Mario Nordmeier (Korbach) setzt sich gegen Steffen Fingerhut (Twistetal) durch, rechts André Wittmer, links Daniel Krouh. Eine Szene vom Vorbereitungsturnier in Korbach. Foto: oh
Vom Aufstieg der Männer wollen die Verantwortlichen bei der HSG Twistetal nicht reden. „Das Wort Aufstieg nehmen wir nicht in den Mund. Wir wollen keinen Druck aufbauen“, sagt Holger Schmidt. Wie der Vereinsvorsitzende vermeidet es auch Trainer Dirk Wetekam, den Sprung in die fünfthöchste Spielklasse als Saisonziel auszugeben.
Zu frisch sind den beiden Entscheidungsträgern noch die Erinnerungen an die vergangene Spielzeit, vor der der damalige Coach Frank Schmidt „Platz eins oder zwei“ als Zielsetzung ausgegeben hatte, bevor er nach einem missglückten Start mit 7:7-Punkten nach sieben Spielen von seinem Amt zurücktrat. Unter dessen Nachfolger, dem vorherigen Co-Trainer Oliver Grötecke, belegte die HSG am Ende den vierten Rang.
Nach dem Aufstieg des unangefochtenen Spitzenreiters, der HSG Zwehren/Kassel, sieht Wetekam die vor den Twistetalern platzierten Teams aus Lohfelden/Vollmarshausen und Baunatal als Favoriten für den Platz an der Sonne an. Wie Schmidt, „wir schielen schon nach oben“, gibt der Berndorfer zu, dass er sich im Titelrennen einiges ausrechnet. „Es gibt in dieser Saison keine Übermannschaft mehr wie dies zuletzt Zwehren war. Wir brauchen uns vor keinem Team zu verstecken. Wir wollen versuchen unsere jungen Leute weiterzuentwickeln und oben mitzuspielen“, sagt der Coach, der „besser als Platz vier“ abschneiden möchte.
Backhaus: Es wird schwer
Nichts mit dem Abstieg zu tun haben und im sicheren Mittelfeld landen – das Saisonziel der Korbacher Handballer hat sich auch in diesem Jahr nicht geändert. Platz fünf bis sieben hat Trainer Stefan Backhaus als Marschroute vorgegeben, in der vergangenen Spielzeit landeten die Kreisstädter auf Rang fünf.
Allerdings mahnt der Trainer auch ein wenig das Umfeld: „Es wird für uns eine schwierige Saison.“ Schwierig vor allem deshalb, weil die Korbacher auf zwei bisherige Stützen verzichten müssen. Marko Markovic kehrte nach Külte zurück, seine individuelle Stärke wird dem TSV in kniffligen Situationen mit Sicherheit fehlen.
Immerhin konnte nach dem Wechsel von Markovic Anfang Mai der bereits verabschiedete Björn Tönepöhl von den Verantwortlichen doch noch zum Bleiben überredet werden. „Das war wichtig“, urteilt auch der Trainer. Die zweite Stütze, die vorerst fehlen wird, ist Peter Louzensky. Der Kreisläufer wird nach seiner komplizierten Handverletzung frühestens im Februar zurück erwartet. Für Backhaus ein schwerer Verlust. „Unser Spiel war in den vergangenen Jahren sehr kreisläuferlastig.“ Kein Wunder, denn für Backhaus ist Louzensky der „beste Kreisläufer in der Bezirksoberliga“.
HSG-Frauen: Auswärts stärker werden
Auch durch die Verpflichtung der Korbacher Torhüterin Katharina Wieck hofft die HSG Twistetal nach Rang sechs in der Vorsaison in der Landesliga Nord auf eine ähnliche Platzierung. Dazu muss man sich wohl auswärts verbessern. Ganze fünf Punkte gaben die Handballerinnen in der vergangenen Saison zu Hause ab. Mit 15 Zählern gehörte das Team von Spielertrainerin Andrea Hartmann zu den heimstärksten Mannschaften der Liga.
So imponierend die Heimstärke der Twistetalerinnen in der heimischen Mehrzweckhalle Mühlhausen war, so ernüchternd war das Abschneiden des Sechsten der Vorsaison in fremder Umgebung. Nur bei Absteiger Hoof/Sand/Wolfhagen (25:17) und bei der mittlerweile zurückgezogenen HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim II (28:27) konnte die HSG gewinnen.
„Für uns Twistetaler ist die Auswärtsschwäche Kopfsache. Das muss psychologische Gründe haben“, sagt Andrea Hartmann. „Bei uns zu Hause hat die Halle schon ein besonderes Flair, wenn die Zuschauer da dicht dranstehen“, sagt die Spielertrainerin und gibt zu, dass sich ihre Mannschaft zu Hause „vor 150 Leuten“ besser motivieren kann, „als wenn wir im Kasseler Bereich vor nur 30 Zuschauern spielen“.
Zusammenhalt als Pfund
Einmal dem Abstieg nur am grünen Tisch entgangen, zuletzt mit Ach und Krach den Klassenerhalt geschafft – da ist es kein Wunder, dass die Korbacher Handballerinnen auch in der kommenden Saison wieder den Blick nach unten richten müssen. Die neue Trainerin Astrid Spohr hatte im Vorfeld einiges zu tun. Daniela Hiller und Katharina Wieck schlossen sich der HSG Twistetal an, schon während der vergangenen Saison musste der TSV einige unzufriedene Spielerinnen an den Lokalrivalen abgeben.
Entstanden in Korbach ist eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung. Spohr überredete mit Anna Dzillak (Tor) und Linksaußen Melanie von Hanxleden zwei Spielerinnen, wieder ins Training einzusteigen, die übrigen hielten dem TSV die Treue. Zwar ist der Kader klein und einige Spielerinnen sind nicht immer einsetzbar – dafür ist sich die Trainerin sicher: „Ich kann mich auf jede Einzelne verlassen.“
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