Navigation:
AboPlus Anzeigen- und Abo-Service

Landgericht Mannheim

Kachelmann-Prozess auf 13. September vertagt

Der mit Spannung erwartete Prozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann ist am Montag vor dem Landgericht Mannheim kurz nach Beginn unterbrochen und vertagt worden. Die Anwälte Kachelmanns hatten zuvor am Morgen Befangenheitsanträge gegen zwei Richter der Kammer gestellt. Die Verhandlung soll am 13. September fortgesetzt werden.
Der langerwartete Prozess gegen den TV-Wetterexperten Jörg Kachelmann wurde bereits am ersten Tag unterbrochen.

Der langerwartete Prozess gegen den TV-Wetterexperten Jörg Kachelmann wurde bereits am ersten Tag unterbrochen.

© dpa

„Herr Kachelmann hat den Befangenheitsantrag gestellt, weil die Sorge besteht, dass die beiden abgestellten Richterpersönlichkeiten ihm nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit gegenüberstehen“, sagte sein Verteidiger Reinhard Birkenstock. Man habe dies bewusst nicht mündlich in der Hauptverhandlung geäußert. Der Grund: „Wir wollten die Richterpersönlichkeiten nicht öffentlich angreifen.“ Das 67-seitige Ablehnungsgesuch wurde zu Protokoll der Geschäftsstelle des Gerichts gegeben. Vor dem Prozess hatte es Spekulationen gegeben, dass der Vorsitzende Richter privat mit dem Vater des mutmaßlichen Opfers bekannt ist.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts wird nun voraussichtlich bis nächsten Montag darüber entscheiden, ob sie den Anträgen stattgibt. Hierbei sind die betroffenen Richter ausgeschlossen. Sie werden durch andere Richter des Landgerichts vertreten, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Befangenheitsantrag gegen gleich zwei Richter war nicht die einzige Überraschung des kurzen Verhandlungstags: Anders als erwartet, erschien das mutmaßliche Opfer in Begleitung ihres Anwalts vor Gericht. Die 37 Jahre alte Radiomoderatorin tritt als Nebenklägerin in dem Prozess auf. Ihr Verteidiger Thomas Franz bat vor Prozessbeginn darum, die Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin nicht zu verletzen und keine Fotos oder Videos von ihr zu veröffentlichen. Nach bisherigen Planungen soll sie am neunten Verhandlungstag (13. Oktober) aussagen.

Kachelmann wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten. Bei einer Verurteilung drohen dem Schweizer bis zu 15 Jahre Haft.

Der Prozess hatte am Montag um kurz nach neun Uhr unter großem Medieninteresse und mit starken Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Der ganze Straßenblock wurde von der Polizei überwacht. Seit den frühen Morgenstunden warteten mehr als hundert Journalisten, Fotografen und Kamerateams vor dem Landgericht - darunter auch zahlreiche Medienvertreter aus der Schweiz.

Der Fernseh-Humorist Oliver Pocher narrte kurz vor Prozessbeginn viele Journalisten: Als Kachelmann verkleidet, setzte er sich mit zahlreichen jungen Frauen vor dem Gerichtsgebäude ins Szene und gab eine Stellungnahme für die Presse ab. Viele hatte ihn zunächst für den echten Kachelmann gehalten. Dieser kam jedoch - unbemerkt von den Fotografen - durch einen Hintereingang ins Gebäude.

Auch viele Zuschauer hofften auf Einlass - jedoch nur 85 von ihnen wurden neben den akkreditierten Medienvertretern ins Gebäude gelassen. Zuschauer und Journalisten mussten sich strengen Sicherheitskontrollen unterziehen. Alle Telefone und technischen Geräte mussten abgegeben werden.

Die eigentliche Verhandlung dauerte keine zehn Minuten. Kachelmann erweiterte zu Prozessbeginn sein Verteidigerteam: Neben dem Kölner Rechtsanwalt Birkenstock wird er nun auch von der Heidelberger Strafverteidigerin Andrea Combé vertreten. Außerdem nahm Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker auf der Verteidigerbank Platz.

Neben dem mutmaßlichen Opfer sollen vor Gericht 25 Zeugen vernommen werden, darunter laut Staatsanwaltschaft auch „diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten“. Zudem sind fünf Sachverständige geladen. Der letzte planmäßige Termin ist für den 27. Oktober vorgesehen. Dann könnte ein Urteil gegen Kachelmann verkündet werden.

Kachelmann war am 20. März bei seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Vancouver am Flughafen Frankfurt verhaftet worden. Nach zwei Tagen war die Nachricht in den Medien. Er entwickelte sich ein umfangreicher „Vor-Prozess“: Verschiedene Zeitungen und Magazine berichteten zum Teil sehr detailliert aus Ermittlungsakten und Gutachten.

Nachdem das Landgericht Mannheim den Haftbefehl gegen Kachelmann wiederholt bestätigt hatte, hatte der Moderator schließlich in der nächsthöheren Instanz vor dem Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe Erfolg: Am 29. Juli hob das OLG den Haftbefehl auf. Kachelmann kam nach 132 Tagen aus der Untersuchungshaft frei.

Die Frauenrechtlerin und Journalistin Alice Schwarzer, die für die „Bild“-Zeitung über das Verfahren berichtet, äußerte großen Respekt vor der Entscheidung der ehemaligen Geliebten, vor Gericht zu erscheinen: „Da hat eine gedemütigte Frau ihren Hut in den Ring geworfen“, sagte Schwarzer. Sie betonte jedoch: „Wir wissen nicht, ob sie wirklich vergewaltigt wurde oder nicht.“

dpa


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Eurotrainer 2012


Eurotrainer

Anzeige




Anzeige

WLZ-FZ bei facebook


Facebook

Anzeige




Anzeige

Aktuelle Umfrage

Praxisgebühr

Seit Wochen wird in der Politik darüber diskutiert, ob die Praxisgebühr für gesetzliche Krankenversicherte abgeschafft werden soll. Halten Sie die Gebühr, die pro Quartal zu zahlen ist, für sinnvoll?

Buntes

Tiere in Innenstadt unterwegs

Wildschwein-Alarm in Hamburg

Foto: Wildschwein-Alarm in Hamburg: Am Mittwochmorgen wurden mehrere Wildschweine in der Innenstadt gesichtet, anschließend gab es eine Verfolgungsjagd mit der Polizei.

Wildschwein-Alarm in der Hamburger Innenstadt: Nachdem am Mittwochmorgen mehrere Tiere in der City gesichtet wurden, gab es eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. „Den ersten Anruf bekamen wir gegen 4.50 Uhr. Da wurden Wildschweine im Alstervorgelände gesichtet“, berichtete Polizeisprecher Holger Vehren. mehr

KommentareKommentar/e



Lokale Nachrichten von Bürgerreportern

myheimat.de

Die lokale Mitmach-Plattform unserer Zeitung: Bürger berichten aus Ihrem Heimatort. Die besten Beiträge werden in Ihrer Zeitung abgedruckt. mehr


 

Gesundheitsportal


Gesundheitsportal

Terminkalender




Leben in unserer Region

Leben in unserer Region

Die Serie der Waldeckischen Landeszeitung / Frankenberger Zeitung gemeinsam mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg, sowie der Sparkasse Waldeck-Frankenberg. mehr