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Lebensgefährte sagt im Baby-Mordprozess aus: „Hätte das Kind hingenommen“

Kassel / Edertal / Haina. „Wenn wir ihre Schwangerschaft bemerkt hätten, säßen wir alle heute nicht hier.“ Das sagte der Vater der Angeklagten am Freitag im Baby-Mordprozess vor dem Landgericht Kassel.

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Er hätte als Angehöriger ebenso die Aussage verweigern können wie die Mutter, doch beide Eltern wollten Auskunft geben. Sie beschrieben ihre Tochter als echten Familienmenschen und die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten als sehr gut. Von der großen Tierliebe der heute 33-Jährigen sprachen die Eltern und davon, wie gut sie sich stets mit ihren kleinen Neffen und Nichten verstanden habe. Ein ebenso gutes Verhältnis bestand demnach zwischen der Angeklagten und der minderjährigen Tochter ihres Lebensgefährten aus dessen geschiedener Ehe.

Angesichts eines solchen offenbar glücklichen Familienlebens wollte das Gericht von der Mutter wissen, „warum Ihre Tochter Ihnen die Schwangerschaft verschwiegen hat?“ Darauf wusste die 63-jährige Edertalerin keine direkte Antwort, betonte aber: „Über weitere Enkel hätten wir uns gefreut und wir hätten sie aufgenommen.“

Auf Nachhaken der Strafkammer, ob die Eltern über all die Monate wirklich keinen Verdacht auf eine Schwangerschaft geschöpft hätten, schränkte die Mutter dies ein: „Mir ist die größere Oberweite aufgefallen und ich habe mal danach gefragt.“ Die Tochter habe keine Antwort gegeben, und weiter hakte die Mutter damals nicht nach. Im Nachhinein betrachtet hätte man an der einen oder anderen Stelle etwas ahnen können, räumte der Vater ein.

Auch an dem Wochenende, an dem das Baby geboren und Stunden später getötet wurde, hegten die Eltern keinen Argwohn, was das Gericht und den psychologischen Sachverständigen verwunderte. Schließlich hatte die Tochter eine geplante Fahrt nach Würzburg plötzlich abgesagt, weil es ihr schlecht ging. Über Tage bis zur Festnahme haben die Eltern demnach aber nicht näher nachgefragt, was es damit auf sich hatte. Die Tochter erwähnte kurz etwas von einer Zyste. Auf dem veröffentlichten und von der Polizei vorgezeigten Foto der Überwachungskamera des Fritzlarer Hospitals wollen die zwei ihr Kind nicht erkannt haben. „Man denkt ja immer, das passiert bei anderen“, erklärte der 69-jährige Vater dazu.

Weder von der Schwangerschaft noch vom dramatischen Geschehen am 13./14. Oktober 2007 etwas bemerkt hat auch der Lebensgefährte der Angeklagten. „Sie war etwas deprimiert und nicht so fröhlich wie sonst“, erinnerte er sich an die Rückkehr der jungen Frau aus dem Krankenhaus – nach dem Herausoperieren einer Zyste, wie damals ihre Erklärung dazu lautete.

Die Beziehung bestehe bis heute, gab der 51-Jährige am Freitag vor Gericht an. Wie seine Mutter, deren frühere Aussage nur verlesen wurde, berichtete der Hainaer Landwirt von Spannungen zwischen ihm und seiner Freundin. Grund: Sie hielt die gemeinsame Wohnung auf dem Hof seiner Eltern nicht genug in Ordnung: „Das ist Sache der Hausfrau oder desjenigen, der zu Hause ist.“ Unter anderem darüber kam es auch zwischen seinen Eltern und der jungen Frau zu Auseinandersetzungen. Die Folge: Während der Sohn täglich seine Mahlzeiten bei seinen Eltern einnahm und die Mutter ihm seine Wäsche wusch, aß die Angeklagte für sich allein.

Auch der Lebensgefährte beschrieb die 33-Jährige als tierlieb. Sie widmete sich als Wertungsrichterin im Verband der Ausbildung von Jagdhunden. Gemeinsam mit dem Freund ging sie der Jagd als Hobby nach. Kennengelernt hatten sie sich Ende der 90er-Jahre über die Jagdhornbläsergruppe in Reinhardshausen.

Über Intimes wurde wenig gesprochen in der Beziehung, und so fragte der Mann, als er die eine oder andere Veränderung registrierte, auch nicht nach. Wegen des Unfalltodes seiner Tochter 1998 habe er keine Kinder mehr haben wollen. Trotzdem hätte er das Baby „hingenommen. Dann wäre es eben so gewesen“, fügte er hinzu. (su)


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