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WLZ-FZ-Serie 20 Jahre Mauerfall

Brieffreund stand vor der Tür

Als Pfarrer Eisenberg seinen Konfirmanden 1964 Schreibpartner aus Rhodens Partnergemeinde Schkölen in Thüringen zuteilte, hätte Marita Werning nicht geahnt, dass daraus eine lange Freundschaft entstehen würde.
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Wiedersehen im thüringischen Schkölen bei einer Exkursion des Geschichtsvereins 2007. Das Bild zeigt (v. l.) Karl Heinemann aus Rhoden, die Thüringer Carsten Landmann und Siegmar Krieg, Marita Werning, Christiane Krieg sowie das Diemelstädter Ehepaar Christian und Margret Kirchner. Repro: Sandra Simshäuser

Diemelstadt. Mittlerweile gehen E-Mails anstelle von Briefen zwischen Schkölen und Diemelstadt hin und her. Anstelle des langjährigen Brieffreundes Siegmar Krieg hält inzwischen vor allem dessen Frau Christiane regen Austausch mit der langjährigen Schreibpartnerin. Die Freundschaft zwischen den Familien aber ist ungebrochen.

Durch Wernings Großmutter, die im damaligen Ostdeutschland lebte, fanden bereits in den Siebzigerjahren nicht nur Pakete und Päckchen ihren Weg über die Grenze. Auch Marita Werning fuhr mit ihrer Familie regelmäßig nach „drüben“ auf Besuch. Ende der Siebzigerjahre wurde sie sogar Patin der Tochter des Ehepaares Krieg. Auch die Diemelstädter Familie Kirchner unterhielt damals schon Kontakte nach Schkölen.

Eine Überraschung stand für beide Familien am Abend des 10. November 1989 an. Im Hause Werning lief der Fernseher, die Bilder von der Grenzöffnung flimmerten über den Bildschirm. Marita Werning erzählt: „Ich staunte nicht schlecht, als es klingelte und mein langjähriger Kirchenpate Siegmar vor der Haustür stand! Er war mit seinem Schwager einfach losgefahren.“ Der Schwager Eckhard Landmann besuchte unterdessen Christian und Margret Kirchner, die Pateneltern seines Sohnes Carsten. Im Dorf gab es gerade ein Schlachteessen, gemeinsam verlebte man ein gemütliches Wochenende.
Zwei Aussagen Siegmar Kriegs sind Marita Werning besonders im Gedächtnis geblieben: „Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich mal bei dir auf dem Sofa sitze“ und „Ich dachte immer, die BRD wäre uns (der DDR) 50 Jahre voraus, jetzt bin ich sicher, es sind 100.“

Letzteres, vermutet Werning, habe der gelernte Maurer wohl insbesondere mit Blick auf die Häuser im „Westen“ festgestellt.
Knapp achtzehn Jahre später konnten sich die Diemelstädter Gastgeber mit einem Überraschungsbesuch in Schkölen revanchieren. Auf einer Fahrt mit dem Geschichtsverein riefen Marita Werning und die Kirchners ihre alten Freunde kurzfristig an. Der Aufforderung „Kommt mal ins Dorf“ wurde gern gefolgt. Dabei entstand das Foto, das – zum damaligen Zeitpunkt – 43 Jahre „grenzenlose“ Freundschaft dokumentiert.


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