Gutachter Dirk Riekenberg, Bürgermeister Franz Schrewe, Kämmerer Klaus Hülsenbeck, Stadtwerkevorstand Johannes Niggemeier, Landrat Dr. Reinhard Kubat und EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller (v. l.) stellten in Brilon das gemeinsame Projekt vor. Foto: Rötz
Insgesamt 13 Millionen Euro kostet der Deal die Stadtwerke Brilon und den Zweckverband Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Während die Briloner Stadtwerke mit 74,9 Prozent dabei sind, hält die EWF 25,1 Prozent. Am Mittwoch wurde das Geschäft bei einer Pressekonferenz in Brilon öffentlich gemacht. Der Konzessionsvertrag mit der RWE läuft laut Brilons Kämmerer Klaus Hülsenbeck am heutigen 11. März aus. Spätestens am 1. Januar 2011 will man alles in trockenen Tüchern haben. Dann soll die neue Gesellschaft „Stadtwerke Brilon Energie GmbH“ loslegen. Diese wird sich am Standort Brilon befinden und das komplette Gasnetz (169 km Rohrleitung, 3300 Hausanschlüsse, 4100 Zähler) besitzen. Aber nicht nur das. Die neue Energieversorgungsgesellschaft wird auch Gas verkaufen. Kunde wird man nicht automatisch, sondern man muss sich beim alten Versorger ab- und beim neuen anmelden. Einstimmiger Beschluss Bürgermeister Franz Schrewe machte klar, dass es besser sei, die Gewinne auf dem Energiemarkt den Bürgern vor Ort zukommen zu lassen, als sie in Dividendenausschüttung für Aktionäre anzulegen. Nach langer Abwägungsphase in Politik und Verwaltung habe man sich dafür entschieden, der RWE das Netz abzukaufen. Dieser Beschluss sei einstimmig im Rat gefasst worden, nicht „Herz gegen Herz“. Auch habe man mit dem Nachbarn aus Hessen einen Partner gewonnen, der bereits große Erfahrung auf dem Gasmarkt habe und mit dem man zum Beispiel im Bereich des Diemelsees seit Längerem in wassertechnischen Dingen zusammenarbeite. Die Nachbarn in Olsberg/Bestwig hätten wegen ihres Stromverkaufs nicht so günstig in das Briloner Konzept gepasst. Landrat Dr. Reinhard Kubat freute sich ebenfalls über die Zusammenarbeit mit Brilon und versprach sich Synergieeffekte für beide Parteien. „Natürlich sieht die RWE das Geschäft auch mit Schmerzen. Ich glaube aber, dass es für die Menschen beider Kommunen gut ist.“ EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller sagte unmissverständlich, dass sich sein Unternehmen von den 25 Prozent Beteiligung auch Gewinne verspreche. Sein Kollege, Vorstand der Briloner Stadtwerke, Johannes Niggemeier freute sich, dass zukünftig die anteilige Wertschöpfung aus dem Gasgeschäft den Briloner Bürgern bleibe. „Für die Zukunft haben wir weitere Vorstellungen in unseren Köpfen“, sagte Niggemeier. Netz und Gas lohnen sich Auch Kämmerer Hülsenbeck nickte vielsagend. Betriebswirtschaftlich habe man das neue Konstrukt von Dirk Riekenberg von der WRG Solutions durchleuchten lassen. Dieser bestätigte gestern: „Netz und auch Gasverkauf werden sich lohnen. Möglicherweise aber gehen wir in die Klage, um die RWE-Preisvorstellungen zu mindern.“
Eine Klage will er vermeiden, die angebotene Pauschal-Entschädigung von 11.000 Euro hält er aber nicht in jedem Fall für angemessen: Anwalt Andreas Widmann vertritt deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffs, das vor einem Monat in Italien verunglückte. mehr