Heuhotel und Hofcafé sollten eigentlich zweites wirtschaftliches Standbein für einen Milchviehbetrieb werden – 15. September ist Zwangsversteigerung im Amtsgericht Fritzlar.Foto: Höhne
Der Verkehrswert des 1947 erbauten Gebäudes wurde auf 140 000 Euro festgesetzt für die Zwangsversteigerung am Mittwoch, 15. September, im Amtsgericht Fritzlar. Nach der Jahrtausendwende wurde die bislang landwirtschaftlich genutzte Scheune umgebaut zum Heuhotel mit Hofcafé. Die Entwicklungsgruppe Region Kellerwald förderte das Projekt damals mit der Höchstsumme von 50 000 Euro, umgesetzt wurde es in 2001/2003. Die Voraussetzungen für den neuen Tourismusbetrieb an der Eder waren aus Sicht von Lisa Küpper, Geschäftsführerin des Kellerwaldvereins, geradezu ideal. „Es ist eine Top-Lage an der Schnittstelle zwischen Edersee und Sperrmauer“, skizziert sie. Heuhotel und Café in der Bringhäuser Straße sollten dem damaligen Milchviehbetrieb ein zusätzliches Standbein sichern. Offenbar durch betriebswirtschaftliche Fehler ist der Betrieb aber seit einiger Zeit in Schieflage geraten, die Immobilie kommt im Fritzlarer Amtsgericht „unter den Hammer“. Laut Küpper besteht eine 15-jährige Zweckbindungsfrist. Heißt im Klartext: Sollte der neue Erwerber die Gastronomie nicht weiterführen, müsste der Zuschuss des Kellerwaldvereins anteilig zurückgezahlt werden. „Wir hoffen sehr, dass sich ein Käufer findet, der Hotel und Café auch nutzt“, deutet Küpper auf Vorteile durch den nahen Urwaldsteig und weitere touristische Highlights am Edersee. Insbesondere die Zusammenarbeit mit National- und Naturpark biete Perspektiven, um Betriebe zukunftsfähig aufzustellen. „Dieses Jahr ist es am Edersee super gelaufen“, hat Küpper bei vielen Gesprächen mit heimischen Leistungsträgern erfahren. Ausschlaggebend war dafür sicher auch der tropisch-heiße Sommer. Gäste wollten allerdings mehr als nur ein Übernachtungsquartier. Wer beispielsweise Urlauber bei Radausflügen oder Wanderungen berate oder selbst mit Programmen aktiv werde, habe meist gute Chancen am Markt.
Eine Klage will er vermeiden, die angebotene Pauschal-Entschädigung von 11.000 Euro hält er aber nicht in jedem Fall für angemessen: Anwalt Andreas Widmann vertritt deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffs, das vor einem Monat in Italien verunglückte. mehr