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Konsum

Deutsche essen immer mehr Fisch

Im Jahr 2009 haben die Deutschen so viel Fisch gegessen wie nie zuvor. Umweltschützer sehen durch den Rekordkonsum allerdings die Bestände der Meerestiere in höchster Gefahr.

Er ist leicht, bekömmlich – und Ernährungswissenschaftler empfehlen den Verzehr zweimal wöchentlich. Mindestens. Offenbar haben sich die Deutschen an die Ratschläge gehalten. Im Jahr 2009 haben sie so viel Fisch gegessen wie nie zuvor. Dies hat das Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg in seinem aktuellen Jahresbericht bekannt gegeben. 4,7 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte landeten 2009 im Schnitt jährlich auf deutschen Tellern. Hinzu kamen weitere 2,7 Kilogramm, die jeder Deutsche im Restaurant und an Fischbuden verzehrt. Auch für dieses Jahr ist der FIZ-Geschäftsführer Matthias Keller optimistisch: „Der Sommer hat viel dazu beigetragen, dass mehr Fisch gegessen wurde. Wir werden neue Höhen erreichen.“

Umweltschützer bewerten den Rekordverzehr weniger euphorisch. Sie sehen durch den immer weiter steigenden Konsum die weltweiten Fischbestände in höchster Gefahr.

Dass die Fischerei heute nur noch wenig mit pittoresken Häfen und viel mit einer globalisierten Industrie zu tun hat, zeigen die neuesten Zahlen auch. So kommen nur 13 Prozent der hier verzehrten Fische aus Deutschland, die restliche Ware wird importiert – meist von sehr weit her. Deutlich über die Hälfte (59 Prozent) der Fische kommen aus Fernost, allein China lieferte im vergangenen Jahr Fischwaren für 355 Millionen Euro nach Deutschland. Entsprechend selten kommt der Fisch noch frisch aus dem Meer auf den Teller. Etwa ein Drittel der Fischprodukte kommen aus den Tiefkühltruhen der Supermärkte und Discounter. Weitere 26 Prozent werden in Konserven gekauft. Krebs und Weichtiere erreichen einen Marktanteil von 15 Prozent, Frischfisch und Räucherfisch bleiben unter zehn Prozent. Tendenz weiter sinkend.

Der Geschmack der Deutschen hat sich in Sachen Fisch hingegen kaum verändert. Der Alaska-Seelachs ist mit 20,1 Prozent weiterhin der beliebteste aller Fische – was wohl auch mit den Fischstäbchen zu tun hat, die die Deutschen offenbar unverändert mögen. Danach kommt der Hering mit 18,6 Prozent und der Lachs mit 12,8 Prozent Marktanteil. Auf den Plätzen vier und fünf stehen Thunfisch und der vietnamesische Zuchtfisch Pangasius, letzterer hat seinen Marktanteil in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt.

Doch die guten Verkaufszahlen des Deutschen liebster Fische, die die Industrie so freut, sind unter Umweltschützern umstritten. So warnt Greenpeace vor dem Kauf des Alaska-Seelachses, auch wegen der zerstörerischen Grundschleppnetzfischerei. Auch den Verzehr von Lachs und Thunfisch, Garnelen, Doraden und Kabeljau bewertet die Umweltorganisation als „grundsätzlich nicht vertretbar“. Wie auch beim Hering kommt es jedoch häufig auf die Fanggebiete an. Zander und Pangasius hingegen könnten problemlos auf den Tisch.

Weltweit gelten nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) 28 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände entweder als überfischt, als bereits erschöpft oder in der Erholungsphase. Weitere 52 Prozent gelten als bis an ihre biologischen Grenzen befischt. Während Greenpeace darin ein Alarmzeichen sieht, bewertet der Vorstandsvorsitzende des von der Fischindustrie gegründeten FIZ, Stefan Schulze, die Lage optimistischer. „72 Prozent werden optimal genutzt, beziehungsweise lassen Raum für Zuwächse. Allerdings müssten die restlichen 28 Prozent geschont werden.“

Die Lösung für mehr Umweltbewusstsein sieht das FIZ in mehr Transparenz. Genauere Herkunftsangaben auf den Produkten könnten demnach in Zukunft helfen, die Umweltschäden durch den Konsum einzuschätzen. In einer noch im Aufbau befindlichen Online-Datenbank (fischbestände.portal-fischerei.de) können Verbraucher dann nachsehen, ob der Fisch aus einem gefährdeten Bestand stammt oder nicht. Dies sei auch wirtschaftlich notwendig. „Das Interesse bezüglich der Art und Weise der Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung von Fisch und Meeresfrüchten steigt.“

[Dirk Schmaler]

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