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Selbacher Jagdschloss verwandelt sich wieder in Schmuckstück · Hoffest an Himmelfahrt

Eine Reise in die Vergangenheit

Einst verbrachte der Fürst hier die Jagdsaison. Mit Familie Hol soll im Selbacher Jagdschloss nun wieder ein bisschen Glanz einziehen. Gemeinsam mit vielen Handwerkern und Experten verwandeln sie das alte Gebäude wieder in ein Schmuckstück – gleichzeitig machen sie sich auf Spurensuche.

„Wir haben uns sofort in dieses Schloss verliebt“, sagen René und Jeanette Hol, die das Selbacher Jagdschloss 2008 gekauft haben. Foto: pr

Von Theresa Demski

Waldeck - Selbach. Zuweilen fühlte sich Bauleiter Hermann Krane wie in einer Werkstatt vor hundert Jahren: Mit Naturmaterialien wie Lehm und Stroh hantierten die Handwerker im Selbacher Jagdschloss und verwandelten die alten Mauern in schmucke, zeitgemäße Räume, die gleichzeitig von der Vergangenheit erzählen. Manches ist schon geschafft, und Familie Hol hat es sich in ihrem kleinen Schlossanbau schon gemütlich gemacht – mit modernster Technik in uralten Mauern. Vieles bleibt aber noch zu tun.

Dachkonstruktion sichern

„Vor allem vier Projekte haben wir fest im Blick“, sagt Kreisdenkmalpfleger Walter Schumann. Dazu gehören die Dachkonstruktionen, das Energiekonzept, die Decken und die Fassade. „Das Kerngewerk ist das Dach“, sagt Schumann, „das hat jetzt erst mal Vorrang“. Vor allem die Feuchtigkeit hat dem Gebäude in den vergangenen Jahrhunderten zugesetzt, einzelne Hölzer sind völlig verfault. „Die Kräfte aus dem Dach müssen in das Mauerwerk abgeleitet werden“, erklärt Zimmermann Heinz Arnold Wachs. Entstandene Lücken müssen ergänzt, schadhafte Hölzer ausgetauscht werden.

Findiges Wärmekonzept

Und gleich danach wird sich dann die Frage der Dämmung stellen. „Das ist der zweite große Arbeitsschritt“, sagt Schumann. Denn nur die richtige Isolierung mache das Energiekonzept rund. Den größten Teil hat Familie Hol aber schon geschafft: Denn per Wärmepumpe wird die Bodenwärme aus dem Garten bereits in das Heizungssystem befördert und speist die Fußbodenheizung. „Die Fenster im Erdgeschoss sind schon alle nach zeitgemäßen Energiestandards erneuert worden“, erzählt René Hol. Die Dachmansarde soll nun mit Mineralwolle, Kokosfasermatte und Schafswolle gedämmt werden. „Fest steht, dass wir auf jeden Fall Naturmaterialien verwenden wollen“, sagt Hol, „denn die sind zeitlos“. Bleibt die Frage, ob von außen oder innen gedämmt wird. „Wir nehmen uns Zeit und finden eine individuelle Lösung für dieses Haus“, sagt Schumann. Das sei ohnehin die höchste Prämisse. Schließlich wolle man unbedingt die historischen Spuren des Hauses bewahren und gleichzeitig eine sinnvolle Nutzung ermöglichen. Zeitlos schön und langfristig nutzbar soll das Haus sein.

Historische Decken

Diese Herausforderung stellt sich auch beim dritten großen Komplex, der historischen Decken. „Als wir uns das Haus zum ersten Mal ansahen, hofften wir, dass sich unter den abgehangenen Decken historische Decken befinden würden“, sagt Hol. Die Hoffnung erfüllte sich in den Zimmern im Ergeschoss und in der Diele, warf aber auch neue Fragen auf. Wie weit sollten die Handwerker graben? Welche Decke käme unter der nächsten Schicht hervor? Und wie würde man damit umgehen? „Wir haben nun die Zwischendecken entfernt“, erzählt Hol, „und uns für die darunter liegende Schicht entschieden.“ Nun liegt es an Stuckateur Jochen Siebert, die vorhandenen Stuckornamente zu reparieren, sich mit Familie Hol auf eine neue Farbe zu einigen und die Decken dann wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Außenfassade erneuern

Und Jochen Siebert ist auch für die vierte große Frage im Hause Hol zuständig: Wie soll einmal die Außenfassade des Schlosses aussehen? Über die Farbe diskutieren Jeanette und René Hol noch schmunzelnd. Dafür wird ihnen auch noch etwas Zeit bleiben. Denn vorerst muss sich der Stuckateur um den Putz kümmern. Auch hier haben die Feuchtigkeit und das Salz im Wasser Spuren hinterlassen, der Putz fällt bis zwei Meter über dem Boden ab und hat keine Verbindung mehr zum Mauerwerk. „Also werden wir den Putz bis auf diese Höhe wohl abschlagen müssen“, sagt Siebert. Auch der Efeu wird weichen. „Das wird ein Feiertag für uns“, schmunzelt Jeanette Hol. Neuer Kalkmörtel soll dann dafür sorgen, dass die Bodenfeuchtigkeit künftig keine Chance mehr hat, die Außenfassade anzugreifen. „Im unteren Bereich werden wir Saniermörtel verwenden, der dank größerer Luftporen die Salze besser einlagern kann“, erklärt Siebert.

René und Jeanette Hol sehen den Arbeitsschritten ausgesprochen interessiert, aber gelassen entgegen. „Wir gehen Schritt für Schritt“, sagt das Paar. Und eines Tages wollen sie dann an dem idyllischen Platz in Selbach leben und arbeiten.

factbox 

Hoffest am Himmelfahrtstag

„Ein großes Fest auf dem Hof hat am Himmelfahrtstag Tradition“, weiß René Hol, der neue Eigentümer des Jagdschlosses Selbach. Und die will seine Familie auch künftig pflegen. Und so lädt Familie Hol gemeinsam mit der Selbacher Bürgergemeinschaft auch in diesem Jahr an Himmelfahrt, 2. Juni, zum Hoffest ein. Der Tag beginnt mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel um 10.30 Uhr. Danach werden wieder viele Spaziergänger erwartet, die das Selbacher Jagdschloss seit vielen Jahren zur Abschlussstation ihrer „Vatertagswanderung“ erkoren haben. Auch offizielle Vertreter wurden zum Himmelfahrtsfest eingeladen. (resa)


  „Immer nur den nächsten Schritt vor Augen führen“: Eigentümer Jeanette und René Hol.


  In Sachen Dachkonstruktion beraten Zimmermann Heinz Arnold Wachs und die Architekten Arno und Stephan Luck.


  Der alte Außenputz muss teilweise abgeschlagen werden, für den neuen Putz ist Stuckateur Jochen Siebert (r.) zuständig.


  Moderne Technik in alten Mauern: Familie Hol setzt auf Bodenwärme.


  Ein Teil ist bereits geschafft: Die Fenster im Erdgeschoss sind erneuert, ein Wohnbereich ist eingerichtet.





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