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Winter

Fließbandarbeit im OP: Viel mehr Knochenbrüche

Rutschen, stürzen, Knochenbruch: Das ist in diesen Wochen mit Schnee und Eis die schmerzliche Erfahrung vieler Menschen in Niedersachsen. Vereiste Geh- und Fahrradwege machen ihnen zu schaffen. Wie eine Umfrage ergab, ist die Zahl der Knochenbrüche in diesem Winter bis auf das dreifache angestiegen.
Das Glatteis macht den Menschen zu schaffen: Stürze, Knochenbrüche, Rutschen.

Das Glatteis macht den Menschen zu schaffen: Stürze, Knochenbrüche, Rutschen.

© lni

Die Ärzte in der Unfallchirurgische und den orthopädischen Abteilungen haben alle Hände voll zu tun. Die Krankenkassen kommt das teuer zu stehen.

„Für das Städtische Klinikum in Lüneburg war es das schlimmste Wochenende seit Beginn des Schneefalls“, sagte am Montag Sprecherin Angela Wilhelm. Die Ärzte hätten zwei Tage lang durch operiert. Es habe zwei- bis dreimal so viele Brüche gegeben wie sonst. 350 Notfälle hielten die Lüneburger Ärzte seit Freitag auf Trab. Die Unfälle gehen dabei quer durch alle Altersgruppen. Knöchel-, Handgelenks- und Oberarmbrüche seien am häufigsten. Zuvor habe es auch Rodelunfälle mit schweren Wirbel- und Oberschenkelbrüchen gegeben. Die Bettensituation sei zwar schwierig, aber lösbar, die Ärzte und Pfleger machten Überstunden.

111 Aufnahmen in der Unfallchirurgie alleine am vergangenen Wochenende verzeichnet das Klinikum Region Hannover: „Das sind 30 Prozent mehr als an normalen Tagen. Im Vergleich zum vergangenen Winter haben wir 35 Prozent mehr Knochenbrüche“, sagte Sprecherin Petra Kesten-Kühne. Vor allem junge Leute seien betroffen gewesen. Viele hätten operiert werden müssen.

Im Oldenburger Klinikum sei die Auslastung seit vier Wochen besonders hoch, sagte Sprecherin Barbara Delvalle. Die Zahl der Knochenbrüche sei auf das dreifache angestiegen: „Statt 20 Brüchen am Tag liegt die Zahl zurzeit bei 60 am Tag.“ Dabei seien verschiedene Phasen zu beobachten: „In einer ersten Phase hatten wir die Schlittenfahrer und die älteren Menschen, die glaubten, sie könnten noch Schlitten fahren.“ Jetzt seien alle betroffen, die auf dem Glatteis keinen Halt mehr finden.

Im Hamelner Kreiskrankenhaus kommen am Tag etwa 15 bis 20 Patienten mehr wegen gebrochener Knochen. „Das ist ungefähr ein Drittel mehr“, schätzte Sprecher Peter Höxter. „Erstaunlicherweise hatten wir zu Beginn des Winters überhaupt keinen Anstieg, da waren vor allem die älteren Menschen vorsichtig.“

Im Winsener Krankenhaus mussten Patienten am Montagvormittag in der chirurgischen Ambulanz bis zu drei Stunden auf eine Behandlung warten. Seit der vergangenen Woche sei es besonders schlimm. Die Ärzte müssten 50 Prozent mehr Patienten behandeln, sagte Chirurgie-Ärztin Petra Bardenhagen. Patienten aus der Unfallchirurgie würden mittlerweile auf alle Abteilungen im Haus verteilt. Sowie ein Bett in der HNO- oder gynäkologischen Abteilung frei werde, würde es durch einen Unfall-Patienten belegt, sagte die Ärztin.

„Bei uns muss durchgängig den ganzen Tag lang operiert werden“, sagte Stefanie Bauer vom Hildesheimer St. Bernward-Krankenhaus. Um mindestens 50 Prozent sei die Zahl der Knochenbrüche gestiegen. Auch die Göttinger Universitätsmedizin registriere „deutlich mehr Knochenbrüche als üblich“, berichtete Sprecher Stefan Weller. Operiert werden überwiegend Hand- und Sprunggelenksbrüche. Betroffen seien neben ausgerutschten Fußgängern vor allem gestürzte Radfahrer.

Bis in die Nacht hinein werden im Klinikum Braunschweig derzeit Knochenbrüche operiert: „Zehn bis 15 Patienten mit Knochenbrüche pro Tag sind normal, seit Freitag hat sich die Zahl der Patienten verdoppelt“, sagte Klinik-Sprecherin Marion Lenz. Alle Notfälle würden zwar schnellstmöglichst operiert. Obwohl die Ärzte von den frühen Morgenstunden bis in die Nacht hinein operierten, gebe es für alle anderen Brüche, die chirurgisch behandelt werden müssten, mittlerweile leider eine Warteliste bis Ende der Woche.

Allein im Januar mussten nach Angaben der Krankenkasse KKH-Allianz rund 20.000 gesetzlich Versicherte nach einem Sturz wegen Arm- und Beinbrüchen oder offener Wunden ins Krankenhaus. „Es gab doppelt so viele Glatteisunfälle wie 2009.“ Der lange Winter wird für die Kassen damit richtig teuer, denn jede stationäre Aufnahme nach einem Glatteisunfall kostet durchschnittlich rund 4000 Euro. Ein komplizierter Knochenbruch kann sogar mit bis zu 15.000 Euro zu Buche schlagen. Auch im vergangenen Jahr gab es durch Dauerfrost viele Unfälle, die allein bei der KKH Mehrkosten von mehr als drei Millionen Euro verursachten. „Angesichts des Rekord-Winters ist in diesem Jahr mit einem weiteren Kostenanstieg zu rechnen.“

lni


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