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Frankenberg. Infoabend zu neuen Strategien von rechtsextremen Gruppierungen

„Rechte Kultur“ ist schwer zu erkennen

Frankenberg (sr). Mit geschärftem Blick in Sachen Rechtsextremismus verließen am Montagabend rund 100 Vertreter von Vereinen, Verbänden, Schulen und Parteien die Frankenberger Ederberglandhalle.
 

Rechtsextremismus ist auch im Frankenberger Land ein Thema. Die Stadt Frankenberg informierte in der Ederberglandhalle mit Kriminaloberrat Hubertus Hannappel, Erstem Stadtrat Willi Naumann, Dr. Reiner Becker vom Beratungsnetzwerk Hessen und Pfarrer Christoph Holland-Letz über neue Strategien rechtsextremer Gruppierungen.

© Frank Seumer

 Nicht erst nach dem Vorfall beim Frankenberger Midnight-Shopping Ende Oktober, als vermummte Personen in einer Spielhalle in der Fußgängerzone versuchten, ein Transparent zu enthüllen, ist das Thema Rechtsextremismus auch in Frankenberg aktuell. Kriminaloberrat Hubertus Hannappel, Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, berichtete zwar von geringen Fallzahlen im Kreisgebiet, warnte jedoch davor, die Entwicklungen und Tendenzen zu unterschätzen. Ziel der Polizei sei es, Gefahren möglichst früh zu erkennen, damit es gar nicht zu Straftaten komme.

In einem Referat erläuterte Dr. Reiner Becker, Landeskoordinator des Beratungsnetzwerks Hessen, viele Facetten und Ausprägungen des Rechtsextremismus. Dieser knüpfe regelmäßig an Vorurteile an und beinhalte eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit seien Stichworte zur Einstellung der Anhänger. Das Verhalten von Rechtsextremen sei häufig von Protest und Provokation geprägt. „Nicht jeder Rechtsextreme ist gewalttätig“, betonte Dr. Becker.

Neben der früheren Parteiorganisation zum Beispiel in der NPD stellte der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Marburg auch neue Organisationsformen vor: neonazistische Kameradschaften oder lose Cliquen. Ihr Motto sei die „Organisierung ohne Organisation“.
Besonders bei Jugendlichen habe sich eine „rechte Kultur“ etabliert, die von außen kaum erkennbar sei. „Schwarze Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln sind out“, betonte Dr. Becker. Er zeigte eine Reihe anderer eher unauffälliger Symbole: Aufkleber, Anstecker oder kleine Fahnen.

Im Mittelpunkt der Anwerbung von Jugendlichen stünden Erlebnisangebote, Gruppenzugehörigkeit, Musik und Abgrenzung. Häufig sei der Rechtsextremismus in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt. Mögliche Gründe: Verlust der dörflichen Gemeinschaftskultur, ökonomische Krisen oder ausgeprägter Lokalismus. Hohe Bedeutung besitzen auch die modernen Medien. Das Internet sei eine „Offenbarung für die rechtsextreme Szene“. „Es gibt keine Patentrezepte im Umgang mit Rechtsextremismus“, sagte der Fachmann. Er riet jedoch allen Zuhörern, die eigenen „Anerkennungsangebote“ für Jugendliche in Verein, Schule oder zu Hause zu überprüfen. 

Mehr lesen Sie in der  FZ vom  Mittwoch, 1.Februar


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