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Adorf

Apotheker beweist guten Geschmack

Wenn Apotheker Dr. Ulrich Seidel durch den Wald schlendert, genießt er nicht nur die Schönheit seiner Diemelseer Heimat. Mit geschärftem Blick nimmt der Adorfer die Pflanzenwelt ins Visier, sucht frische Zutaten für seine selbst hergestellten Spezialitäten. Senf, Magenbitter und -elixiere, Verdauungswein, Lutschpastillen, Curry und verschiedene Gewürzmischungen gehören neben Medikamenten und Drogerieartikeln zum Sortiment der 150 Jahre alten Adorfer Apotheke - und zu den Leidenschaften des 60-jährigen Pharmazeuten.
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Alte Rezepte und neue Ideen: Um Anregungen für seine eigenen Gewürz- und Likörmischungen zu bekommen, stöbert der Adorfer Apotheker Dr. Ulrich Seidel liebend gern in historischer Fachliteratur, wie diesem Kräuterbuch aus dem Jahr 1535 mit handkolorierten Kupferstichen von Pflanzen und den Tieren. (Foto: nv)

Mehr als Salben und Säfte: Dr. Ulrich Seidel gewährt Einblick in Spezialitäten-Sortiment

Diemelseer Delikatessen: Senf, Curry, Gewürzmischungen, Magenbitter und -elixire sowie Verdauungs-Weine aus eigener Herstellung gehören zum Spezialitäten-Sortiment der Adorfer Apotheke.Schon während des Studiums in Würzburg und Marburg interessierte sich der gebürtige Vogtländer für weit mehr als die zunehmend technisierte Herstellung von Salben und Säften. Er streifte durch Bibliotheken und Antiquariate und hielt nach historischen Fachbüchern Ausschau, um manch alt hergebrachte Rezeptur selbst auszuprobieren. "Die Herstellung von Senf oder Elixieren war für einen Apotheker früher nicht ungewöhnlich, sie gehörte zur Arbeit", berichtet Seidel. "Selbst Schuhcreme, Seife und Backpulver gehörten zum Sortiment. Dr. Oetker war schließlich auch Apotheker."
Seine Privatsammlung alter Arznei-Bücher ist seit der Studienzeit beträchtlich gewachsen. Im Obergeschoss des schmucken Fachwerkhauses in der Adorfer Ortsmitte reiht sich Werk an Werk. Behutsam sieht der Apotheker einige Exemplare aus dem Regal. Liebend gern stöbert er zum Beispiel in einem Kräuterbuch aus dem Jahr 1535. Handkolorierte Kupferstiche zeigen Tiere und Pflanzen, zum Beispiel den Aronstab, Rosen und Hafer. In altdeutscher Schrift steht geschrieben, wie ihre Bestandteile für medizinische Zwecke verwandt werden können.

Besonders stolz ist der Experte auf seine "Pharmacopoiea von Augsburg" - ein echter Schatz für Spezialisten. Die Nacharbeitung einiger für ihn völlig neuer Elixiere juckt Seidel bereits in den Fingern. Nicht weniger spannend, aber zur erneuten Herstellung wohl kaum geeignet, sind die Hausrezepte aus dem Büchlein "Ägyptische Geheimnisse für Mensch und Vieh". "Sie scheinen teilweise ganz nützlich, sind häufig aber mit Magie versetzt", erklärt Seidel. Im Waldecker Land sei ihr Gebrauch allerdings in früheren Zeiten an der Tagesordnung gewesen.

Trotz aller Faszination für die Vergangenheit lebt der Pharmazeut aber im Hier und Jetzt. So nutzt er die Lektüre zwar als Anregung und greift immer wieder Komponenten aus alten Rezepten auf, aber den endgültigen Geschmack verleiht der Adorfer seinen Spezialitäten selbst. "In geringen Mengen sammele ich die Zutaten in den heimischen Wäldern", verrät er. "In Diemelsee gibt es viele interessante Pflanzen, beispielsweise verschiedene Minzsorten." Darüber hinaus bezieht Seidel edle Gewürze oder Likörweine von Spezialanbietern, die entweder in Deutschland selbst produzieren oder ausländische Ware weiterverarbeiten.

Die eigens verlesene Minze trägt dazu bei, dem "Magenelixier Aqua Vitae" - lateinisch "Elixier stomachica" - seine wohltuende Wirkung zu verleihen. Auszüge von Anis, Salbei, Angelica und anderen Pflanzen kommen ebenso hinzu, damit sich nach dem Essen im Magen Wohlbehagen ausbreiten kann. Die gelb oszillierende Farbe lockt und verführt zum Probieren. Aber Vorsicht, bei den Destillaten handelt es sich trotz des süßlichen Geschmacks um hochprozentige Mischungen, die zum medizinischen Gebrauch bestimmt sind.


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