Christine und Bärbel Herguth stehen gemeinsam in der Küche: Christine erledigt das Abwiegen, Mischen und Vorbereiten, aber beim Kneten legt Bärbel Herguth selbst Hand an.
„Bist du sicher, dass du an alles gedacht hast?“ – Mama Bärbel blickt prüfend in die blaue Rührschüssel. Christine Herguth, 32 Jahre jung und Neuling in Sachen Stollen-backen, schaut sich um und nickt: „Ich glaube schon.“ Für die Adventsserie backt Christine, die seit Oktober Media-Beraterin bei der Frankenberger Zeitung ist, ihren ersten eigenen Stollen. Eigentlich ist die Berghöferin ein bekennender Fan von Backmischungen – das spart Zeit. Aber das gilt auch für das Stollen-Rezept ihrer verstorbenen Patentante Helga. Kein Wunder, dass er in der Familie Herguth zur Weihnachtszeit seit vielen Jahren sehr beliebt ist: Für den Stollen braucht man vergleichsweise wenige Zutaten (siehe Rezept unten) und wenig Zeit, da der Teig ohne Hefe auskommt.
Die Zubereitung ist ebenfalls unkompliziert: Zucker und Margarine schaumig schlagen, Eier und Magerquark dazugeben. Dann mit Schwung die kleinen Fläschchen mit Aroma über der Schüssel ausleeren. Dann wird Mehl mit Backpulver, Zucker, gehackten Mandeln und Rosinen vermischt. „Das muss alles gut verteilt sein, dann ist es auch nachher im Stollen überall gleichmäßig“, sagt Mama Herguth und beobachtet, wie ihre Tochter die trockenen Zutaten gründlich vermischt und dann portionsweise zu den anderen Zutaten gibt. Dabei braucht sie sich nicht zu sorgen: Christine hat schon so manchen gelungenen Rührkuchen gebacken. Nur Torten hat sie bisher noch nicht selbst gemacht.
Spontan überlegen die beiden Frauen zwischendurch, den Stollen noch schnell abzuwandeln: „Willst du Zitronat reintun?“, fragt Bärbel Herguth, und Christine fragt zurück: „Sind das die kleinen Gummidinger? Nee, iiiih, die mag ich nicht. Aber Marzipan-Rohmasse habe ich noch da!“ Sie verwirft den Gedanken aber wieder – der erste eigene Quarkstollen soll doch lieber schmecken wie der von der Patentante. „Das ist aber wenig Flüssigkeit“, sagt Christine zweifelnd, als alle Zutaten in der großen Schüssel vermischt sind. Sie hat aber alles richtig gemacht: Die Masse lässt sich zu einem weichen Teig formen, der einige Minuten lang gut geknetet werden muss. Das übernimmt Bärbel Herguth.
„Laut Rezept muss noch Arrak mit rein. Aber der schmeckt so komisch bitter, also lasse ich den immer weg“, erklärt sie, während sie den Teig mit bemehlten Händen auf der Arbeitsfläche hin und her drückt. Sie schmunzelt: „Wenn er nicht schmeckt: Du hast ihn gebacken“, sagt sie zu ihrer Tochter. Die ist schlagfertig: „Und du hast die Zutaten aufgeschrieben.“ Beide lachen vergnügt. Es hat keine halbe Stunde gedauert, und der Laib liegt fix und fertig auf dem Backblech. Die beiden schieben ihn in den vorgeheizten Ofen: Bei 175 Grad backt er eine halbe Stunde, dann noch mal eine halbe Stunde bei 200 Grad. Dann sollte die Kruste oben aufgebrochen sein und der Stollen eine goldbraune Farbe bekommen. Bei 150 Grad bleibt er dann noch so lange im Ofen, bis er an der dicksten Stelle gar ist – im Fall von Christines Erstlingswerk dauert es noch 20 Minuten. Sie testet mit einem langen Holzstäbchen, ob noch Teig daran kleben bleibt; wenn nicht, ist der Stollen fertig.
Nach dem Abkühlen wird der Stollen dick mit Puderzucker bestäubt. Wer mag, kann ihn vorher mit flüssiger Butter einpinseln. In Alufolie eingewickelt, hält er sich etwa zwei Wochen lang – jedenfalls theoretisch, sagt Bärbel Herguth. „So lange ist bei uns nämlich noch nie etwas davon übrig geblieben.“
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