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UN-Kriegsverbrechertribunal

Karadzic-Prozess erneut vertagt

Der Vorsitzende Richter des Karadzic-Prozess, O-Gon Kwon, hat am Dienstag einem Antrag auf Vertagung des Prozesses stattgegeben. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic forderte mehr Zeit für die Vorbereitung seiner Verteidigung.
 Der wegen Völkermordes angeklagte ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic.

Der wegen Völkermordes angeklagte ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic.

© dpa (Archiv)

Der Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist erneut auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon gab am Dienstag einem Antrag des Angeklagten statt, der mehr Zeit für die Vorbereitung seiner Verteidigung fordert. Vor dem Gericht nannte Karadzic das Massaker von Srebrenica mit mehr als 7000 Toten im Juli 1995 einen „Mythos“.

Er bedauere die Umstände, die seine Entscheidung den bereits geladenen Zeugen bereite, sagte Richter O-Gon. Dass sich Karadzic ausreichend vorbereiten könne, gehöre aber zur „Fairness“ des Verfahrens. Am Freitag hatte das Tribunal den Antrag noch abgelehnt und für Mittwoch die erste Zeugenbefragung angesetzt. Gegen diese Entscheidung kann Karadzic nun Berufung einlegen. Ein Termin zur Fortsetzung des Verfahrens steht noch nicht fest.

Den Beginn seines Prozesses im vergangenen Oktober hatte Karadzic boykottiert und dies unter anderem damit begründet, dass ihm nicht genug Zeit für das Aktenstudium gegeben worden sei. Der 64-Jährige wollte sich ursprünglich selbst verteidigen. Wegen des Boykotts entschied das Tribunal Anfang November, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen. Dagegen legte Karadzic vergeblich Widerspruch ein.

Der Prozess war erst am Montag nach einer viermonatigem Pause wieder aufgenommen worden. Dabei hatte Karadzic den Kampf der Serben im Bosnienkrieg als „gerecht und heilig“ bezeichnet und die Schuld für den Konflikt mit 100.000 Toten den bosnischen Muslimen zugewiesen. Zudem hatte er erneut eine weitere Verschiebung des Verfahrens bis zum 17. Juni gefordert, um neue Akten durcharbeiten zu können.

Am Dienstag äußerte sich Karadzic, der wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht steht, zunächst weiter zu den Vorwürfen gegen ihn. Wie bereits am Vortag wies er den Muslimen die Schuld zu. Sie hätten Anschläge auf einen Markt in Sarajevo inszeniert und darüberhinaus Opferzahlen übertrieben, damit die NATO in den Konflikt eingreife. Das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 nannte Karadzic einen „Mythos“. Dabei waren mehr als 7000 muslimische Jungen und Männer getötet worden.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-95) verantworten. Im Mittelpunkt der Anklage steht das Massaker von Srebrenica. Die insgesamt elf Anklagepunkte beziehen sich auch auf die 44-monatige Belagerung von Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Insgesamt wurden während des Bosnienkriegs 100.000 Menschen getötet, 2,2 Millionen wurden vertrieben.

Karadzic war im Juli 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad gefasst worden. Ihm droht für den Fall einer Verurteilung lebenslange Haft.

afp


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