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Dresden

Prozess gegen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini hat begonnen

Der 32-jährige Elwy O., Witwer der am 1. Juli im Landgericht Dresden getöteten schwangeren Ägypterin Marwa El-Sherbiny, hat am Montagvormittag als erster Zeuge im Mordprozess gegen den 28-jährigen im russischen Perm geborenen Alex W. ausgesagt.
Vermummt und mit Sonnenbrille wird der Angeklagte in den Gerichtssaal gebracht. Die Sonnenbrille will er während des Prozessauftakts nicht abnehmen.

Vermummt und mit Sonnenbrille wird der Angeklagte in den Gerichtssaal gebracht. Die Sonnenbrille will er während des Prozessauftakts nicht abnehmen.

© ddp

„Meine Frau hatte ihre Zeugenaussage beendet. Als wir an der Tür waren, stand der Angeklagte auf und hat sie geschubst und geschlagen. Als ich ihr helfen wollte, schlug er auch auf mich ein“, schildert der Doktorand des Max-Planck-Instituts das Verbrechen, das Deutschland und die Welt erschütterte.

Nein, er habe zunächst kein Messer in der Hand des Angreifers wahrgenommen, berichtet Elwy O. dem Gericht. Er sei nach der ersten Attacke zu Boden gegangen und habe nicht gewusst, was passiert sei. Hilflos habe er mit ansehen müssen, wie der Täter weiter auf seine Frau einstach. „Ich bin wieder auf die Beine gekommen und habe versucht, das Messer zu fassen. Dann kamen Leute in den Saal, einer zielte mit einer Pistole auf mich. Es fiel ein Schuss, ich taumelte mehrere Meter nach hinten und wurde ohnmächtig“, sagt der Zeuge.

15-mal hatte Alex W. auf den Wissenschaftler mit dem Küchenmesser eingestochen. Mindestens eine Stichverletzung war lebensgefährlich, berichtet eine Gerichtsmedizinerin dem Gericht. Elwy O. erlitt einen Bruch des linken Schulterblatts, eine Rippenfraktur und einen Nasenbeinbruch, Blut sammelte sich in seiner Brusthöhle. Der Schuss eines Bundespolizisten, der in einem Nachbarsaal als Zeuge vernommen wurde und als Erster am Tatort war, zerschlug den linken Oberschenkelknochen, der Doktorand ist auf Krücken angewiesen. Ob er jemals wieder richtig laufen kann, steht noch nicht fest.

Seine Frau überlebte die Bluttat nicht: Mindestens zweimal traf Alex W. laut Anklage von Oberstaatsanwalt Frank Heinrich mit seinem Messer das Herz der Ägypterin, die noch im Gericht verblutete. W. habe die 31-Jährige und ihren Ehemann vernichten wollen aus „bloßem Hass auf Nichteuropäer und Muslime“, sagt Oberstaatsanwalt Frank Heinrich bei der Verlesung der Anklageschrift. Bereits im Vorfeld hatten die Ermittler von der Tat eines fanatischen Einzeltäters gesprochen.

Die Atmosphäre im Saal 0.84 des Landgerichts Dresden ist an diesem Montag beklemmend. Handwerker haben eine Glasscheibe in den Zuschauerraum eingebaut, die die Besucher von den Verfahrensbeteiligten trennt. Jeder, der das Gerichtsgebäude betritt, wird gründlich durchsucht. Die Schuhe und das Gepäck werden von Sicherheitspersonal geröntgt, durchsuchte Zuhörer erhalten Armbänder. Das Gerichtsgebäude wird von rund 200 Polizisten hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt, das Landeskriminalamt Sachsen geht von einer „abstrakten Gefährdungslage“ aus. Nicht zuletzt deshalb, weil im Internet zum Mord an dem Angeklagten aufgerufen worden sein soll.

Alex W. wird am Morgen in einer gepanzerten Limousine von Beamten des Spezialeinsatzkommandos vom Dresdener Gefängnis zum Gericht gebracht. In den Saal wird er von vier Justizbediensteten über einen gesonderten Eingang geführt. Der 28-Jährige trägt ein Kapuzenshirt und verhüllt sein Gesicht mit einer Skimaske und einer Sonnenbrille. Er weigert sich, die Sonnenbrille während der Verhandlung abzunehmen und nimmt dafür 50 Euro Ordnungsgeld in Kauf, das die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand wegen Missachtung des Gerichts verhängt.

Alex W. weigert sich auch, seine Personalien anzugeben. Während der Zeugenvernehmung hält er die Hände vor das Gesicht und kehrte dem Publikum den Rücken zu. Sein Verteidiger Michael Sturm erklärt, der Angeklagte werde gegenwärtig keine Angaben machen, sich aber möglicherweise an einem anderen Prozesstag zu den Tatvorwürfen äußern.

Die Richterin betonte vor dem Prozessbeginn, dass es sich nicht um ein politisches Verfahren handele. „Wir wollen den Tod von Marwa El-Sherbini aufklären. Ihre Würde muss von allen gewahrt werden“, appellierte sie an die Prozessbeteiligten und das Publikum.

Die Kammer hat 46 Zeugen geladen und zehn weitere Verhandlungstage bis zum 11. November geplant. Dann könnte ein Urteil gesprochen werden, falls keine Anträge gestellt werden sollten, die den Prozess verzögern.

Am Montag stellte Sturm bereits nach Verlesung der Anklage einen Befangenheitsantrag gegen die Berufsrichter der Kammer, weil sie persönlich besonders betroffen von dem Mord in einem Saal des Gerichtsgebäudes seien. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

von Thomas Hartwig


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