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WLZ-FZ-Serie 20 Jahre Mauerfall

Experte: Einmal im Jahr ist zu wenig

Von den innerdeutschen Städtepartnerschaften ist nicht viel übrig geblieben. Das meint zumindest Dietmar M. Woesler, Leiter des Bonner Instituts für europäische Partnerschaften, im WLZ-FZ-Interview.
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• Welche Chancen bieten Städtepartnerschaften für die Kommunen?
Sie ermöglichen es den Bürgergruppen, Vereinen, Schulen und Jugendlichen, den Alltag im Partnerland kennenzulernen – also weit mehr als „Tourismus“. Die Kommunen arbeiten häufig in Arbeitsgruppen und Netzwerken zusammen – zum Beispiel bei der Jugendarbeit, Sozialarbeit, der kommunalen „Daseinsvorsorge“, der Energieversorgung, bei Abfall- und Wasserwirtschaft, im Umwelt- und Naturschutz, Verkehr oder dem Einbezug von Behinderten und ausländischen Mitbürgern. Durch den Austausch von Erfahrungen und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen können die beteiligten Kommunen für ihre eigene Zukunftsplanung gewinnen.

• Welche unterschiedlichen Ausprägungen gibt es?
Bei etwa 40 Prozent der an Partnerschaften beteiligten Kommunen ist allein die Verwaltung für die Partnerschaftsarbeit zuständig. In weiteren 40 Prozent arbeitet ein ehrenamtlicher Partnerschaftsverein mit den Kommunalverwaltungen gemeinsam, in etwa 20 Prozent sind nur die Partnerschaftsvereine zuständig und „Motoren für den Austausch“. Den früher oft zitierten „Rathaustourismus“, dass sich also nur die Repräsentanten der Kommunen besuchen, gibt es in internationalen Partnerschaften so gut wie gar nicht mehr, wohl aber in etlichen innerdeutschen Partnerschaften.

• Haben die Partnerschaften von westdeutschen Städten mit Städten aus Ostdeutschland überhaupt eine Zukunft?
Diese Partnerschaften werden dann lebendig bleiben, wenn es Kommunal- und Bürgervertreter sowie Vereine gibt, die sich dafür engagieren. In vielen Fällen beobachten wir, dass sich die Repräsentanten nur einmal im Jahr, bei Stadtfesten oder Jubiläumsveranstaltungen, treffen. Es gibt nur für internationale Partnerschaften Zuschüsse (zum Beispiel von der EU), nicht aber für innerdeutsche – nicht einmal für Jugend- und Schülerbegegnungen. Hier muss sich auch die Bundesregierung vorhalten lassen, dass sie die Bedeutung des „Miteinanders“ in den deutsch-deutschen Partnerschaften völlig unterschätzt hat. Nach der Wende gab es einmal 1 600 Kontakte dieser Art – davon sind heute vielleicht noch zehn Prozent lebendig. Wenn Jugendliche zum Beispiel Zuschüsse für Begegnungen mit Frankreich oder Polen oder Tschechien erhalten, aber bei Begegnungen mit Jugendlichen in den neuen Bundesländern alles selbst zahlen müssen, ist der Rückgang der Begegnungen nur „normal“. Ob das der innerdeutschen Einheit dient, wage ich zu bezweifeln.

• Nach und nach schlafen manche Partnerschaften ein, andere blühen hingegen auf und entwickeln eine ganz besondere Eigendynamik. Welche Erfolgsrezepte gibt es, damit aus der Partnerschaft mehr als bloß ein Schriftstück wird, das in den Archiven schlummert?
Ob eine Partnerschaft lebendig bleibt, hängt immer von einzelnen Menschen in den Partnerschaftsvereinen, Schulen, Jugendämtern, Vereinen ab – und die müssen auf beiden Seiten aktiv sein. Eine Partnerschaft ist erfolgreich, wenn sich viele Bürgergruppen beteiligen, wenn gemeinsam Projekte erarbeitet werden und vor allem die junge Generation beteiligt ist. Nach unseren Befragungen von mehr als 2 000 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren halten 80 Prozent diese Partnerschaften für wichtig – für ihre Kommunen, Schulen und für sich selbst. Sie können persönlich davon profitieren, zum Beispiel durch Sprachkurse, Ferienjobs, ein Praktikum in der Partnerstadt und den „Mehrwert“ für sich selbst, nämlich durch interkulturelles Lernen. Daher bietet unser Institut neben der Sammlung von Erfahrungsbeispielen und guten Ideen auch Seminare mit Jugendlichen „vor Ort“ an.


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