„Trabbis“ rollen nach der Öffnung eines Teiles der deutsch-deutschen Grenze am Grenzübergang Rudolphstein in den Westen. Foto: dpa
Waldeck - Frankenberg. Es sind Bilder, die es nach dem Mauerfall in die Geschichtsbücher schafften: kilometerlange Trabant-Kolonnen, die auf den wenigen Autobahnen gen Westen rollten. Schon kurz nach der Grenzöffnung bevölkerten die für Westler wie Spielzeugautos anmutenden seltsamen Gefährte auch die Straßen in Waldeck-Frankenberg und gaben der Wende ihren Geruch: Der unverwechselbare Trabbi-Duft aus verbranntem Öl-Benzin-Gemisch wehte in Form bläulicher Abgase aus Tausenden knatternden Zweitaktmotoren.
20 Jahre später: Christoph Schneider und Manuel Alonso rumpeln mit dem heiser-blechernen Töfeln, das die 26 Pferdestärken unter der Plaste- und Elaste-Haube als akustisches Markenzeichen von sich geben, durch Korbach, die markante Duftnote ihrer Trabbis liegt noch lange hinter ihnen in der Luft. Für 300 Euro hat der Vöhler Schneider seine „Rennpappe“, Baujahr 1989, bei E-Bay ersteigert. Noch günstiger ist der Korbacher Alonso weggekommen: Mit 38 Euro war sein Trabant, Jahrgang 1987, ein echtes Schnäppchen, einen zweiten hat er noch in der Garage stehen. „Das sind einfach Fun-Autos“, sagt Schneider, seit einem Jahr stolzer Trabbi-Besitzer. Bei einem Bekannten war er die „sächsische Straßengurke“ Probe gefahren, dann hatte er Blut geleckt. „Die sind robust ohne Ende“, schwärmt er. „Die waren schließlich für die Schlaglochstraßen ausgelegt, die es drüben gab“, so Alonso. Er sollte der „Volkswagen“ der DDR werden: Sparsam, robust, einfach zu warten und kostengünstig zu produzieren. 34 Jahre lang wurde an dem Aussehen des Trabant nichts verändert, die Technik kaum weiterentwickelt. Rund zwölf Jahre musste Otto Normalverbraucher in der DDR auf seinen „Trabbi“ warten. Mit der Währungsunion 1990 wurden West-Autos auch für DDR-Bürger erschwinglich und so manch ein Trabbi landete herrenlos im Straßengraben. Der Trabant wurde indes noch bis April 1991 gebaut, zuletzt mit einem Volkswagen-Viertaktmotor: Die im Juli 1990 gegründeten Sachsenring Automobilwerke versuchten noch ein Jahr lang erfolglos, den neuen Trabant 1.1 zu verkaufen – zuletzt für unter 6000 Mark.
Damals war nicht zu ahnen, dass aus dem optisch wie technisch hoffnungslos überalterten Fahrzeug mal ein Kultauto werden würde. Bis zu 5000 Euro zahlen Fans heute für einen Trabbi im fast fabrikneuen Zustand. „Einen guten bekommt man schon ab 500 Euro“, sagt Alonso. Wer weniger zahlen will, muss basteln. „Aber die Ersatzteilversorgung ist perfekt“, sagt Schneider.
Die Technik unter der Haube ist überschaubar. „Man kann alles selbst machen. Den Motor hat man in einer Viertelstunde ausgebaut“, sagt Alonso. Und wenn der Trabbi erst einmal läuft, dann läuft er – und das fast wartungsfrei: „Haube auf und tanken – das war’s“, so der Korbacher. Aufsehen erregen die beiden Trabant-Besitzer auf den Straßen des Landkreises allemal: „Unsere Trabbis sind ein Blickfang. Viele fragen, ob sie sich mal reinsetzen dürfen. Jeder möchte mal mit dem Ding fahren“, sagt Schneider.
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