Über den Tellerrand blicken: Die Gäste beim „Tag der Landwirtschaft“ in Korbach lauschen den Zukunftsprognosen von Wolrad Claudy .
„Wir haben in der Vergangenheit schon häufiger über den Tellerrand geschaut und das ist richtig so“, betont Axel Friese, Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg, als er die mehr als 200 Gäste in der Korbacher Stadthalle begrüßt. Den „Tag der Landwirtschaft“ organisieren alle landwirtschaftlichen Organisationen im Landkreis gemeinsam. „Die Landwirtschaft ist für uns ein wichtiger Akteur im ländlichen Raum, aber sie ist eben nur ein Akteur“, hebt Friese hervor. Claudys Vortrag unter dem Titel „Gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen – was bringt die Zukunft?“ soll daher anregen, über die Weiterentwicklung anderer Akteure wie Unternehmen und Kommunen nachzudenken.
„Künftig brauchen wir Menschen, die gern die Ärmel hochkrempeln und innovative Ideen haben“, blickt Korbachs Stadtrat Günter Schlund voraus. Eine „lebensfähige Landwirtschaft“ ist für ihn eine Grundvoraussetzung, um die „Zukunft unserer Heimat“ zu sichern. „Bei allen Veränderungen in der Landwirtschaft muss klar sein, dass wir die Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg brauchen“, schließt sich Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf an. „Sie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und prägt die Region.“ Die Stärken der heimischen Landwirte sieht er allerdings eher in einer „bäuerlichen Landwirtschaft“ als in der Entwicklung zu immer größeren Betrieben.
Physiker und Managementberater Wolrad Claudy, der auf einem Hof in Giflitz aufgewachsen ist, bestätigt die hohe Bedeutung der Landwirtschaft. Bei seinem Ausblick bis ins Jahr 2050 nennt der Groß-Umstädter, der sich bezugnehmend auf Berater der Bundesregierung intensiv mit der Zukunftsforschung und den draus resultierenden Megatrends (Foto) auseinandersetzt, einige Beispiele: l Die Weltbevölkerung wächst weiter. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten wird sich verdoppeln. Gefragt sind laut Claudy vor allem Produkte für die Milliarden von Menschen in Staaten wie China und Indien, „die von der zweiten in die erste Welt wollen“. l Relevante Rohstoffe, zum Beispiel fossile Energieträger wie Öl und Gas sowie das für den Computerbau wichtige Silizium, schwinden. Zugleich wächst der Bedarf an Energie und anderen Produkten wie eben Computern.
„Alles muss also irgendwann regenerativ sein.“ Innovative landwirtschaftliche Produkte seien gefragt.In puncto alternative Energiegewinnung hat Claudy noch zwei wichtige Tipps: Mit Blick auf den Klimawandel sollte in Deutschlands Süden verstärkt auf Solarenergie und im Norden auf Windkraft gesetzt werden. Über die Beteiligung der Bürger steige die Akzeptanz, beispielsweise für Windräder. „Folglich sollten Landwirte in neue Produktideen investieren und diese ähnlich wie Winzer und Spargelbauern selbst vermarkten“, betont Claudy. Die Palette könne von einfachen Produkten für Afrika bis zu veredelten Waren reichen. „Es geht darum, die Wertschöpfungskette komplett unter Kontrolle zu haben.“ Bei den Bio-Produkten sei dies versäumt worden.
Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Mittwoch, 25. Januar
Das Erdbebengebiet im Norden Italiens kommt nicht zur Ruhe. Auch in der Nacht zum Montag haben neue Erdstöße die Region Emilia Romagna erschüttert. Die beiden schwersten Nachbeben am frühen Montagmorgen erreichten eine Stärke von 3,7 und 3,6. mehr