Korbachs Konstante: Raphael Leibfacher, dessen Künste hier anscheinend die Wolfhager Alexander Rasch und Alexander Moskaltschuk bewundern, spielte in jeder der 18 Partien.
Aktuell stehen 16 Zähler für den Tabellendrittletzten zu Buche, neun davon stammen allein aus den letzten vier Spielen. Die Bilanz aus den restlichen elf Spielen bis zur Winterpause liegt bei 1,45 Punkten im Durchschnitt – schriebe Korbach diesen Wert fort, stünden am Ende 34 Punkte auf dem Konto, fünf weniger als in der Vorsaison. Allerdings spielt die Verbandsliga-Reserve traditionell eine stärkere Restrunde – ein Phänomen, das regelmäßig große Erwartungen vor dem Anpfiff der dann folgenden Saison weckt.
Das war auch im vergangenen August so. Nach einer erfolgreichen Rückrunde, in der etliche junge Spieler den Sprung zum Leistungsträger der Senioren geschafft hatten, sprach eigentlich alles dafür, dass der TSV/FC mit dem neuen Trainer Dirk Rost eine gute Rolle spielen könnte. Doch der langjährige Jugendcoach, der viele seiner ehemaligen Schützlinge im Seniorentraining weiterentwickeln wollte, nahm schon nach drei Spielen seinen Hut, vornehmlich aus privaten Gründen.
Seine letzte Niederlage als Trainer war unverhältnismäßig hoch ausgefallen (1:5), doch individuelle Fehler in der Defensive und in Verbindung mit einer kapitalen Abschlussschwäche hatten Gegner FC Körle stärker gemacht, als er in dieser Saisonphase war. Dieselben Faktoren hatten schon in den Spielen vorher gegen Rhoden (0:1) und Rengershausen (2:4) den Ausschlag zugunsten des Gegners gegeben, obwohl jeweils ein Punkt in Reichweite gewesen war. „Wir haben immer unsere Chancen gehabt, hatten aber eine ganz schlechte Verwertungsquote“, bringt „Barny“ Beckmann das Problem auf den Punkt. Denn der erfahrene Einspringer, dem teilweise namhafte Verstärkungen zur Verfügung standen, sah seine Mannschaft meist auf demselben Niveau wie den Gegner, mit Ausnahme des Wabern-Spiels vielleicht. Aber selbst bei dieser 2:6-Klatsche spielten individuelle Fehlleistungen dieselbe entscheidende Rolle wie bei den übrigen Niederlagen.
Allerdings suchte sich der Fehlerteufel in jeder Partie ein anderes Opfer. Ein Phänomen, das sich ebenso wie ein roter Faden durch die schwarze Serie von sieben sieglosen Spielen zog wie die katastrophale Chancenverwertung nach der Pause. Daran scheiterte so gut wie jede Aufholjagd, abgesehen von der späten Ausnahme im Heimspiel gegen Rengershausen. Es war die einzige Partie übrigens, in der der TSV/FC trotz Gegentreffern zwischen der 16. und 30. Minute zum Sieg kam. In allen anderen Partien waren Gegentore in dieser Phase vorentscheidend.
Der Knoten platzte erst Anfang Oktober gegen Schwalmstadt II (2:1), danach fuhr die Mannschaft endlich auch den ersten Heimsieg ein. Auch gegen Gensungen/Felsberg fielen sämtliche Tore vor der Pause. Als absolutes Chancenfiasko erwies sich das Heimspiel gegen Lohre/Niedervorschütz (0:2). Es offenbarte die Offensivproblematik des Stammduos im Sturm: Daniel Kinzel entschloss sich in der Regel zu spät, wenn überhaupt zum Abschluss und Tim Bialuschewski verpasste oft den Ball in Tornähe oder schloss zu unplatziert ab.
Von der Taktik der „Ersten“ mit einer Spitze und drei offensiven Mittelfeldspielern, die in der Rückrunde der Vorsaison so gut eingeschlagen hatte, hatte sich Pragmatiker Beckmann schon zuvor verabschiedet. Ohne die vollzählige Troika André Bröhland, Raphael Leibfacher und Bialuschewski hing die Einzelspitze zu sehr in der Luft. Mit dem eigenwilligen Bröhland, der nur im ersten Saisondrittel zur Verfügung stand und danach an einer Fußverletzung laborierte, fehlte der konstanteste Angreifer der letzten Jahre über einen langen Zeitraum.
Der Erfolg kam, so scheint es, mit dem Kunstrasen. Dank der Siege über Altenlotheim (4:1), Rengershausen (4:3) und Rhoden (3:0) gelang der Sprung auf die Relegationsplätze. Beckmann will diese „Dreier“ aber nicht an den für einige Gegner ungewohnten Platzverhältnissen festmachen, sondern zieht die Teamentwicklung als Erklärung vor: „In der zweiten Hälfte der Saison hat die Mannschaft mehr an sich geglaubt, deshalb war es auch möglich, das Spiel gegen Rengershausen zu drehen.“ Vorher dagegen seien gute Spiele „nicht belohnt“ worden, trauert Beckmann etlichen knappen Niederlagen nach.
„Aber schon bei den Auftritten in Gilsa, Körle oder Wolfhagen war ein deutlicher Aufwärtstrend zu sehen.“ Der Trainer ist deshalb davon überzeugt, dass der Aufwärtstrend anhält, nicht nur wegen der drei Heimsiege in Folge. Folglich spricht er auch weniger vom Klassenerhalt, sondern von den Aufgaben für die Restrunde, mit der die Erfolgsgeschichte auch nach der Winterpause fortgeschrieben werden soll: „Wir werden daran arbeiten, dass sich die Mannschaft weiter festigt.
Ich will in Zusammenarbeit mit Kapitän Patrick Voß an der Integration der A-Jugendlichen arbeiten, die viel zum Aufschwung beigetragen haben.“ Die nächste Generation aus der hervorragenden Jugendarbeit soll auch über die Förderung des Konkurrenzkampfs zusätzliche Leistungsanreize setzen. Eine gute Handvoll A-Junioren hat schon Gruppenliga-Partien in den Beinen – und mit dazu beigetragen, dass Korbach bisher schon 38 Spieler eingesetzt hat. Ein Rekordwert. Mit Rainer Schramme steht Beckmanns Nachfolger schon fest, Motivationsprobleme befürchtet der scheidende Coach deswegen nicht: „Ich bin immer im Verein gewesen und gehöre auch nächste Saison als Torwarttrainer zum Team.“