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Bad Wildungen/Bad Homburg

„Bei Wicker zu arbeiten ist Luxus“

Bad Wildungen/Bad Homburg (mko). Rund 500 Mitarbeiter von Wicker-Kliniken aus ganz Hessen hatten am Mittwoch die Arbeit niedergelegt und demonstrierten in Bad Homburg für gerechte Löhne. Auch in Bad Wildungen wurde gestreikt.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten protestierten 500 Mitarbeiter von Wicker-Kliniken aus ganz Hessen für gerechten Lohn. Im Bild der Protestmarsch durch Bad Homburg

© Reichwein

Vor der Klinik in der Bad Wildunger Fürst-Friedrich-Straße demonstrieren Mitarbeiter für gerechten Lohn. Stunden später trafen sich Beschäftigte der Hardtwaldklinik I und II sowie der Neurologischen Akutklinik in Bad Zwesten, der Habichtswaldklinik in Kassel, der Wicker-Kliniken in Bad Homburg und Bad Wildungen zu lautstarkem Protest in Bad Homburg. Normalerweise geht es in und rund um die Wicker-Klinik in der Promenade der südhessischen Kurstadt ruhig zu. Schließlich werden dort auch Reha-Patienten behandelt. Gestern jedoch tanzte rund um den Klinik-Turm der Bär – es wurde gestreikt.

„Herr Wicker zahlt nicht Tarif und ist auch nicht bereit, in Tarifverhandlungen einzusteigen“, erklärte Fabian Rehm von der Gewerkschaft verdi das Dilemma. Zunächst habe Wicker angeboten, 2015 in Verhandlungen einzusteigen, zuletzt bot er einen Termin Ende 2013 an. Lediglich Sondierungsgespräche hätten bislang stattgefunden. Diese Weigerung, sich an einen Tisch zu setzen, sei auch der Grund für den Streik, so Rehm weiter: „Wir wollen jetzt verhandeln!“ Auch die Betriebsratsvorsitzende der Homburger Klinik, Stefanie Löhnes, fordert Werner Wicker auf, schnell in Tarifverhandlungen einzutreten. „Schlechte Arbeitsbedingungen und schlechter Lohn, so kann es nicht weitergehen“, sagte Löhnes. Allerdings befürchtet sie, dass Wicker versuchen wird, das Problem auszusitzen.

Zurzeit sei die Bezahlung an den Wicker-Kliniken sehr schlecht, sagt eine 56-jährige Stationskraft. Bei einer 38,5-Stunden-Woche blieben ihr am Monatsende gerade mal 1300 Euro übrig. „Das sind im Jahr 10 000 Euro weniger als Krankenschwestern in einer öffentlichen Klinik bekommen“, sagt die frustrierte Mitarbeiterin, während ihre Kollegin ein Schild mit der Aufschrift „Wir sind arbeitende Hartz-IV-Empfänger“ vor sich her trägt. Auch Neuropsychologe Thomas Kistner (48) ist sauer: „Bei Wicker zu arbeiten ist Luxus, viele meiner Kollegen brauchen mehrere Nebentätigkeiten, um sich über Wasser zu halten.“ Die Stimmung im Haus sei angespannt, aber kämpferisch. „Wicker verschaukelt uns“, sagt Kistner. Übrigens: Die Stations- und Oberärzte erklärten sich mit den Streikenden solidarisch.

Vonseiten des Arbeitgebers verweist man derweil auf Betriebsvereinbarungen, die man mit den einzelnen Betriebsräten der Kliniken abgeschlossen habe. Darin seien diverse Einmalzahlungen und ein Verfahren zur prozentualen Erhöhung der Gehälter vereinbart worden. Die für August 2013 vereinbarte Gehaltserhöhung erfolge auf Grundlage der durchschnittlichen Pflegesatzerhöhungen in den Jahren 2011, 2012 und 2013. Der Geschäftsführer der Wicker-Gruppe, Dr. Karl-Heinz Vornholt, weist zudem auf die schwierige Situation der Reha-Kliniken hin. So könnten die seit Jahren ständig steigenden Kosten nicht durch entsprechend steigende Pflegesätze gedeckt werden.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 3. November


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