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Die Bürgermeisterkandidaten im Porträt: Rupert Jaeschke genießt den Kontakt zu den Menschen

In Politik „David“, in Kunst „Goliath“

Frankenberg (rou). Rupert Jaeschke ist der Paradiesvogel unter den fünf Bürgermeisterkandidaten – und dies ist keineswegs negativ gemeint. Dass er eine Sonderstellung hat, nimmt auch er so wahr: „Ich bin der David, die anderen vier sind eher Goliaths, zumindest in Sachen Kommunalpolitik.“

Rupert Jaeschke, parteiloser Bürgermeisterkandidat, findet auch dieser Tage Zeit für die Musik.

© Rouven Raatz

Rupert Jaeschke fällt auf, weil er anders ist – anders als die anderen Mitbewerber um das Frankenberger Bürgermeisteramt. Seine Sonderstellung wird beim Besuch bei ihm zu Hause deutlich. Und in ungestörten Gesprächen mit ihm. 
Jaeschke lebt mit seiner zweiten Frau im Schreufaer Neubaugebiet. Nicht in einem gemauerten, und auch nicht in einem Fertighaus. Nein, Jaeschke, der parteilose Bürgermeisterkandidat, der mit den Grünen sympathisiert, hat ein Holzhaus gekauft. „Das Raumklima ist einfach fantastisch“, erzählt er lässig auf einem Hocker im Esszimmer sitzend. An den Wänden hängen selbst gemalte Bilder, außerdem eine Gitarre. Neben dem Sofa steht ein Fitnessgerät. Aus dem offenen Wohn-Ess-Koch-Bereich hat Jaeschke freien Blick ins Feld.
Dieses Leben in der Natur ist ihm wichtig. Oft ist er unter der Woche in europäischen Metropolen unterwegs: in London, in Brüssel. „An den Wochenenden bin ich aber immer hier“, sagt er. Das Frankenberger Land ist für den Mann vom Bodensee zur Heimat geworden.
Eigentlich sei er täglich eine Stunde draußen unterwegs, erzählt er: Jaeschke ist begeisterter Läufer, hat schon eine zweistellige Zahl an Marathonläufen in den Beinen. Er fährt gerne Mountainbike. Hin und wieder chartert er sich ein Segelboot auf dem Edersee. Oder er geht schwimmen im Frankenberger Hallen- oder im Freibad. „Und im Herbst gehe ich in die Pilze. Damit kenne ich mich aus“, erzählt er und beschreibt, wie er Pilzgerichte zubereitet und Genuss dabei empfindet, bei einer guten Flasche Weißwein zu schlemmen.

Gemeinsame Wahlparty

Zu einem Paradiesvogel macht Jaeschke aber vor allem seine Einstellung zum Leben und zum Miteinanderleben: Von allen fünf Bewerbern ist er der am wenigsten „politische“. Im Gespräch wird deutlich, dass dem Vater zweier erwachsener Kinder aus erster Ehe das Wort Wahlkampf deshalb auch suspekt ist: „Mit Bernd, Daniela und Nicolas verstehe ich mich supergut. Wir überlegen sogar, eine gemeinsame Wahlparty zu organisieren.“ Denn ohnehin seien die Argumente der Bewerber zum Großteil identisch.
Für eine besondere Schärfe im Werben um die Wählergunst sieht Jaeschke deshalb keine Notwendigkeit. Mit den Business-Angels und seiner Bürgerstiftung habe er zwei Ideen eingebracht. Doch ansonsten werbe er mit seiner Persönlichkeit. Und dies auch definitiv nur bei dieser Wahl. „Ich habe nur dieses eine Fenster.“ Bei der nächsten Wahl wäre er 60 Jahre alt. „Das wäre wohl zu alt, denn für Entwicklungen in den Bereichen Kultur-, Familien-, Einkaufsstadt
oder auch den Schuldenabbau braucht man realistisch gesehen mehr als eine Amtszeit.“
Seinen Mann stehen, das würde er als Bürgermeister, ist er sich sicher. Denn zwischen seiner aktuellen Berufung als selbstständig agierender Experte für internationalen Zahlungsverkehr und der Aufgabe des ersten Mannes im Rathaus sieht Jaeschke etliche Parallelen: Er könne Projekte planen und erfolgreich zum Abschluss bringen. Er habe Erfahrung im Umgang mit Budgets in der Größenordnung des Frankenberger Haushalts. Er sei darauf spezialisiert, Geschäftsverbindungen herzustellen und Unternehmen sowie Personen miteinander zu vernetzen. Und vor allem könne er Menschen motivieren, sie in ihrer Kreativität fördern und dabei begleiten, Aufgaben in einer vorgegebenen Zeit und einem abgesteckten Budgetrahmen zu erfüllen.

Herzlichkeit beeindruckt

Ungeachtet des Wahlergebnisses am 26. Februar werte er diese Lebensphase als einen Gewinn für sich. „Es ist toll, mit so vielen Menschen zusammenzukommen“, erzählt Jaeschke. Bei seinen Rundgängen durch die Stadt hätten ihm viele Menschen ihr Herz ausgeschüttet. „Das sind Momente, die bleiben.“ Er habe viel Anerkennung und einige Freunde gewonnen.
Und dass ihm diese Zwischenmenschlichkeit wichtig ist, kann er sogar belegen. Die Herzlichkeit vieler Frankenberger hat ­Jaeschke mit seinem Smartphone festgehalten. Er hat bei seiner „Pilgertour“ durch Frankenberg Details fotografiert: kleine Schilder mit der Aufschrift „Welcome“ oder „Willkommen“ an den Türen oder in den Vorgärten. „Daran kann ich mich erfreuen.“
Eintauchen in Parallelwelt
Während sich für „typische“ Wahlkämpfer die Welt nur um den Wahlkampf dreht, hat ­Jaeschke auch dieser Tage noch andere Dinge im Sinn: die schönen Künste. „Parallelwelten“ nennt er diese und erzählt, dass er so oft wie möglich in diese eintauche. Die Gabe, tatsächlich abzuschalten und in der Natur, dem Sport, der Musik oder der Malerei vollkommen aufzugehen, empfindet der 54-Jährige als ein großes Geschenk. „Das gibt mir Kraft und Mut, um die Dinge im richtigen Leben gut bewältigen zu können.“ Doch wenn ihn die Muse küsst, denkt Jaeschke nicht nur an sich. Es fasziniere ihn, wenn er durch seine Kunst bei anderen Menschen Erinnerungen oder Emotionen wecken könne, die ihnen für ihr Leben etwas bringen.
Zum Abschied bittet Jaeschke in das Dachgeschoss: in sein Spielzimmer, wie er sagt. Und mit dem Öffnen der Tür öffnet sich auch die von ihm zuvor beschriebene „Parallelwelt“. Ein Wahlkampfplakat liegt auf dem Boden, auf einer Staffelei steht ein Bild. Stolz zeigt er seine kleine Gitarrensammlung. Doch ­Jaeschke ist nun mal anders als andere. Er zeigt sie nicht nur, sondern legt ein Mikrofon an, greift zur Gitarre und gibt mit „Sunny“ von Bobby Hebb eine Kostprobe seines Könnens: in Sachen Musik ist er eher der Goliath. 


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