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Winterbilanz der Fußball-Kreisoberliga (1): Arolsen nimmt ebenso wie Goddelsheim/Münden die Rolle als Aufstiegsanwärter an

Schäfer und Lopez-Röhle werfen Hut in den Ring

Abgesetzt hat sich keine Mannschaft. Die Spitze der Kreisoberliga Waldeck ist sehr breit aufgestellt. Ein Drittel der Liga darf noch mit einem der ersten beiden Plätze liebäugeln.

Vorteil Bad Arolsen: TuS-Spieler Valerie Fenske lässt im Spitzenspiel den Goddelsheimer Oliver Martinez links liegen. Arolsen siegte mit 2:1.

© Worobiow

Korbach. Tabellenführer TuS Bad Arolsen und dem punktgleichen Verfolger SG Goddelsheim/Münden traute man vor der Saison die Führungspositionen zu. Auch Platz drei der „jungen Wilden“ des SC Blau-Gelb Korbach ist keine Sensation. Dagegen stand Vizemeister FSG Buchenberg/Ederbringhausen bei kaum einem Experten auf dem Zettel. Noch überraschender: Eintracht Waldeck trennen nur fünf Punkte vom Spitzenrang. Der Aufsteiger der Vorsaison beschließt das Quintett der Top-Teams.

TuS: Erwartungen gestiegen

Vor Saisonbeginn hatte Uwe Schäfer seine Ziele nicht mit einem Tabellenplatz verknüpft. Der Trainer des TuS Bad Arolsen sah seine vornehmliche Aufgabe darin, die starken Leistungsschwankungen seiner Mannschaft zu minimieren, „mehr Konstanz“ forderte er. Mission erfüllt? Bedingt. Nach 18 Partien stehen die Arolser zwar ganz vorn, unbeständig spielten sie aber doch.

Einem Unentschieden zum Auftakt ließen sie eine Serie von fünf Siegen folgen, der sich wiederum vier Niederlagen anschlossen. Konstanz sieht anders aus. Uwe Schäfer fechten diese „kleinen Einbrüche“ nicht an. „Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg“, sagt er. Mit der jungen Mannschaft „von null auf hundert durchzustarten“ sei ohnehin schwierig gewesen.

Die nächste Häufung von Erfolgserlebnissen ließ nicht lange auf sich warten: sechs Spiele, 18 Punkte, 25:3 Tore – die Konkurrenz war beeindruckt. Die folgende Ausbeute von nur einem Zähler aus den letzten beiden Partien vor der Winterpause wirft schon wieder die Frage nach der Konstanz auf.

Mehr Stabilität erhofft sich Schäfer auch durch Neuzugang Sebastian Kirchner. Der 26-Jährige Külter kommt vom Verbandsligisten FSV Dörnberg und ist in der Abwehr oder dem defensiven Mittelfeld einsetzbar. Der Barockstadt den Rücken gekehrt hat kein Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft.

Positivste Erkenntnis der bisherigen Saison war für Schäfer, dass „wir in der Lage sind, die Big Points zu machen“. Bei der 2:5-Niederlage gegen Blau-Gelb Korbach habe das zwar nicht so geklappt, aber mit den Heimsiegen gegen Goddelsheim/Münden und Buchenberg/Eder­bringhausen knöpfte man Rivalen die Punkte ab.

Was Schäfer vermisst in seiner „verschworenen Truppe“, in der sich viele Spieler schon seit der C-Jugend kennen, ist ein echter Führungsspieler. „Wenn es einmal nicht läuft, ist keiner da, der das Zepter in die Hand nimmt“, sagt der 45-Jährige. Dennoch hat Schäfer seine Zurückhaltung in puncto Tabellenstand aufgegeben: „Minimalziel ist der Relegationsplatz.“

Topfavorit in Lauerstellung

„Vom Tabellenstand her wunschgemäß“, so fasst Miguel Lopez-Röhle die ersten 17 Saisonspiele der SG Goddelsheim/Münden zusammen. Der zweite Platz und die Option zum Überholen durch ein Nachholspiel stellen den Spielertrainer aber nicht restlos zufrieden. „Vollständig überzeugend waren unsere Auftritte nicht“, sagt er, „es fehlte die Souveränität.“ Die Lichtenfelser haben zwar nur zweimal den Platz als Verlierer verlassen, bei fünf Unentschieden aber dennoch eine Menge Punkte eingebüßt.

Laut Lopez-Röhle klemmt es hinten und vorne. „Wir haben bisher zu viele Gegentore kassiert“, nimmt der Libero die Hintermannschaft in die Pflicht. In Jens Sälzer (13 Treffer), Florian Mitze (11) und Raoul Mitze (8) verfüge man zwar über ein torgefährliches Angriffs-Trio. Ein echter Knipser, der 30- bis 35-mal pro Saison trifft und „auch schon mal aus einer halben Chance ein Tor macht“, fehle aber.

Natürlich ist die Beschreibung der Schwachpunkte ein Jammern auf hohem Niveau. Der Kader der SG hat echtes Format und zum Beispiel die Langzeitausfälle von Manuel Schütz, Oliver Martinez, Kevin Vesper und Jan Stracke weggesteckt.

Außerdem wechselte Erland Faust in der Winterpause an die Lehmekuhle, eine echte Verstärkung. Lopez-Röhle gerät geradezu ins Schwärmen, wird er auf die Qualitäten seines Schwagers angesprochen: „Ich habe viele Jahre mit Erland beim TSV Sachsenhausen zusammen gespielt, er ist ein absoluter Führungsspieler. Er hat die Fähigkeiten, das Spiel zu ordnen und Ruhe reinzubringen.“ Nicht zu unterschätzen ist überdies, dass der 32-jährige defensive Mittelfeldspieler bei seinem alten Verein zweitbester Torschütze war.

So hat Lopez-Röhle bei alldem Verbesserungsbedarf, den er noch sieht, die Gruppenliga fest im Visier: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir da oben dabei bleiben und die Meisterschaft möglich ist.“ Die letzte Partie vor der Winterpause stärkt die Zuversicht des 33-Jährigen, er verbuchte sie als beste Saisonleistung: „Beim 4:1 gegen die SG Bad Wildungen/Friedrichstein II waren wir zum ersten Mal von Beginn bis zum Abpfiff spielerisch überlegen.“

Blau-Gelb wie die Profis

Nahezu professionell geht Blau-Gelb Korbach die Rückrunde an: Dank eines Sponsoren-Zuschusses kann sich der Drittplatzierte im türkischen Belek vorbereiten. Auf den Spuren von Reus, Pizarro und Cacau sollte der Grundstein für eine erfolgreiche Restrunde gelegt werden. Satte 30 Grad Temperaturunterschied zum frostigen Waldecker Land und gut bespielbare Rasenplätze bildeten die nötigen Rahmenbedingungen, um die bisher gezeigten Defizite auszumerzen.

Ob es gelungen ist, in der Ferne die Auswärtsschwäche abzulegen, wird sich zeigen müssen. Zu Hause das stärkste Team der Liga, ließen die Kreisstädter auf fremdem Platz zu oft die nötige Durchschlagskraft vermissen. Eine schlüssige Erklärung dafür hat der daheimgebliebene Obmann Markus Grymel nicht: „Da war auch oft viel Pech dabei.“ Als Beispiel nennt er eine in seinen Augen unberechtigte Gelb-Rote Karte in Goddelsheim, sie habe die Mannschaft nach starkem Beginn auf die Verliererstraße gebracht.

Für eine Kopfsache hält Grymel da schon eher die Leichtfertigkeit, mit der die Mannschaft versuchte, vermeintlich schwache Gegner zu schultern. „Wir könnten fünf, sechs Punkte mehr auf dem Konto haben, wenn die Jungs nach starken Spielen nachgelegt hätten.“ So bezog der SC Blau-Gelb als Tabellenführer eine schmerzliche 0:1-Niederlage beim damaligen Vorletzten in Friedrichstein.

Die jugendliche Unbekümmertheit von Tatli, Birinzi und Co., die teilweise ihr erstes Seniorenjahr spielen, erwies sich zuweilen als Nachteil. „Die Jungs sind heiß aufs Fußballspielen, gehen die Sache aber manchmal zu locker an“, sagt Grymel. Nach dem Motto „wir sind gut, das geht schon von alleine“. Geht es eben nicht, obwohl die Korbacher spielerisch zum Besten gehören, das die Kreisoberliga zu bieten hat.

Hat Trainer Adam Kowalik seiner Mannschaft unter der Sonne Antalyas die nötige Ernsthaftigkeit eingeimpft, so muss für die Blau-Gelben Platz drei nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Auf dem Weg nach oben helfen sollen die Neuzugänge Nikolai Bär vom TSV Gemünden und Dimitri Ruf (SSG Ense/Nordenbeck).

Zufall wiederholt sich doch

Wenn der Meister in die höhere Klasse entschwunden ist, könnte doch im Jahr darauf der Weg frei sein für den Vize. Doch Günther Eisenmann hat frühzeitig abgewunken. „Natürlich haben wir letzte Saison eine überragende Rückrunde gespielt. Platz zwei war aber auch der schwächelnden Konkurrenz geschuldet“, sagte der Trainer der FSG Buchenberg/Eder­bringhausen. Er sprach von einem Zufall, der sich nicht wiederholen würde.

Tatsächlich gleichen sich die Szenarien. Wie im Vorjahr hat sich die FSG mit einer beeindruckenden Serie aus den Tiefen des Tabellenraums nach oben gespielt, von den letzten zwölf Partien hat sie nur eine verloren. Vor dem Aufschwung musste sie freilich den schwachen Saisonstart verarbeiten.

Nach vier Niederlagen aus den ersten fünf Partien sei die Mannschaft „schon am Boden gewesen“, berichtet Eisenmann. „Es hat gedauert, bis die Zuversicht zurückgekommen ist, dass das noch eine vernünftige Saison wird.“

Das FSG-Revival baut vor allem auf der Torausbeute auf, 51 Treffer sind der Spitzenwert der Liga. Die Toptorjäger Florian Heine (16) und Mario Amert (14) haben 30 davon geschossen, doch zusätzlich belegte Youngster Dennis Brussmann (13) das Abschlussgeschäft. Nicht nur für Eisenmann eine Überraschung: „Ich hätte nicht gedacht, dass Dennis in seinem ersten Seniorenjahr derart stark auftrumpft. Er ist geschickt in die Lücken gestoßen, die seine Sturmpartner aufgetan haben.“

Zugute kommt den Angreifern die insgesamt offensivere taktische Ausrichtung der FSG, doch birgt der „Hurra-Fußball“ selbstredend auch Gefahren. „Die Jungs vergessen leider allzu oft, nach hinten zu arbeiten“, bemängelt Eisenmann. Zu viele Gegentore (44) bedeuten zu viele Niederlagen. Am meisten ärgerte sich Eisenmann über die 0:5-Schlappe in Berndorf, wo das Spiel „ohne Gegenwehr aus der Hand gegeben wurde“.

Freude bereitet dem 54-Jährigen die erfolgreiche Integration der Junioren. Der Mannschaft eine Verjüngungskur zu verpassen, war ein Ziel des Trainers. Dass neben Dennis Brussmann auch Christian Fleck und Julian Scholl zu Stammspielern herangereift sind, ist also kein Zufall. Eine erneute Vizemeisterschaft wäre auch keiner.

Neuer Mann, neuer Schwung

Bad Arolsen ist gescheitert, ebenso Blau-Gelb Korbach und die SG Goddelsheim – kein Vertreter des Führungstrios konnte auch nur einen Punkt bei Eintracht Waldeck ergattern. Die Mannschaft von Matthias Döschner war in der Lage, jeden zu schlagen, zumindest zu Hause. Doch der Trainer ist in der Winterpause gegangen und heuerte bei der FSG Ittertal/Marienhagen an.

So wird es Aufgabe von Horst Kleinschmidt sein, mit dem Team den respektablen fünften Tabellenplatz zu halten. Der 45-Jährige leitet bis Saisonende in Doppelfunktion nicht nur die Abteilung, sondern auch das Training. Er kann sich dabei auf das bewährte Personal verlassen; Ausnahme: Christian Schaller ist zur SG Wesetal zurückgekehrt.

„Platz drei bis fünf ist für uns absolut machbar“, sagt Kleinschmidt, „spielerisch ist die Mannschaft gut genug.“ Um sie noch besser zu machen, will Kleinschmidt an einigen Stellschrauben drehen. „Wir werden etwas mehr Konditionsarbeit machen und versuchen, das Team enger zusammenzuschweißen.“ Mit speziellen Gruppenübungen und auch außersportlichen Aktivitäten sollen die jungen Spieler lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Kleinschmidt erhofft sich dadurch auch ein gesteigertes Selbstbewusstsein jedes Einzelnen. „Die Mannschaft hat auswärts oft zu zaghaft agiert, sich nicht getraut, das Spiel zu machen“, sagt er.

Dennoch sprang zuletzt eine Serie von acht Spielen ohne Niederlage heraus. Großen Anteil daran hat der spielende Co-Trainer Sacha Lehmann. Der Landesliga-erfahrene 38-Jährige hat ein Drittel (12) aller Waldecker Tore erzielt und bereits trefflich bewiesen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.


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