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Rosenthaler Verein für Heimatpflege lädt zur Mundartlesung in Alte Schule

Märchen und Geschichten auf Platt

Rosenthal (sie). Dass sie einmal so freudig ins Klassenzimmer strömen würden, hätten sich manche Besucher zu ihren Jugendzeiten auch nicht gedacht. Doch sie freuten sich auf einen „Unterricht“ der besonderen Art: Der Verein für Heimatpflege hatte zu einem Mundart-Nachmittag in die Alte Schule in Rosenthal eingeladen. Der Verein wollte mit dieser Veranstaltung für den Erhalt der Rosenthaler Mundart werben.
 
 

Der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege, Sigmar Salzmann, und Gastgeberin Dr. Carola Schneider.

© Siemon

Die Besitzer der Alten Schule, Dr. Carola Schneider und Walter Bornscheuer, hatten die liebevoll mit Tafel, Wandkarten und den alten Bänken hergerichteten Räume zur Verfügung gestellt – aber auf einen solchen Ansturm waren sie nicht eingestellt: Mehr 70 Interessenten und Akteure waren gekommen. „Wir hätten eine Leinwand aufstellen und die Lesung nach draußen übertragen sollen“, merkte Dr. Schneider scherzhaft an. Aber mit viel Geschick passten doch alle in den ehemaligen Klassenraum, in dem bis Ende der 1960er Jahre noch unterrichtet worden ist.

Auch der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege, Sigmar Salzmann, war erstaunt über die stattliche Anzahl der Gäste. „Das sagt aus, dass die Mundart auch heute noch das Interesse weckt.“ Er hatte einige Fachleute für die Lesung geworben. Als erstes trat Dr. Martin Mengel  auf. Sein Gebiet sind die Märchen der Gebrüder Grimm, hauptsächlich das vom „Rotkäppchen und dem bösen Wolf“. Das präsentierte er auch in einer Fassung auf Platt – und kommentierte: „Einer, der Mundart spricht, spricht das beste Deutsch.“ Auch wenn die Mundart einer Region zusammengehöre, werde in fast allen Ortschaften ein anderes Platt gesprochen, erklärte er.

Er berichtete auch über die Entstehung der umfangreichen Grimm‘schen Märchen-Sammlung. Vieles übernahmen die Brüder von Dorothea Viehmann, geborene Pierson. Sie stammt aus einer Familie von protestantischen Hugenotten, die  nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 aus ihrer französischen Heimat fliehen mussten und in der Landgrafschaft Hessen-Kassel aufgenommen wurden. Durch ihre Familie kannte sie eine Reihe von französischen Märchen, die sie an die Grimms weitergab. Dabei kam es zu zahlreichen Abwandelungen.

In der Gaststube ihres Vaters in einem Dorf bei Kassel hatte sie darüber hinaus auch viele Geschichten, Sagen und Märchen von durchreisenden Kaufleuten, Handwerksburschen und Fuhrleuten gehört, die sie den Brüdern weitererzählte. Sie sprach noch Französisch, es war ja auch die Sprache der Königshäuser und der Diplomatie.

Mehr lesen Sie in der  FZ vom  Mittwoch, 1.Februar


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