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Waldeck-Frankenberg

Devise der Milchviehhalter: „Stärken und erhalten“

Waldeck-Frankenberg (tk). Vertreter des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) sollen künftig an den Beratungen im Gebietsagrarausschuss beteiligt werden. Dies sicherte am Donnerstag Landrat Dr. Reinhard Kubat zu.

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Mit Kuh „Faironika“ und „Fairer Milch“ ins Kreishaus: Vertreter des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) um Teamsprecher Heinfried Emden (3.v.l.), der Initiative „Gentechnikfreies Nordhessen“, der Biolandwirte, des Naturschutzbundes und der Arbeitsgemeinschaft „Bäuerliche Landwirtschaft“ nahmen an einem Treffen mit Landrat Dr. Reinhard Kubat teil. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der niedrige Milcherzeugerpreis, der viele Landwirte in Existenznöte bringt, auf Dauer den Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaft gefährdet und damit die Tourismuswirtschaft im Landkreis beeinträchtigt. Foto: Thomas Kobbe

An dem Sondierungsgespräch im Kreishaus nahmen weiterhin Sprecher der Initiative „Gentechnikfreies Nordhessen“, der Biolandwirte, des Naturschutzbundes und der Arbeitsgemeinschaft „Bäuerliche Landwirtschaft“ teil. Wenige Wochen nach dessen Amtsantritt wollten sie den neuen Landrat dafür gewinnen, sie auf der Suche nach Wegen aus der Krise zu unterstützen

Experten wie zuletzt Dr. Günther Lißmann (Regierungspräsidium Kassel) sagen kleineren Milchviehbetrieben eine düstere Zukunft voraus: Reichen heute statistisch 80 000 Euro Jahresgewinn, 150 Milchkühe und 225 Hektar Ackerfläche, um einen Betrieb auskömmlich zu bewirtschaften, müssten Gewinn, Tierbestand und Flächen im Jahr 2030 mehr als doppelt so hoch sein, um am Markt zu bestehen.

Zur Devise „Wachsen oder weichen“ sieht der BDM eine auf die Situation in Waldeck-Frankenberg passende Alternative: „Stärken und erhalten“. Um künftig Milch rentabel zu produzieren, „muss die Milch in Erzeugergemeinschaften regional und bundesweit gebündelt werden, um die Menge der Nachfrage anpassen zu können“, so der Standpunkt des BDM. Hierfür sei das „Milch­board“ eingeführt worden, das mit inzwischen 25 000 Mitgliedern in der EU der größte Verband dieser Art ist. Der weitreichende Einfluss der Genossenschafts-Lobby untergrabe allerdings die Bemühungen, für ein ausbalanciertes „Machtverhältnis“ zwischen Anbietern und Abnehmern zu sorgen.

Die BDM-Vertreter um Teamsprecher Heinfried Emden (Ober-Werbe) wiesen auch auf den erfolgreichen Start der Erzeugermarke „Die faire Milch“ hin. Sie ist nach Angaben der Freisinger Milchvermarktung Süddeutschland (MVS) zu 100 Prozent gentechnikfrei, weil die Kühe überwiegend mit Grünfutter von hofnahen Wiesen gefüttert werden. Deshalb sei sie im Vergleich zu herkömmlicher Milch besonders reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Außerdem stammt sie ausschließlich von Höfen aus dem Bundesland, in dem sie verkauft wird. Das sichere den Bestand der gewachsenen, traditionellen Familienbetriebe und reduziere die Transportwege auf ein Minimum.

Erhältlich ist die H-Milch zurzeit in 1200 Rewe-Märkten und 300 Tegut-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Die Erzeuger erhalten 40 Cent pro Liter und damit 13 Cent mehr, als aktuell von den meisten Molkereien gezahlt wird. Der Laden-Verkaufspreis liegt bei 89 Cent (1,8 Prozent Fett) und 99 Cent (3,8 Prozent) pro Liter.

Dem Vorschlag gegenüber, die Kreishaus-Kantine mit der „fairen Milch“ zu beliefern, zeigte sich Landrat Dr. Reinhard Kubat aufgeschlossen. Er werde sich bemühen, den BDM in die Gespräche des Gebietsagrarausschusses einzubinden. Mit Blick auf den Interessenkonflikt zwischen Bauernverband und BDM sehe er seine Rolle nicht zuletzt darin, als Moderator und Schlichter zu fungieren. „Wir müssen überlebensfähige landwirtschaftliche Betriebe haben, die in die Landschaft passen“, sagte Kubat. Nur gemeinsam könnten Landwirte, Verbraucher und Politiker dieses Ziel erreichen.


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