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Bloßenbergroute

Wo der Edersee noch unberührt wirkt

Waldeck-Frankenberg (resa). Ein idyllischer Blick auf den Edersee, Kletterpfade und Bachläufe, die übersprungen werden wollen: Die Wanderwege im und rund um den Nationalpark haben viel zu bieten. WLZ-FZ stellen jeden Feriensamstag eine Tour vor. Heute: die Bloßenbergroute.
© Theresa Demski

Vorsichtig zieht Ulrika Zeunert ihre Socken über die Hosenbeine. „Hier lauern überall Zecken“, sagt die Wanderführerin. Und sie muss es wissen, denn sie kennt den Nationalpark wie ihre Westentasche. Eine der schönsten Wanderrouten im Nationalpark hat sie sich heute für die Familienwanderung ausgesucht. „Denn am Bloßenberg präsentiert sich der Park in seiner ganzen Vielfalt“, schwärmt sie. Startpunkt des Rundwanderweges ist am Parkplatz „Kirchweg“, der über Bringhausen liegt und der im Ort frühzeitig auf dunklen Holztafeln ausgeschildert ist. Der Parkplatz ist das Tor zum Nationalpark – und das im wörtlichen Sinne. Denn die Zäune des alten Wildtierschutzgebietes stehen hier noch, die Tore allerdings sind geöffnet und führen den Wanderer entlang wilder Wiesen in den Wald.

„Abends kann man hier die Hirsche rufen hören“, sagt Ulrika Zeunert, „denn obwohl man es als Wanderer am Tage selten sieht, ist das Wild da.“ Der Kastanienriese am Wiesenrand gilt als beliebte Futterstelle. Auf einem steilen, schmalen Weg geht es dann auf der ausgeschilderten Bloßenbergroute­ in den Wald bergab. „Die alten Schilder müssen die Wanderer ignorieren, die Wege gibt es längst nicht mehr“, sagt die Wanderführerin. Stattdessen gilt das Blumensymbol auf dem Holzpfeiler (Foto). Und dann ist genaues Hinsehen gefragt: Am Rand steht ein Meer aus heimischem Springkraut, dessen Blüten zu explodieren scheinen, wenn man auf die Kapseln drückt. Eine Wanze hat es sich auf einem Baumstamm gemütlich gemacht und der Zunderschwamm an den Bäumen sorgt für ein eigenartiges Erscheinungsbild.

Zur ersten kleinen Rast lädt dann eine Schutzhütte am Fuße des Berges ein. Ein Blick in das Dachgebälk lohnt sich, denn immer mal wieder verstecken sich hier tagsüber kleine Zwergfledermäuse. Von hier aus offenbart der Wald auch einen Blick auf verfallene Nadelbäume. „Da ist unser Waldarbeiter, der Borkenkäfer, am Werk“, erklärt Zeunert, „er macht Platz für heimische Gewächse.“ Eingegriffen nämlich wird in die Natur im Nationalpark nur ganz vorsichtig. „Und deshalb dürfen auch Wanderer weder Stein noch Blume mitnehmen“, betont die Wanderführerin. Ganz einfach ist das nicht immer: denn selten blühen Margeriten, Malven und Johanniskraut so reichlich und schön wie am Rande des Nationalparks. Weiter führt der Weg zum äußersten Ende dieses Edersee-Abschnitts. Viel Wasser gibt es dort in diesen Tagen nicht zu sehen, aber auch der dünne Bachlauf, der trockene Boden, Schlick und Schlamm und der immer grüner werdende Seeboden haben ihren Reiz.

Weiter geht es rund einen Kilometer am See entlang. Hier entdecken aufmerksame Wanderer einsame Parasole am Wegesrand und schließlich die seltenen Pfingstnelken, für die die Bloßenbergroute bekannt ist. Ein Straßenschild, das auf Wanderwegen eher selten ist und vor Steinschlag warnt, kündigt die Schieferwand an. „Die Nelken existieren hier seit rund 60 000 Jahren“, erzählt Ulrika Zeunert von dem ungeheuren Wert der seltenen, uralten Pflanzen. Vor allem auf dem rund 40 bis 50 Grad heißen Felsen würden sich die Pfingstnelken wohlfühlen und finden lassen. Von hier aus offenbart sich dann auch der Blick auf das friedlichste Stück Edersee zwischen Bloßen- und Winselberg. „Das Banfetal ist so ruhig, weil hier weder Campingplätze noch Ortschaften in der Nähe sind“, schwärmt die Wanderführerin und erzählt die Geschichte zweier Riesen, die sich von Ufer zu Ufer die Steine zuwarfen und so das felsige Banfetal schufen.

Keine hundert Meter weiter wird der Begriff Weltnaturerbe­ dann lebendig: Hainbuchen und Rotbuchen, die teils schon fast 200 Jahre auf dem Buckel haben, stehen am Wegesrand, erzählen Geschichten und spielen mit den Sonnenstrahlen. „Hier können Herzbilder entstehen“, sagt Ulrika Zeunert und lässt die Kinder mit bunter Wachsmalkreide über weißes Papier malen, das sie auf die starken Baumrinden legen. Eine willkommene Pause vor einem steilen Anstieg: Anschließend nämlich geht es über Wurzeln und Steine wieder bergauf. Ein breiter, aber noch trockener Bachlauf will übersprungen werden, bevor die Route für einige Hundert Meter aus dem Nationalpark hinausführt und einen Blick auf Schloss Wal­deck eröffnet. Wilde Himbeeren am Wegesrand belohnen für den anstrengenden Aufstieg und am Hutewald vorbei führt der Weg zurück zum Parkplatz – wer noch Zeit und Muße hat, kann am Ende einen Abstecher zum Christianseck machen, wo sich ein weiterer atemberaubender Ausblick in den Nationalpark eröffnet.

Eine Bildergalerie finden Sie hier.


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