Mehr als 20 Meter unter Vollstau: Der Edersee an der Sperrmauer.
„Talsperre rettet Lichterfest in Bodenwerder“: Die Pressemitteilung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), die am späten Mittwochnachmittag aus Hannoversch Münden kam (wir berichteten), sorgte gestern für großen Trubel in Waldeck-Frankenberg. Zugunsten eines Lichterfestes in Bodenwerder am 13. August soll erneut eine Welle aus dem Edersee Richtung Weser fließen – obwohl nur noch rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser im See sind, statt rund 200 Millionen Kubikmeter bei Vollstau.
„Das hat einen Aufschrei der Empörung in der Region provoziert“, teilte Landrat Dr. Reinhard Kubat dem Wasser- und Schifffahrtsamt in einem offenen Brief mit. „Diese Begründung ist ein Schlag ins Gesicht für Hessens Tourismushochburg Nummer 1“, betont Kubat. Beim Drachenbootrennen in Herzhausen sei das Amt den Veranstaltern nicht entgegen gekommen, als der Wasserstand so niedrig gewesen sei, dass eine Absage drohte.
Ohnehin sei der niedrige Wasserstand in Edersee und Weser das Ergebnis einer unflexiblen und unsensiblen Wasserbewirtschaftung. „Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat in diesem Frühjahr bereits zeitig große Wassermassen aus de Edersee abgelassen, um Kapazitäten für das statistisch zu erwartende Schmelz- und Regenwasser zu schaffen“, erinnert Kubat und sich darin einig mit den Bürgermeistern aus Edertal, Waldeck und Vöhl.
„Das war formalrechtlich in Ordnung, aber vollkommen unsensibel, denn Statistik und Realität klafften weit auseinander“, stellt Kubat fest. Nach dieser Fehleinschätzung habe man in Waldeck-Frankenberg mehr Einfühlungsvermögen im Hinblick auf die Region erwartet, betonte der Landrat und fordert die Stornierung der angekündigten Welle. „Sollten Sie jedoch an Ihrer Entscheidung festhalten, dann lade ich einen Vertreter Ihrer Behörde zu einer Bürgerversammlung an den Edersee ein und hoffe, dass jemand den Mut finden wird, sich dem berechtigten Zorn der Menschen in unserer Region zu stellen“, schreibt er.
Zornig reagierten auch die Bürgermeister der Anrainergemeinden. „Wir fühlen uns vorgeführt und allein gelassen“, betonte Vöhls Bürgermeister Harald Plünnecke, der gemeinsam mit Edertals Bürgermeister Wolfgang Gottschalk zum Pressegespräch geladen hatte – als Vertreter der Edersee Touristik. „Wir haben viele Gespräche im Rahmen der Interessengemeinschaft Oberweser geführt und für eine gemeinsame Linie gestritten“, erinnerte Plünnecke, „und wir hatten uns darauf geeinigt, sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen“. Die neue Meldung sei an Dreistigkeit allerdings nicht zu überbieten.
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