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Bürgermeisterwahl in Hatzfeld

"Erst mal schauen, wo Hatzfeld liegt"

Er kam nach Hatzfeld, um Bürgermeister zu werden. Doch Ernst-Jürgen Bernbeck unterlag vor 18 Jahren dem Amtsinhaber Uwe Ermisch. Was wohl im Falle eines Sieges anders geworden wäre?
Ernst-Jürgen Bernbeck im Garten seines Hauses in Allendorf (Lumda) und auf dem Bewerberfoto im Jahr 1994. Damals unterlag er Amtsinhaber Uwe Ermisch mit 29,2 Prozent.Fotos: Mark Adel / Archiv

Ernst-Jürgen Bernbeck im Garten seines Hauses in Allendorf (Lumda) und auf dem Bewerberfoto im Jahr 1994. Damals unterlag er Amtsinhaber Uwe Ermisch mit 29,2 Prozent.Fotos: Mark Adel / Archiv

© MARK ADEL

Allendorf (Lumda)/Hatzfeld. Der 27. November 1994 war die bislang einzige Bürgermeister-Direktwahl in Hatzfeld mit mehr als einem Kandidaten. Uwe Ermisch (SPD), damals gerade eine Amtszeit Rathauschef, behauptete sich gegen Ernst-Jürgen Bernbeck, der für die CDU antrat. Bernbeck erhielt 29,2 Prozent: „Ein respektables Ergebnis gegen den Amtsinhaber“, sagte der heute 67-Jährige.“ „In Anbetracht der Kürze der Zeit war ich ganz zufrieden.“

Er verbucht die Wahl als „wertvolle Erfahrung“: „Nicht mehr und nicht weniger.“ Ernst-Jürgen Bernbeck war damals Kriminalbeamter, abgeordnet nach Erfurt. „Dort erreichte mich ein Anruf der hessischen CDU-Landesgeschäftsstelle“, erinnert er sich. „Ich wurde gefragt, ob ich mir eine Bürgermeisterkandidatur in Hatzfeld vorstellen könnte.“

Bernbeck sagte zu „und musste erstmal schauen, wo Hatzfeld überhaupt liegt“. Sechs Wochen lang pendelte er täglich die 60 Kilometer, teilweise nach dem Dienst, zwei Wochen nahm er Urlaub. „Ich ging von Haus zu Haus“, erinnert er sich. „Ich musste mich ja bekannt machen.“ Mitglieder des CDU-Stadtverbands hätten ihn dabei gut unterstützt. Irgendwann sei er dann gefragt worden, ob Hatzfeld im Falle seiner Wahl dem Land 250000 Mark für seine Ausbildung zahlen müsse. „Das hat mich umgehauen“, erinnert sich Ernst-Jürgen Becker. „Das stimmte nicht, hat sich aber bei den Leuten festgesetzt.“

Viereinhalb Kilo habe er im Wahlkampf verloren, berichtete er am Wahlabend vor 18 Jahren FZ-Redakteurin Conny Höhne. Und offenbar war es ein Kampf. Nach 18 Jahren will er nichts mehr darüber erzählen, der CDU-Stadtverband beklagte im Vorfeld der Wahl aber „unfaire Machenschaften“ der SPD: So seien dem Ersten Stadtrat Ralf Schmitt, damals CDU, Einblicke in Unterlagen verwehrt worden. Der damalige Stadtverbandsvorsitzende Willi Miss beklagte seinerzeit „fehlenden Anstand, Unfairness und Mangel an Konsensfähigkeit.“ Es ging unter anderem um Daten, welche Summen die Stadt aufbringen müsse, wenn Ermisch damals nicht wiedergewählt worden wäre.

Bleibende Kontakte seien nicht entstanden, „dafür war die Zeit zu kurz“. Nach Hatzfeld sei er danach nur einmal zurückgekehrt: Der ehemalige Fallschirmspringer nahm teil an einem Schießwettkampf der Reservisten. Die Erinnerungen ans Edertal sind verblasst.

„Ich weiß nur noch, dass damals der Neubau eines Kindergartens diskutiert wurde, der meiner Meinung nach überdimensioniert und zu teuer geplant wurde.“ Uwe Ermisch habe er nur einmal getroffen: „Ich hatte einen Werbestand auf dem Parkplatz eines Supermarkts“, erzählt er. Ermisch habe ihn aufgefordert, abzubauen. „Aber es war ein Privatgrundstück und alles genehmigt.“

Knappe Kassen, demografische Entwicklung: „Das ist in den Kommunen überall gleich.“ Sein bestes Beispiel: „Vor einigen Jahren mussten wir die Kläranlage ertüchtigen. Gegen die Beiträge, die sich nach der Grundstücksgröße richteten gab es Proteste und sogar eine Bürgerinitiative, aber erfolglos.“ Auch in Hatzfeld wurden Grundstücksbesitzer zur Finanzierung der neuen Kläranlage herangezogen.

Ernst-Jürgen Bernbeck, seit 1977 CDU-Mitglied, engagierte sich weiterhin in der Kommunalpolitik, ist in seiner Heimatstadt ehrenamtlicher Vize-Bürgermeister und Vorsitzender des „Vereins für Altenpflege“. Seit 2005 ist er pensioniert, bis dahin war er bei der Kriminalpolizei: Ende der 80er Jahre kam er als Personenschützer an der deutschen Botschaft im vom Bürgerkrieg erschütterte San Salvador und gründete einen Förderverein für ein Waisenhaus.

Er war Stellvertretender Kommandoführer an der deutschen Botschaft in Beirut und dreimal in Bosnien. Auch dort engagierte er sich für Waisenkinder. „Deshalb habe ich die Zeit in Hatzfeld schnell vergessen“, sagt er. Für sein soziales Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz.


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