Rudolf Müller und sein erstes Auto: Mit dem DKW aus dem Jahr 1934 machte er sich auf den Weg zu seinen Tanzschülern. (Foto: Archiv)
Seit 1946 war Rudolf Müller im gesamten Frankenberger Umland in seiner Funktion als Tanzlehrer unterwegs, zunächst mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad. 1949 legte er sich seinen ersten motorisierten Untersatz zu: ein Motorrad NSU Quick mit 92 Kubikzentimetern.
Immer weitere Strecken und Fahrten bei Regen, Schnee und Wind ließen in Rudolf Müller den Wunsch nach einem eigenen Auto wachsen. Also kaufte er sich 1951 für 400 D-Mark ein dunkelblaues DKW Cabriolet, Baujahr 1934, das er in Raten abbezahlte.
Alle Autos heißen „Max“
In den folgenden Monaten investierte er weitere 1500 Mark, damit das Auto überhaupt fahrtüchtig wurde. Für den Tanzlehrer eine lohnende Investition: Noch heute denkt er gern an die Zeit mit seinem ersten „Max“ zurück. „Den Namen verdankte der Wagen einer meiner Kolleginnen“, erinnert sich Rudolf Müller. „Als sie das Auto auf einer Tagung in Bad Kissingen zum ersten Mal sah, nannte sie es spontan Max“. Diesen Beinamen tragen bis heute alle Autos von Rudolf Müller. Mittlerweile fährt er „Max den Neunten“.
Zwei Erlebnisse mit „Max I.“ bringen ihn immer wieder zum Schmunzeln: „Als man damals den Führerschein machte, musste man noch keine Nachtfahrten absolvieren“, erzählte der heute 83-Jährige. „Bei meiner ersten Fahrt im Dunkeln landete ich vor Battenfeld im Graben.“ Ein Bauer, dessen Hof am Ortsrand gelegen war, kam zu Hilfe: Mit einem Pferd zog er den Wagen heraus. Am folgenden Tag holte Heinrich Maurer, Autohändler aus Frankenberg, mit einem Gesellen den Unfallwagen ab. Leider fuhr der Geselle zu schnell und so endete das Auto zum zweiten Mal in 48 Stunden in einem Graben. Die nötigen Reparaturen übernahm übrigens Schreiner Karl Wicha – schließlich war die Karosserie aus Holz. Entlohnt hat ihn Rudolf Müller in Naturalien – mit seinem alten Motorrad, der NSU Quick.
Ein anderes Mal bewies der ehemalige Tanzlehrer Improvisationstalent. Auf einer Fahrt über die Sackpfeife nach Biedenkopf versagte der Kühler des DKW. Während Rudolf Müller überlegte, wo er die nötige Flüssigkeit herbekommen sollte, kam ihm ein natürliches Bedürfnis gerade recht: „Auf Zehenspitzen versuchte ich, Brandwunden zu vermeiden. Schließlich wollte ich später noch eine Familie gründen“, erläutert der Frankenberger mit einem Schmunzeln. Zusammen mit Wasser, das er aus einem Bach holte, war das Problem gelöst. Dafür benutzte er die Fußschalen aus dem Wagen. „Die waren als Ablagefläche für die Füße an der hinteren Sitzbank angeschraubt“, erklärt Rudolf Müller, „einen Unterboden hatte der DKW ja nicht.“ Nach der buchstäblich notdürftigen Reparatur konnte die Fahrt weitergehen.
1,5 Millionen Kilometer
Zwei Jahre nach diesem Vorfall verkaufte er seinen Wagen nach Sachsenhausen weiter. „In 50 Jahren Berufsleben“, überschlägt Rudolf Müller, „bin ich insgesamt etwa 1,5 Millionen Kilometer gefahren“ – 30 000 Kilometer im Jahr. Er ist Mitglied im ADAC und nimmt bis heute jedes Jahr an Seminaren für ältere Fahrer teil.
Hintergrund
DKW
(kp). Gründer der Marke DKW war der Däne Jörgen Skafte Rasmussen. Während des Ersten Weltkrieges beschäftigte er sich im Heeresauftrag mit dampfbetriebenen Straßenfahrzeugen. Sie erhielten das Kürzel „DKW“, stehend für „Dampf-Kraft-Wagen“. Eine zweite Übersetzung, „Des Knaben Wunsch“ verdankte DKW der Produktion eines Spielzeugmotors. 1921 kam mit dem Werbespruch „Das Kleine Wunder – läuft Berge rauf wie andere runter“ eine dritte Besetzung des Firmenkürzels hinzu. Vermarktet wurde ein Fahrrad-Hilfsmotor. 1928 lief der erste Personenkraftwagen vom Band. Ab 1931 wuchs der Erfolg durch die Verwendung von Zweizylindermotoren und Frontantrieb. DKW wurde 1932 Teil der Auto-Union und 1958 von Daimler-Benz übernommen. Im Besitz der VW AG wurde 1966 die Produktion eingestellt. Einzige Ausnahme war der DKW Munga – er wurde noch bis 1968 produziert.
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