Touristiker aus 15 nordhessischen Städten berieten gestern auf Schloss Berlepsch über eine engere Marketing-Zusammenarbeit unter der Dachmarke „GrimmHeimat“. Sie stellte eine erste gemeinsame Broschüre in einer Auflage von 20 000 vor, die für Städtereisen wirbt, unter anderem nach Wildungen, Fritzlar, Frankenberg, Kassel, Arolsen, Hersfeld oder Korbach.
Aber wie wär‘s mit „GrimmHeimat“ statt „Nordhessen“ als Dachmarke für gemeinsames Auftreten bei Urlaubsgästen? „In Waldeck-Frankenberg gibt es Vorbehalte, doch die Einführung der Marke ‚GrimmHeimat‘ ist ein großer Erfolg für die Region und wird anerkannt. Fragen Sie mal die Süd- und Mittelhessen“, riet Holger Schacht, Chef des Regionalmanagements Nordhessen, am Mittwoch auf Schloss Berlepsch bei Witzenhausen.
Dort, vor der Kulisse mittelalterlicher Mauern, bröckelte die geistige Mauer zwischen dem Waldeck-Frankenberger Land und den Nachbarn im Norden und Nordwesten. Vorgestellt wurde eine edel aufgemachte, großformatige Broschüre, in der erstmals 15 nordhessische Orte gemeinsam als „GrimmHeimat“ auf Touristenfang gehen: mit buchbaren Pauschalangeboten unter der Überschrift „Märchenhafte Kulissen – und ihre Träume werden wahr“. Aus Waldeck-Frankenberg sind Bad Wildungen, Frankenberg, Korbach und Bad Arolsen mit von der Partie.
2,7 Milliarden Euro Umsatz verzeichnet der Tourismus in Nordhessen jährlich, sagte Schacht, „und wir wollen weitere Gäste in unsere Region holen.“ Städte-Reisen seien „ein Megatrend“. Lukrative Zielgruppe sind Singles und Paare ab 40 bis 50 Jahren mit Geld in der Tasche.
Sie geben, so hoffen die Veranstalter, mehrere hundert Euro aus, beispielsweise für ein VIP-Wochenende im Bergpark Kassel, für „Barock und Moderne“ in Bad Arolsen inklusive Heißluftballon-Fahrt, für die Hersfelder Festspiele mit exklusiven Blicken hinter die Kulissen, für die „Entdeckung der Sonne“ in Frankenberg einschließlich Einkehr im Sterne-Restaurant, für eine (Aus)Zeit zu zweit mit Wellness und Kultur in Bad Wildungen oder für ein „Goldenes Wohlfühlwochenende“ in Korbach.
20 000 Exemplare beträgt die erste Auflage der Broschüre, die den Start für eine engere Zusammenarbeit in der GrimmHeimat markieren soll. „Wir konzentrieren uns bei dieser Aktion auf unsere wichtigsten Quellmärkte: das Rhein-Main-Gebiet, Rhein-Ruhr und die Niederlande“, erklärte Ute Schulte von der Nordhessen Touristik.
10 000 Haushalte, deren Angehörige bereits Urlaube in der GrimmHeimat verbracht haben, erhalten in den nächsten Wochen Post mit der Broschüre. Auf der Internationalen Tourismusbörse wollen die Touristiker Kontakte zu Reiseveranstaltern knüpfen. Eine große Rolle spielt außerdem das Marketing über den gemeinsamen Internet-Auftritt (www.nordhessen.de).
Die Kräfte bündeln, damit man im harten Wettbewerb um Gäste Gehör findet; diese Überlegung steht zentral hinter der GrimmHeimat. Reckhard Pfeil vom Wildunger Stadtmarketing betonte, wie wichtig dieser Aspekt ist: „Wir arbeiten an weiteren Marketing-Projekten für die nächsten zwei Jahre.“
Bislang stehen der GrimmHeimat aus Beiträgen der beteiligten Städte 45 000 Euro pro Jahr dafür zur Verfügung. Ein Anfang und zu wenig, um international Aufsehen zu erregen; dabei könnte man mit dem Thema Grimm und Märchen weltweit punkten. „Asien und die USA sind ein sehr interessanter Markt“, sagte Dr. Marc Müllenhoff, zuständig für Stadtmarketing und Tourismus bei der Korbacher Wirtschaftsförderung.
Sein Arolser Kollege Wilhelm Müller räumte ein, „dass sich in Waldeck-Frankenberg bislang nicht alle mit dem Thema Märchen anfreunden können, weil viele denken, ihr Ort lässt sich damit und mit den Brüdern Grimm nicht verknüpfen.“ Allerdings gebe es in jeder Stadt Sagen und Legenden, die in das Konzept GrimmHeimat passen. Waldeck hat das vorexerziert, indem es die Sage vom „Wichtelkönig“ aufgegriffen hat, um sich im Rahmen der Deutschen Märchenstraße zu präsentieren: der nächste Kandidat aus dem Waldecker Land für die GrimmHeimat-Kooperation.
In Frankenberg hatte erst kürzlich die Aufnahme der Stadt in den Verein „Deutsche Märchenstraße“ für Freude gesorgt. „Ein ausgezeichnetes Marketinginstrument“, kommentierte Erster Stadtrat Willi Naumann.
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