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Haftstrafe gefordert

Frau in Taxi-Kofferraum entführt

Stundenlang bangte eine Frau eingesperrt im Kofferraum eines Taxis um ihr Leben. Im Prozess gegen ihren Peiniger forderte die Anklage jetzt eine Haftstrafe. Das Motiv für die Tat bleibt aber rätselhaft.

Im Prozess gegen den Taxi-Peiniger forderte die Anklage jetzt eine Haftstrafe.

© dpa

Hamburg. Im Prozess um die Entführung einer 32 Jahre alten Frau im Kofferraum eines Taxis hat die Hamburger Staatsanwaltschaft am Mittwoch eine Haftstrafe für den Angeklagten gefordert.

Drei Jahre und zehn Monate soll er demnach wegen Körperverletzung, Beleidigung und Freiheitsberaubung hinter Gitter. Das Motiv des 57-Jährigen, der zum Tatzeitpunkt stark angetrunken war, ist aber weiterhin völlig unklar. "Das macht die Verhandlung unbefriedigend", sagte die Staatsanwältin. Es könne weiterhin nur spekuliert werden: Frauenhass? Lebenskrise? Der Angeklagte selbst erhob sich zu seinem Schlusswort, im grünen Hemd und Jeanshose wandte er sich zu der Vorsitzenden Richterin: "Hohes Gericht", setzte er an. "Ich bereue meine Tat zutiefst und ernst." Zu seinem Motiv sagte er nur: "Ich selbst kann mir nicht erklären, warum ich so verrückt war."

Er habe versucht, die Schuld durch ein Geständnis loszuwerden, "was natürlich nicht möglich war." Darin hatte er die Tatvorwürfe der Anklage eingeräumt - wollte oder konnte sich zu den Details der Tat jedoch nicht äußern.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stieg sein Opfer im September vergangenen Jahres an der Hamburger Reeperbahn in das Taxi des Angeklagten. Der fuhr jedoch in eine falsche Richtung, worauf ihn die Frau aufmerksam machte. Plötzlich hielt der Fahrer jedoch den Wagen an, zerrte die zierliche Frau vom Rücksitz und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Anschließend sperrte er sie in den Kofferraum. Dann fuhr er weiter bis zu seiner Wohnung im schleswig-holsteinischen Hasloh.

Sein Opfer durchlebte währenddessen im Kofferraum Todesängste, schrie und bettelte um ihr Leben und trat um sich. Mit ihrem Handy konnte sie schließlich die Polizei alarmieren, doch die hatte Probleme, das Telefon zu orten.

Während ihres mehrstündigen Martyriums brach die Frau immer wieder in Panik aus, davon zeugen die Mitschnitte des Notrufs, die vor Gericht abgespielt wurden. "Man spürte darin förmlich die Todesangst", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Das Opfer entwickelte immer neue Angstszenarien. Erst dachte sie, der Angeklagte würde sie vergewaltigen und dann in einen Straßengraben werfen, wie sie als Zeugin vor Gericht sagte. Dann ging sie davon aus, dass der Taxifahrer das Auto in einen See hat rollen lassen. "Sie hielt das Kondenswasser im Kofferraum für eindringendes Wasser", sagte die Staatsanwältin, "alles passte dann zusammen."

Nach sechs Stunden konnte sie schließlich befreit werden, doch auch fünf Monate nach der Tat leidet die junge Frau noch unter Angstzuständen und ist arbeitsunfähig. Die Verteidigung fordert, eine Gefängnisstrafe unter drei Jahren gegen den Angeklagten zu verhängen. Das Urteil der Kammer soll am kommenden Freitag verkündet werden.

dpa/lno


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