Wiedersehen nach dreieinhalb Wochen. Beim 2:2 im Hinspiel gab es wenig brisante Szenen, hier ist der Willinger Andreas Klassen (rechts) mit Markus Mühlenbächer zusammengestoßen, jetzt erwartet Korbachs Trainer Tobias Cramer mehr Derbystimmung.
Auch Anfang der Woche ist bei den Willingern die schwere Verletzung von Christoph Keindl aus dem Lehnerz-Spiel, ein Bruch der Stirnhöhlenvorderwand, noch das beherrschende Thema. „Das trübt doch die Vorfreude aufs Derby erheblich“, sagt Ulrich Schwalenstöcker. Keindl wird am Donnerstag in Kassel operiert. „Christoph hätte gut zu Chrissie gepasst“, meint Schwalenstöcker, „das wäre ein interessantes Duell geworden.“ Osterhold hatte im ersten Derby vor dreieinhalb Wochen noch seine Sperre abgesessen, jetzt hat sich sein Bruder Jan-Hendrik mit „Rot“ in Dörnberg um das aus dem November vorgezogene Rückspiel gebracht.
Während Keindl länger ausfällt, kehren Klassen, Lohmann, Trachte und auch Torwart Engelhardt nach seinem Fingerbruch („ich denke, er wird spielen“) in den Kader zurück. Fehlen werden weiter Consti Kesper und Tesfu. Der SCW baut auf die Leistung beim 1:4 in Lehnerz, als man die erste Hälfte ausgeglichen gestaltete und bis zur 75. Minute ein 1:1 hielt. „Wenn wir wieder das Tempo mitbringen, dazu die entsprechende Einsatzfreude zeigen, dann bekommen wir unsere Chancen“, sind sich Schwalenstöcker und sein Trainerkollege Bernd Keindl einig. Und die Defensive soll kompakt stehen, dazu müssen alle Akteure beim Ballverlust aber schnell hinter den Ball kommen. Vermutlich wird Klassen wie schon im ersten Derby auf der Sechserposition agieren, damals ersetzte er den Urlauber Marco Buhl.
Mit dem Ausfall von Jan-Hendrik Osterhold muss auch Gegenüber Tobias Cramer vor der Abwehr umbauen, die Rolle neben Mathias Rösner könnten Jonas Will oder Benni Wendel, der ebenso wie Daniel Kinzel aus dem Urlaub zurück ist, besetzen. Gesund gemeldet hat sich Banner, spielen möchte auch der zuletzt angeschlagen fehlende Trainer-Bruder Lukas. Aber Cramer wird wohl auf ihn verzichten, denn der 22-Jährige fliegt am nächsten Tag nach Miami, um dort an der Uni Fußball zu spielen und Wirtschaft zu studieren.
„Personal ist rar gesät“, fasst es Tobias Cramer mit Blick auf den Qualitätsverlust bei beiden Kontrahenten zusammen. Gleichwohl geht er das Derby selbstbewusst an, zuletzt zwölf von zwölf möglichen Punkten geben prächtig Rückenwind. „Es hieß immer, Korbach kann die wichtigen Spiele nicht gewinnen – aber das haben wir grad in Dörnberg getan“, spricht der TSV/FC-Coach beim 3:1 von einem Sieg in einem „Tendenzspiel“. Weil sich seine Elf damit wieder ins obere Tabellendrittel geschoben hat, „sich wieder in der Verbandsliga etabliert hat“. Das gelte es aber, warnt Cramer, mit harter Arbeit im Training und entsprechender Einstellung im Spiel zu verteidigen.
Schwalenstöcker ist die schnelle Genesung des Korbacher Spiels auch nicht verborgen geblieben, sieht er die Vorzeichen gegenüber dem ersten Duell schlichtweg umgekehrt. Da war seine Elf nach dem Husarenstreich gegen Hünfeld selbstbewusst, die Korbacher verunsichert. „Ihre zögerliche Spielweise kam uns da grad recht.“ Cramer wollte aber schlichtweg nicht ins offene Messer laufen. „Denn wenn die mit Tempo etwa über die Außen Max Ullbrich und Daniel Butterweck kommen, dann haben die Willinger eine gute Qualität.“
Die Upländer hatten damals die drei Zähler aus dem Hünfeld-Spiel auf dem Konto, die Kreisstädter nur einen, jetzt reisen sie mit satten 14 Punkten an – doppelte so viele, wie der SCW hat. Kein Wunder, dass Schwalenstöcker mutmaßt, „nach den vier Siegen in Folge triefen die doch jetzt vor Selbstvertrauen“.
Tobias Cramer nimmt das Wortduell nicht direkt auf, verspricht aber, „wir werden natürlich mutiger agieren, keine Frage“. Überhaupt erwartet er nicht so einen Freundschaftsspiel-Charakter wie kürzlich in Korbach. „Dafür sorgt schon das enge Ambiente im Hoppecketalstadion.“ Dazu bedarf es aber auch einer entsprechenen Kulisse. Das erste Duell um die Waldecker Vorherrschaft auf der Hauer sahen immerhin gut 600 Zuschauer.
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