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Chile

Nach Erdbeben wächst die Angst vor Plünderungen

Plünderer haben die Polizei im chilenischen Erdbebengebiet in Atem gehalten und zeitweise sogar die Bergung verschütteter Menschen unter den Trümmern eines Hochhauses stocken lassen. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet beauftragte das Militär, in den Katastrophenregionen die Sicherheit, aber auch die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.
Rückblick
  • Chile Schweres Erdbeben tötet mehr als 700 Menschen Kommentare 0
  • Erdbeben Vereinten Nationen bieten Chile nach Beben Hilfe an Kommentare 0
Am Montagmorgen erschütterte ein  Nachbeben der Stärke 6,2 das Land.

Am Montagmorgen erschütterte ein Nachbeben der Stärke 6,2 das Land.

© afp

Zudem verhängte sie ein nächtliches Ausgehverbot. Bis Montagmorgen wurden nach amtlichen Angaben in Concepción 55 Personen verhaftet, die sich nicht daran hielten.

Chile wurde am Samstag von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 8,8 getroffen, eine halbe Stunde später zerstörte ein Tsunami mehrere Küstenorte. Insgesamt kamen mindestens 708 Menschen ums Leben. Verteidigungsminister Francisco Vidal räumte ein, dass die Marine einen großen Fehler gemacht habe, weil sie nicht sofort eine Tsunami-Warnung herausgegeben habe. Hafenkapitäne in mehreren Küstenstädten hätten dies aber gemacht und so hunderte Menschenleben gerettet.

Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und Deutschland sagten Chile Katastrophenhilfe zu. Die UN-Sprecherin für humanitäre Hilfe in Genf, Elisabeth Byrs, erklärte, einer chilenischen Bitte entsprechend würden Behelfsbrücken, Feldlazarette, Satellitentelefone, Generatoren, Wasseraufbereitungsanlagen, Feldküchen und Dialyse-Zentren geliefert. Zudem würden Experten zur Einschätzung der Schäden entsandt. „Wir sind bereit“, sagte Byrs. Die EU-Kommission stellte für die Versorgung der Erdbebenopfer in Chile drei Millionen Euro Soforthilfe bereit. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Bachelet in einem Telefonat zusätzliche deutsche Nothilfe zu.

Verschüttete unter Trümmern eines Hochhauses

Ziel von Plünderungen wurden vor allem Supermärkte. Bachelet wies das Militär an, die Bevölkerung mit Lebensmitteln, Wasser und Decken zu versorgen. Zudem sollten Straßen von Schutt geräumt und passierbar gemacht werden. Die Elektrizitätswerke wurden aufgefordert, vorrangig in Krankenhäusern die Stromversorgung wiederherzustellen.

Sie reagierte damit auf eine Plünderungswelle in Concepción. Dort musste die Feuerwehr sogar zeitweilig die Bergung von Überlebenden einstellen, weil die Polizei Tränengassalven auf Menschen abfeuerte, die massenhaft Waren aus einem halb zerstörten Supermarkt davontrugen. In der Nähe lagen noch Verschüttete unter den Trümmern eines 15-geschossigen Hochhauses. Als die Polizei mit Tränengas gegen Plünderer vorging, wollte die Feuerwehr gerade einen Retter tiefer in den Trümmerberg schicken. Das musste wegen des Reizgases abgebrochen werden.

„Es gibt noch Überlebende“, sagte ein Polizeioffizier, Jorge Guerra. „Es werden noch Leute gerettet.“ Kurz darauf wurden Leichen aus den Trümmern geborgen.

Nach dem schweren Erdbeben gab die Tsunami-Warnzentrale auf Hawaii einen Alarm für 53 Pazifik-Anrainerstaaten heraus. Allerdings blieben die Auswirkungen dort begrenzt, und es wurden keine weiteren Opfer aus Australien, Tonga, Japan, Russland oder Hawaii gemeldet.

ap


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