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Stefan Lang-Primavera hat eine Hofraithe aus dem 18. Jahrhundert in Battenhausen beispielhaft saniert

„Es läuft immer anders als geplant“

Etwa zwei Jahre dauert es, bis ein durchschnittlich großes, altes Fachwerkhaus restauriert und umgebaut ist. Bei Stefan Lang-Primavera stellte das Wohnhaus allerdings erst den Anfang dar.
Hofraithe

Beispielhafte Sanierung: Die Hofraithe aus dem 18. Jahrhundert im Hainaer Ortsteil Battenhausen. In jahrelanger Arbeit hat Stefan Lang-Primavera die drei Gebäude saniert und restauriert. Foto: Andrea Pauly

Von Andrea Pauly

Haina-Battenhausen. Im Jahr 1995 begann er mit der Sanierung und dem Umbau der halb verfallenen Hofraithe, die er mit seiner damaligen Ehefrau für einen günstigen Preis gekauft hatte. Das Wohnhaus war das erste von drei Projekten: In dem Fachwerkgebäude, das vermutlich zwischen 1750 und 1800 erbaut wurde, befand sich zu diesem Zeitpunkt noch eine Gastwirtschaft – heute ist der einstige Gastraum das Wohnzimmer und wo früher die Gästetoiletten waren, ist nun die gemütliche Küche von Stefan Lang-Primavera eingerichtet.

Bei der Renovierung eines alten Hofes komme man an seine Belastungsgrenzen, räumt der 53-Jährige ein. Und: „Es läuft immer anders als geplant.“ Tausende Stunden Eigenleistung stecken in den drei Gebäuden der Hofraithe – und nicht wenige Überraschungen führten zu unerwartetem Mehraufwand. „Wenn man etwas abreißt, findet man immer mehr, das kaputt ist.“ Darauf müsse man sich einstellen, wenn man ein altes Gebäude wieder nutzbar machen wolle. Lang-Primavera hatte schon beim Kauf im Hinterkopf, wie das Gebäude einmal aussehen sollte – und das gab ihm den Ansporn.

Gut zwei Jahre dauerte es, aus dem Haupthaus ein gemütliches Zuhause zu machen: Teile des Fachwerks mussten erneuert werden, das Dach wurde abgedeckt, gesichert, neu isoliert und mit den alten Ziegeln wieder gedeckt. Zimmerdecken wurden eingerissen und neu gezogen, Balken ersetzt, eine Drainage gelegt und der Keller neu gemauert. Lang-Primavera musste Fenster und einen Teil der Türen austauschen und die Heizung und Sanitäranlagen erneuern lassen. Auch von außen bekam das Haus eine Runderneuerung. Rund 400 000 Mark flossen damals in die Sanierung und den Umbau des alten Wohnhauses.

Im Jahr 1999 richtete er in der ehemaligen Scheune seine Werkstatt ein. Dort schweißt und schmiedet er vor allem althergebrachte Formen, die er teilweise auch an Fenstern und Türen des eigenen Hofes verbaut hat.

Abriss stand zur Debatte

In den vergangenen Jahren investierte der Kunstschmied weitere 90 000 Euro in den Wiederaufbau des Stalls, der vermutlich um 1880 gebaut und später noch erweitert wurde. Das Gebäude war in einem so schlechten Zustand, dass zeitweise sogar ein Abriss zur Diskussion stand. „Dass es anders gekommen ist, ist umso schöner“, freut sich Denkmalpfleger Walter Schumann (siehe Kasten).

Denn der Kunstschmied entschied sich dagegen und ließ den Stall neu aufbauen: Nachträglich gebaute Mauern wurden eingerissen, Lang-Primavera trug die Wände bis auf den Boden ab.

Neue Fundamente für die Stützpfeiler wurden gesetzt, marode Balken gegen ein komplett neues Fachwerk ausgetauscht und mit den abgetragenen Bruchsteinen neue Mauern gebaut. Die Holzschindeln am Südwestgiebel wurden durch eine neue Holzverkleidung ersetzt. Stefan Lang-Primavera hat sich bei der Sanierung bewusst dazu entschieden, das dritte Gebäude so zu erhalten, dass es irgendwann auch wieder als Stall genutzt werden könnte. Lediglich beim neuen Fachwerk hat er darauf geachtet, dass man theoretisch auch eine Decke einziehen und im oberen Stock eine Wohnung einbauen könnte – damit auch die nächste Generation den Hof als Zuhause nutzen kann.


Ursprüngliches erkennen

Das sagt der Denkmalpfleger

Walter Schumann von der Denkmalpflege beim Landkreis Waldeck-Frankenberg war in der Zeit des Umbaus insgesamt dreimal in Battenhausen. Schnell merkte er, dass es mit Stefan Lang-Primavera keine großen Diskussionen geben würde: Der Kunstschmied wusste ganz offensichtlich, was er tut. Er legte Wert darauf, die Ursprünglichkeit zu erhalten. Heute sieht der Denkmalpfleger die Hofraithe in Battenhausen als ein beispielhaftes Sanierungsprojekt an. Einerseits ist das Ensemble selbst eine Besonderheit: „Ein solcher Hof ist in diesem Ort einzigartig“, sagt Schumann. Früher gab es weitere, ähnlich große Hofanlagen. Dort wurden im Lauf der Jahrzehnte jedoch einige Gebäude abgerissen. „Die Qualität des Hofes liegt auch in der Dreiseitigkeit, in dem geschlossenen Hofgefüge“, beschreibt Schumann. Von hohem Wert sei auch die Tatsache, dass die Gebäude in ihrer Funktion und im Detail im Bestand geblieben seien: Die ursprünglich vorgesehene Nutzung der Gebäude ist bis heute zu erkennen. Schumann hat beobachtet, dass sich die Einstellung zum Denkmalschutz geändert hat. „Vor allem jüngere Leute haben eine Sensibilität dafür entwickelt“, sagt der Denkmalpfleger. Dabei sei es wichtig, dass die Leute das Gefühl haben, von der Behörde unterstützt zu werden. (apa)


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