Der Schlüssel zum japanischen Garten liegt nicht in den Pflanzen selbst, sondern in dem, was der Gestalter aus ihnen macht: Um alles in Form zu bringen, braucht Bernd Finkenstein 20 Stunden.
Allendorf-Haine. Hoch wachsende Rosen zieren den Eingang zum apart hergerichteten Haus von Bernd Finkenstein und seiner Familie in Haine. Das Fachwerk ist fein gestrichen, Schiefer passend dazu ausgesucht. Mit dem kleinen Vorgarten fügt es sich einladend und passend ins Dorfbild. Wer die Gelegenheit erhält, auch einen Blick in den Garten hinter dem Fachwerkhaus zu werfen, dem offenbart sich eine andere, geradezu exotische Welt: Einen japanischen Garten hat Bernd Finkenstein dort im Laufe der vergangenen 20 Jahre angelegt – ein Kleinod, das eine ganz besondere Stimmung erzeugt.
„Auf die Idee bin ich gekommen, als ich vor 20 Jahren einen Bonsai in die Hand bekam“, erklärt der 46-Jährige den Beginn seiner Leidenschaft, die ihn bis heute im Bewegung hält: Aus dem Bauerngarten, in dem seine Eltern einst Gemüse anbauten, hat er nach und nach eigenhändig eine Komposition geschaffen, die sich so weit wie möglich an den japanischen Vorbildern orientiert.
Die Prinzipien der Komposition leiten sich aus der chinesischen Tradition ab und daher vor allem aus der Gegenüberstellung von Yin und Yang – angestrebt wird ein Gleichgewicht zwischen Leere und Fülle, Schatten und Licht, Wasser und Steinen. Dabei stehen geschnittene Pflanzen als Fülle, geharkte Sandflächen als Leere. Die geharkten Flächen dienen nach der japanischen Lehre als Meditationsfläche, sie sollen daher nicht betreten werden.
Der Garten in Japan gilt als abgeschlossene ideale Welt und dort gibt es keine Symmetrie – stattdessen soll eine Vielschichtigkeit das Auge dazu leiten, von einem Gegenstand zu anderen zu wandern, und daher kommt bei der Gestaltung auch gewundenen Wegen und Zahlen eine besondere Bedeutung zu: „Es ist wichtig, Pflanzen oder Gegenstände in ungeraden Zahlen zu setzen“, erklärt Finkenstein – also finden sich hier fünf Steine, dort drei kugelförmig gestutzte Buchs oder andere Pflanzen wie Bambus und ein einzelner Fächerahorn. Dabei spielt die Begrenzung auf die Farbe Grün eine entscheidende Rolle im Streben nach Harmonie, erklärt der 46-Jährige.
Auch Klang ist wichtig, Ruhe ist dabei ebenso gewollt wie das Geräusch eines Windspiels aus Bambus. Steine und Wasser gehören zu den grundlegenden Elementen im japanischen Garten – Steine beherbergen nach der religiösen Vorstellung Geisterwesen, Wasser trägt das Symbol des Lebens in sich. Wenn Bernd Finkenstein mit kritischem und zugleich lachendem Blick sagt: „Ich bin mit der Gestaltung noch nicht fertig“, so folgt er damit ebenfalls dem japanischen Ideal: Das Streben nach Harmonie führt von den Einzelheiten zur umfassenden Dimension.
Die Tür zu Bernd Finkensteins japanischem Garten steht am kommenden Samstag, 12. Juni, und Sonntag, 13. Juni, beim Tag der offenen Gärten für alle Interessierten offen. (md)
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