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Chile

Festsitzende Minenarbeiter: „Holt uns raus aus dieser Hölle“

33 Bergleute sind seit dem Einsturz des Stollens der Gold- und Kupfermine San José in Chiles Atacama-Wüste vor drei Wochen in 688 Metern Tiefe eingeschlossen. „Holt uns raus aus dieser Hölle“, sagte Schichtführer Luis Urzúa im Namen der festsitzenden Minenarbeiter.
Das chilenische Mädchen Romina Gómez, Tochter des verschütteten Bergmanns Mario Gómez, schreibt einen Brief an ihren Vater.

Das chilenische Mädchen Romina Gómez, Tochter des verschütteten Bergmanns Mario Gómez, schreibt einen Brief an ihren Vater.

© dpa

Die festsitzenden Minenarbeiter im Norden Chiles haben einen dramatischen Appell an Präsident Sebastián Piñera gerichtet. „Unter einem Meer von Felsen hoffen wir, dass ganz Chile sich anstrengt, um uns aus dieser Hölle rauszuholen“, sagte Schichtführer Luis Urzúa, als er mit dem Staatschef telefonierte. Der ließ keinen Zweifel daran, dass alles getan wird, die Arbeiter aus ihrem Gefängnis in 688 Metern Tiefe zu befreien. „Ihr seid keinen Moment allein.“ Allerdings weiß Piñera auch, dass es Dezember werden dürfte, bis die Kumpel wieder Sonnenlicht sehen.

Die entscheidende Etappe der längsten Rettungsaktion in Chiles Bergbaugeschichte soll am Sonnabend anlaufen. Das rund 30 Tonnen schwere Spezialbohrgerät „Raisbore Strata 950“ ist seit Dienstag vor Ort. Nach dem Aufbau der Maschine soll zunächst ein Kanal mit knapp 40 Zentimetern Durchmesser in die Tiefe getrieben werden, der dann in einem zweiten Bohrgang auf 66 bis 70 Zentimeter erweitert werden soll.

Bis dahin werden die 33 Minenarbeiter - 32 Chilenen und ein Bolivianer - mit Sonden versorgt, die in einem kleinen Schacht hinabgelassen werden. Die etwa 1,70 Meter langen Kapseln sehen aus wie Raketen. Sie nehmen Glukose, Sauerstoff, Spezialnahrungsmittel und Medikamente mit auf den Weg nach unten. Eine der Sonden brachte den Kumpel auch ein Walkie-Talkie. Den direkten Kontakt halten Experten für extrem wichtig, um den immensen psychischen Druck zu vermindern.

Die Moral der Truppe ist aber offenbar gut. Im Gespräch mit dem Präsidenten fragte einer der Bergleute, ob man nicht „ein Glas Wein“ hinabschicken könne, das man am 18. September, dem Nationalfeiertag, trinken könne. „Sie (die Minenarbeiter) werden nicht beim Bicentenario (Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeit) bei uns sein, aber zu Weihnachten und an Neujahr“, dämpfte Staatschef Piñera bei einem ökumenische Gebet aber zu hohe Erwartungen.

Inzwischen haben auch die Familien den Arbeitern Nachrichten zukommen lassen können. „Claudio, mein Sohn, ich liebe Dich. Deine Mutter, Deine Brüder und Deine Kinder warten auf Dich“, schrieb etwa Margarita Lagos ihrem Sohn Claudio Yáñez (34). Und Carolina Lobos schrieb ihrem Vater Franklin: „Da Du viel Zeit hast zum Lesen, schicken wir Dir einen langen Brief.“

Die Kumpel können sich offensichtlich in ihrem unterirdischen Verließ mehr oder weniger frei bewegen. Sie sind nicht wie anfangs befürchtet, in dem nur 52 Quadratmeter kleinen Schutzraum eingepfercht, sondern können das Stollensystem benutzen. Für Nahrungsnachschub ist gesorgt, doch werden keine üppigen Mahlzeiten möglich sein. Es scheint makaber, aber je dünner die Kumpel sind, desto leichter wird der Aufstieg durch den nur 66 bis 70 Zentimeter breiten Rettungsschacht.

dpa


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