Das sogenannte 32-Familien-Haus in der Straße „Am Hain“: Hier lebt einer der mutmaßlichen Tankstellenräuber, der seit dem späten Samstagabend wieder auf freiem Fuß ist. Ein mulmiges Gefühl quält seitdem die Hausgemeinschaft.
Insgesamt sind es vier Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren, die die Marburger Staatsanwaltschaft des schweren Raubs verdächtigt. Sie sollen drei bewaffnete Überfälle auf Tankstellen in Kassel verübt haben. Alle Tatverdächtigen kommen aus Frankenberg und sind deutsche Staatsangehörige. Und alle sind geständig. In Untersuchungshaft sitzen allerdings nur zwei der vier mutmaßlichen Räuber.
Zwei 19-jährige Tatverdächtige sind am späten Samstagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Einer der beiden wohnt in dem Mehrfamilienhaus, das von dem SEK gestürmt wurde. Der zweite 19-Jährige lebt in einer anderen Frankenberger Wohnung, wo er am Samstagmittag verhaftet worden ist. Auch dort dürften die Nachbarn überrascht sein, den mutmaßlichen Räuber wieder auf freiem Fuß zu sehen.
Haftbefehl erlassen hat das zuständige Gericht indes gegen einen 15- und einen 14-Jährigen. Der 15-Jährige hat bei dem 19-Jährigen in der Wohnung „Am Hain“ gelebt und ist dort auch verhaftet worden. Der 14-Jährige hat sich am Sonntagmorgen bei der Frankenberger Polizei gestellt. Bei den beiden Jugendlichen habe Fluchtgefahr bestanden, erläutert Annemarie Wied, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, gegenüber WLZ-FZ. Und warum sind die beiden 19-Jährigen wieder freigelassen worden? „Weil bei ihnen weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr gegeben war.“
Während in einer ersten Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft noch von Haupt- und Mittätern die Rede war, stellt Wied auf Nachfrage klar: Die Vorwürfe gegen die beiden 19-Jährigen seien nicht weniger schwerwiegend als die Vorwürfe gegen die 14- und 15-jährigen Tatverdächtigen. Alle vier müssten sich wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes verantworten.
Nachdem die Nachbarn am Wochenende den ersten Schrecken durch den groß angelegten Polizeieinsatz gerade verkraftet haben, trauen sie am Sonntag ihren Augen nicht: Der 19-jährige Mann, der erst kurz zuvor in Handschellen abgeführt worden ist, kommt zurück zu seiner Wohnung. Er ist wieder auf freiem Fuß.
„Wir haben Angst“, sagt eine Bewohnerin. Viele Menschen in dem Wohnblock, der auch „32-Familien-Haus“ genannt wird, quäle seit den Festnahmen am Wochenende ein mulmiges Gefühl, berichtet die Frau.
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