Das Ende der Geduld" bereits vergriffen

Bereits nach zwei Tagen sind schon alle 40.000 Exemplare des Erstlingswerks der "Richterin Gnadenlos" aus Berlin vergriffen: Die Anfang Juli verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig schreibt über die Lebensläufe jugendlicher Krimineller, schildert Straftaten und Verfahren.
„Das Ende der Geduld“: Richterin Kirsten Heisig.

„Das Ende der Geduld“: Richterin Kirsten Heisig.

© dpa

Davon träumen Verlage und Autoren sonst nur: Nach gerade einmal zwei Tagen ist die Startauflage von 40.000 Exemplaren schon vergriffen. Und dabei handelt es sich nicht um spektakuläre Enthüllungen über Promis, sondern um das Erstlingswerk einer Berliner Jugendrichterin, die aus ihrer Praxis erzählt. Und da trifft Richterin Kirsten Heisig mit ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ einen Nerv der Gesellschaft.

Richterin Kirsten Heisig schildert in ihrem Erfahrungsbericht das zunehmend brutale Vorgehen von jugendlichen Straftätern und die Ohnmacht von Jugendämtern, Polizei und Justiz. Dabei erhebt Heisig Forderungen, die im politischen Raum meist umgehend zerrissen werden – wie einen Datenaustausch von Polizei, Jugendamt, Schule und Gericht oder die Streichung von Kindergeld auch für arme Familien, wenn deren Kinder die Schule schwänzen.

In Berlin hatte Heisig den Beinamen „Richterin Gnadenlos“ erhalten. Doch im Gegensatz zu ihrem schillernden Hamburger Kollegen Ronald Schill, der sich allein durch harte Strafen diesen Titel erworben hatte, setzte sich Heisig für ihre Klienten ein. So regte sie Elternabende für türkische und arabische Eltern an, um Schulschwänzer wieder ins Klassenzimmer zu bringen. Vor allem aber führte sie das Neuköllner Modell ein – ein verkürztes Jugendstrafverfahren, bei dem ein Täter schon nach wenigen Wochen vor dem Richter steht. Zudem können Täter-Opfer-Gespräche oder gemeinnützige Arbeit angeordnet werden. Inzwischen ist ihr Modell in ganz Berlin Praxis. Offenbar regt Heisigs Buch auch bereits die politische Debatte an: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte mit Blick auf zwei 11 und 13 Jahre alte Drogendealer die Unterbringung solcher Kinder in geschlossenen Heimen – genau wie Heisig dies anregt.

Sicher trägt zum Senkrechtstart dieses Buches in die Bestsellerlisten auch der rätselhafte Selbstmord der 48-jährigen Autorin vor vier Wochen bei. Das Buch wirkt nun wie ein Vermächtnis. Aber das allein kann es nicht sein. Heisig spricht aus, was viele denken, aber nur wenige sagen: Man darf nicht wegen falsch verstandener Toleranz oder aus Angst vor kriminellen Ausländern kapitulieren. „Es gibt offensichtlich ein sehr großes Interesse an dem Thema. Wir müssen sofort nachdrucken“, sagt eine Sprecherin des Herder-Verlags.

Das sieht auch das Publikum so. Zahlreiche Vorbestellungen gingen ein, unter anderem beim Internethändler Amazon, dessen Mitarbeiter verwundert feststellten, dass plötzlich ein politisches Buch sogar Krimis und Kochbücher toppt. Und in Internetforen gibt es enthusiastische Kommentare für Heises Analyse: „Dieses Buch sollte im Bundestag vorgelesen werden mit Anwesenheitspflicht für alle Abgeordneten“, heißt es da. Und in einem anderen Beitrag: „Lesen Sie dieses Buch, wenn Sie nicht in einer westdeutschen Großstadt wohnen. Falls doch, dann lesen Sie nicht, sondern gehen Sie mit offenen Augen durch die Straßen!“

Mit Genehmigung des Herder Verlags.

[Ralf Volke]

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